Altenheim Altenbeken: Pfleger (61) wegen Vergewaltigung dementer Bewohnerin (69) angeklagt
„Man hat ihm so etwas nicht zugetraut“

Altenbeken (WB/som). Anfang Januar soll sich ein Pfleger in einem Altenheim in Altenbeken während der Nachtwache an einer dementen Bewohnerin (69) sexuell vergangen haben. Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat jetzt gegen den mittlerweile 61-jährigen Mann aus Brakel Anklage vor dem Landgericht Paderborn erhoben.

Samstag, 10.10.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 11.10.2020, 07:20 Uhr
Im Seniorenzentrum Altenbeken soll sich ein Pfleger am 2. Januar 2020 während der Nachtwache an einer dementen Bewohnerin vergangen haben. Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat jetzt gegen den Mann aus Brakel Anklage erhoben. Foto: Oliver Schwabe
Im Seniorenzentrum Altenbeken soll sich ein Pfleger am 2. Januar 2020 während der Nachtwache an einer dementen Bewohnerin vergangen haben. Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat jetzt gegen den Mann aus Brakel Anklage erhoben. Foto: Oliver Schwabe

Der Tatvorwurf lautet sexueller Missbrauch unter Ausnutzung eines Betreuungsverhältnisses und Vergewaltigung zum Nachteil einer Bewohnerin eines Seniorenheims in Altenbeken. Oberstaatsanwalt Marco Wibbe erläutert dazu ergänzend, dass dem Angeschuldigten nach dem Ergebnis der Ermittlungen eine Vergewaltigung in Form eines sexuellen Übergriffs nach Paragraf 177 Absatz 2 Nummer 1, Absatz 4, Absatz 5 Nummer 3 Strafgesetzbuch vorgeworfen werde.

Das Gesetz sieht für Taten, wie sie dem Angeschuldigten zur Last gelegt werden, eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr vor.

Das Aktenzeichen des Landgerichts und ein Hauptverhandlungstermin sind noch nicht bekannt. Weitere Einzelheiten zum Tathergang teilt die Staatsanwaltschaft Paderborn mit Blick auf das Persönlichkeitsrecht nicht mit. Oberstaatsanwalt Marco Wibbe verweist hierzu auf das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen, aufgrund dessen der in diesem Fall dahinter stehende konkrete Hergang nicht exakter ausgeführt werde, sondern auf die Vorschriften des Strafgesetzbuches verwiesen werde.

Angeschuldigte habe das Kerngeschehen eingeräumt

Dem Mann, der als Pfleger in der Einrichtung beschäftigt war, wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, sich am 2. Januar 2020 an einer dementen Bewohnerin vergangen zu haben. Er habe von ihr abgelassen, als er von einer Kollegin entdeckt worden war. Der Angeschuldigte hat das Kerngeschehen laut Oberstaatsanwalt Marco Wibbe eingeräumt.

Der Träger des Seniorenzentrums Altenbeken, die Stiftung Reichsbund freier Schwestern, schilderte im Januar, dass der Pfleger von zwei Kolleginnen „in flagranti erwischt“ worden sei und den Missbrauch zugegeben habe. Die Polizei habe ihn mitgenommen und ihm sei Hausverbot im Seniorenzentrum erteilt worden. Zwei Tage später habe der damals 60-Jährige von sich aus gekündigt.

Auch der Kreis Paderborn als Heimaufsicht sei von der Stiftung informiert worden. Die damalige Stiftungsvorsitzende Annette Hummel sagte nach Bekanntwerden der Tat gegenüber dieser Zeitung, sie hoffe, dass die Heimaufsicht ein Berufsverbot durchsetze, damit der Mann nicht irgendwo die nächste Stelle antrete.

Der Kreis Paderborn erläuterte auf Anfrage, dass in Fällen wie diesen die WTG-Behörde (Heimaufsicht) einer Einrichtung untersagen könne, die betreffende Person zu beschäftigen. „In diesem Fall war kein Beschäftigungsverbot erforderlich, da das Beschäftigungsverhältnis umgehend aufgelöst wurde“, erläutert Kreissprecherin Michaela Pitz. Der Kreis als WTG-Behörde könne aber kein generelles Berufsverbot aussprechen. Hierfür sei die Bezirksregierung zuständig, welche umgehend von der WTG-Behörde informiert worden sei. Nach Informationen dieser Zeitung hat der Pfleger sich nach seiner Kündigung in Altenbeken in anderen Einrichtungen beworben und war auch kurz in einer Einrichtung in einem anderen Kreis tätig.

„Er war ein guter Fachpfleger“

Im Seniorenzentrum Altenbeken hat der Mann 17 Jahre als Pfleger gearbeitet, bestätigt Thomas Ruhoff, Geschäftsführer der Stiftung Reichsbund freier Schwestern, auf Anfrage: „Er war ein guter Fachpfleger. Man hat ihm eine solche Tat nicht zugetraut.“ Der Träger sei sehr offen mit dem Vorfall umgegangen und habe Angehörige und Bewohner in Altenbeken informiert. „Bis jetzt hat sich kein weiteres Opfer gemeldet“, berichtete Ruhoff am Freitag.

Der Geschäftsführer sprach ein großes Lob an die beiden Mitarbeiterinnen aus, die den Vorfall gemeldet haben: „Sie hatten so viel Rückgrat, das zu melden, was passiert ist. Dadurch konnte erst gehandelt werden“, sagt Thomas Ruhoff: „Ein großes Lob für die beiden. Sie haben genau richtig gehandelt.“

Aus Gründen des Opferschutzes machte Thomas Ruhoff keine Angaben zu der missbrauchten Bewohnerin, die noch in der Einrichtung lebt. Die beiden Pflegerinnen seien durch eine Supervisorin begleitet worden. Beide haben jahrelang mit dem Pfleger zusammengearbeitet, erläutert Renate Rustemeyer, Leiterin des Seniorenzentrums Altenbeken.

Die Supervisorion habe auch mit dem Team des Wohnbereichs gesprochen, nicht nur mit der Nachtwache. „Wir sind weiter sehr aufmerksam und fragen immer wieder den Bedarf unter den Mitarbeitern ab. Die Supervisorin steht weiter für das Team zur Verfügung“, erläutert Rustemeyer.

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