Altenbeken legt nach Autochaos die Lilienhahnquelle trocken
Das „heilende Wasser“sprudelt nicht mehr

Altenbeken (WB). „Da läuft nur noch die Nase“, sagt Marion Wessels. Die Gemeinde Altenbeken hat dem Wassertourismus im Driburger Grund einen Riegel vorgeschoben und die Lilienhahnquelle praktisch trockengelegt. Mindestens bis zum Frühjahr soll dadurch das massenhafte Abzapfen von Wasser verhindert werden.

Mittwoch, 30.09.2020, 05:17 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 16:34 Uhr
Die Lilienhahnquelle liegt in unmittelbarer Nähe des Spielplatzes. Weil immer mehr Menschen Wasser abzapften, habe die Gemeinde handeln müssen, sagt Marion Wessels. Foto: Oliver Schwabe
Die Lilienhahnquelle liegt in unmittelbarer Nähe des Spielplatzes. Weil immer mehr Menschen Wasser abzapften, habe die Gemeinde handeln müssen, sagt Marion Wessels. Foto: Oliver Schwabe

Als Grund nannte die Sprecherin der Gemeinde die teilweise chaotischen Zustände mit Gesundheitsgefahren für spielende Kinder, blockierten Wegen für Forstarbeiter und die Feuerwehr sowie mit „Müll ohne Ende“.

Problematische Autokolonnen

In diesem Jahr hätten „deutlich mehr Menschen Wasser abgezapft als in den Vorjahren“, erläutert Marion Wessels, warum sich die Verwaltung endgültig zum Handeln gezwungen sah. Von 5.30 Uhr morgens bis in die Abendstunden hätten vor allem freitags, samstags und sonntags Autokolonnen im Driburger Grund gestanden, deren Insassen Wasser aus der Quelle in Kanister gefüllt hätten.

„Sie sind mit abenteuerlichen Konstruktionen gekommen, um tausende Liter abzuzapfen, sie brachten ihre Familien mit, drehten das Autoradio auf und nutzten das Ganze als Tagesausflug“, beklagt sie. Mitarbeiter der Verwaltung seien auf offene Feuer und taube Ohren gestoßen. „Die Leute waren zum Teil erheblich aggressiv und vollkommen uneinsichtig, Mitarbeiter des Bauhofs sind beleidigt worden, das ging teilweise bis zu tätlichen Angriffen“, erzählt Marion Wessels.

Wasser mit heilender Wirkung?

Das Wasser der Lilienhahnquelle genießt bei einigen den Ruf, eine heilende Wirkung zu haben. Belegt ist das aber keineswegs. „Wir sagen seit Jahrzehnten, dass das kein Heilwasser ist, aber die Leute glauben daran“, bedauert Marion Wessels. Es handele sich auch nicht um geprüftes Trinkwasser, es sei lediglich besonders kalkarm und deshalb hätten in der Vergangenheit auch Besitzer von Aquarien das Wasser für ihre Becken abgefüllt.

Die Gemeinde machte dem Spuk wegen der Vielzahl der Wassertouristen aus ganz OWL ein Ende, aber auch wegen der Missachtung von Abstandsregeln inmitten der Corona-Pandemie und nicht zuletzt deshalb, um Unfällen mit spielenden Kindern vorzubeugen. Marion Wessels: „Um möglichst schnell an der Zapfstelle zu sein, fuhren Autofahrer mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit am Spielplatz vorbei.“

Der Spielplatz bildet mit der Grillhütte und den Wanderwegen ein beliebtes Freizeitziel für Altenbekener und Auswärtige. Für hunderte Spaziergänger bildet der Driburger Grund an den Wochenenden den Ausgangspunkt für erholsame Schritte.

Ein erster Versuch der Gemeinde, diejenigen abzuschrecken, die lediglich kostenlos Wasser ergattern wollen, schlug fehl. Sie drosselte die Menge des Wassers, die aus dem Rohr floss, damit das Abzapfen länger dauerte und unbequemer wurde, aber „das nützte nichts“, wie Marion Wessels festgestellt hat. Selbst jetzt, wo die Quelle trockengelegt sei, kämen immer noch Menschen und suchten in unmittelbarer Nähe nach Wasseradern.

Holztransporte werden erschwert

Das Gelände gehört zum Regionalforstamt Hochstift, die Gemeinde ist lediglich Pächterin des Spielplatzes und der Hütte. Weil die Zustände auch die Forst nervten, wandte die sich an die Verwaltung mit der Bitte, Abhilfe zu schaffen. Der Weg in den Wald war zeitweise blockiert, das Arbeiten unmöglich. Und das in einer Zeit, in der der Borkenkäfer dafür sorgt, dass zahlreiche Bäume gefällt werden müssen. „Wir sind der Flächeneigentümer, das ist unsere Liegenschaft“, erläutert der Forstdirektor Dirk Kreienmeier vom Regionalforstamt Hochstift und betont: „Beim Holzabtransport mit Containerfahrzeugen können wir keine privaten Fahrzeuge auf den Wegen gebrauchen. Dadurch gerät der Abfuhrmechanismus ins Stocken.“

Für immer will die Gemeinde Altenbeken die Lilienhahnquelle nicht trockenlegen. Sie soll naturnah umgestaltet und zu einer idyllischen „kleinen Plätscherquelle“ (Marion Wessels) werden. Der Wassertourismus im Driburger Grund in der bisherigen krassen Form soll aber der Vergangenheit angehören. „Das war echt abenteuerlich“, sagt Marion Wessels.

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