Neue Düngeverordnung bedeutet Einschränkungen für zusätzlich 4200 Hektar im Kreis – Landwirte in Sorge
Bürener Land besonders betroffen

Bad Wünnenberg/Büren (WB/mai) -

Die Landwirte in Büren und Bad Wünnenberg blicken derzeit mit Sorge auf das Frühjahr. Denn entsprechend der neuen Düngeverordnung hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv) am 29. Dezember die sogenannten nitratsensiblen Gebiete für den Kreis Paderborn ausgewiesen.

Donnerstag, 21.01.2021, 12:40 Uhr aktualisiert: 21.01.2021, 12:46 Uhr
Ein Landwirt düngt eine Wiese.
Ein Landwirt düngt eine Wiese. Foto: dpa

Während bislang etwa 10.500 Hektar als nitratsensitiv angesehen wurden, erhöht sich der Wert mit der neuen Karte auf 14.688 Hektar. Vor allem in Bad Wünnenberg und Büren wurden zusätzliche Flächen als nitratsensibel eingestuft. Dort gelten nun zum Schutz des Grundwassers zusätzliche Auflagen für die Düngung.

Beispielsweise muss die Düngemenge künftig 20 Prozent unter dem durchschnittlichen Düngebedarf der roten Flächen liegen. Dies, sagt Stefan Berens, Kreisgeschäftsführer der Landwirtschaftskammer, verschlechtere nicht nur die die Wirtschaftlichkeit des Ackerbaus, sondern führe auch zu einem Wertverlust der Eigentumsflächen.

Kreislandwirtin Susanne Mönnikes fordert weitere Informationen dazu, wie die Flächen, die in der Karte rot markiert sind, ermittelt wurden. Einen Hinweis liefern die amtlichen Messstellen in den jeweiligen Grundwasserbereichen. Diese Messwerte weisen in den nitratsensiblen Gebieten Nitratwerte oberhalb von 50 Milligramm pro Liter aus oder zeigen einen positiven Trend, der über 37,5 Milligramm pro Liter liegt. Weiterhin wird entsprechend verschiedener Bodenfaktoren ein maximal tolerierbarer Düngerüberschuss berechnet. Dieser Wert wird mit den örtlichen Stickstoffbilanzen verglichen.

Dabei ist laut Landwirtschaftskammer festzustellen, dass beste Lößböden eher geringe Nährstoffüberschüsse vertragen, leichtere Standorte mit Stauwassereinfluss dagegen höhere Stickstoffbilanzen. Wenn nun in einer Gemeinde ein regionaler Stickstoffsaldo von 48 Kilo pro Hektar ermittelt werde, überschreite dieser Wert in der Regel den Höchstwert auf den fruchtbaren Lößböden. Eine mögliche Nitratanreicherung im Grundwasser wäre zu befürchten. Die „leichteren, stauwasserbeeinflusste“ Sand-Standorte mit einem hohen Denitrifikationspotenzial könnten dagegen dieses Stickstoffsaldo besser „wegpuffern“.

In der Folge sei der Lößstandort als mit Nitrat belastet eingestuft worden. Weitergehende Düngungseinschränkungen seien die Folge. Landwirte, die auf den Standorten mit guten Nitratabbaubedingungen wirtschafteten, müssten dagegen keine zusätzlichen Auflagen erfüllen.

Die betroffen Landwirte hoffen daher, dass die derzeitige Überarbeitung der Messdaten noch zu einer Korrektur führt. Bis Ende Februar sollen die für die Gemeinden in NRW ermittelten Nährstoffsalden berücksichtigt werden.

„Diese Betrachtung hat mit der tatsächlichen Düngungspraxis auf dem einzelnen Betrieb wenig zu tun“, sagt Susanne Mönnikes. Da das regionale Stickstoffsaldo nicht einzelbetrieblich, sondern auf Großgemeindeebene erhoben werde, könne ein extensiv wirtschaftender Landwirt seine individuelle Betroffenheit nicht abändern. Genau das fordert Mönnikes aber, ebenso wie weitere Informationen zu den örtlichen Klima- und Bodenverhältnissen. Die angewandten Messwerte und Parameter müssten den betroffenen Landwirten uneingeschränkt zur Verfügung gestellt werden. Diese Informationen seien nötig, damit das komplizierte System transparenter und nachvollziehbarer werde.

Ein intensiver Dialog mit den betroffenen Landwirten und dem Lanuv sei erforderlich, stellen Susanne Mönnikes und Stefan Berens unisono fest. Es gehe nicht nur um die verwendeten Messdaten, sondern es müsse auch geprüft werden, ob die zugrunde gelegten Messstellen tatsächlich geeignet seien, die nitratsensiblen Gebiete in diesem Ausmaß auszuweisen. Daher sollen die regionalen Daten noch einmal auf Großgemeindeebene vorgestellt und diskutiert werden. Termine stehen aber noch nicht fest

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