NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart: Ab dem 19. April darf in Stadt und Kreis vor allem beim Sport gelockert werden – Kreise Höxter und Herford enttäuscht
Paderborn wird Modellregion

Paderborn/Düsseldorf/Höxter/Herford/Gütersloh (WB/du/LaRo/dpa) -

Kreis und Stadt Paderborn werden Modellregion im Bereich Sport für Lockerungen in der Corona-Pandemie. Das hat NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Freitag bekannt gegeben. „Sport ist unglaublich wichtig, nicht nur für unsere körperliche, auch für die seelische Gesundheit. Ich denke da auch gerade an die Kinder und Jugendlichen, die seit Monaten auf so vieles verzichten müssen“, sagte Paderborns Landrat Christoph Rüther (CDU) in einer Stellungnahme.

Freitag, 09.04.2021, 11:42 Uhr aktualisiert: 10.04.2021, 07:28 Uhr
Der Ahorn-Sportpark in Paderborn.
Der Ahorn-Sportpark in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Insgesamt hatten sich 46 Kreise und Städte beworben. „Die Resonanz hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagte Pinkwart. In zwei Gruppen starten die Modellverfahren, die sich vor allem durch Digitalisierung und konsequente Testung mit den Schwerpunkten Freizeit, Sport und Kultur auszeichneten, so Pinkwart.

In Paderbornbeginnt der Modellversuch am Montag, 19. April. Dort liegt der Schwerpunkt auf dem Bereich Sport. Zu dieser ersten Gruppe mit sechs Teilnehmern gehören auch OWLs Nachbarn Münster (Stadt), der Kreis Soest mit Modellprojekten und Lippstadt sowie die Kreise Warendorf und Coesfeld. Außerdem sind die Stadt Ahaus und die Stadt Mönchengladbach dabei. Die zweite Gruppe mit acht Kommunen und Kreisen startet am 26. April. Das sind der Kreis Düren, die Stadt Essen, die Stadt Hamm, die Stadt Köln, die Stadt Krefeld, die Stadt Lennestadt, die Stadt Siegen sowie der Hochsauerlandkreis mit den Städten Schmallenberg und Winterberg.

Ursprünglich war geplant, nur sechs bis acht Kommunen mit Modellprojekten grünes Licht zu geben. Dass es nun etwa doppelt so viele sind als zunächst geplant, begründete Pinkwart mit der hohen Qualität der insgesamt 46 Bewerbungen und mit dem Verweis auf andere Bundesländer – in Niedersachsen sollen es beispielsweise 13 sein. Zudem sollen die NRW-Kommunen etwas später starten als gedacht. Man gehe das Vorhaben „wohlbedacht und gut vorbereitet“ an und brauche die kommende Woche noch für Gespräche mit den Kommunen. Pinkwart betonte, dass mit den Modellprojekten wichtige Erkenntnisse gesammelt würden. „Es geht uns um eine verantwortliche und pandemiesichere Umsetzung begrenzter Vorhaben mit klaren Kriterien“, sagte er. „Es haben nicht die Kommunen insgesamt geöffnet, sondern sehr gezielt in vorab definierten Projekten, die dann auch mit entsprechenden Testungen und Nachverfolgungen begleitet werden.“

Wocheninzidenz von 100

Um mit den begrenzten Öffnungen beginnen zu können, muss die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in einer Kommune laut Pinktwart unter 100 pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen liegen. Mit Schnelltests und digitalen Hilfsmitteln soll sichergestellt werden, dass sich das Infektionsgeschehen durch die Öffnungen nicht intensiviert. Das Vorhaben wird wissenschaftlich begleitet, um Rückschlüsse für das ganze Land ziehen zu können. Ursprünglich sollten die Projekte nach Ostern starten. Grund für die Verschiebung seien pandemiebedingte Vorsichtsmaßnahmen, hieß es weiter.Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt auch in NRW wieder an. Sollte die Inzidenz nach dem Beginn der Modellversuche auf mehr als 100 steigen und dies mehr als sieben Tage bleiben, wird abgebrochen – es sei denn, die Kommune legt schlüssig dar, dass der geöffnete Teil des öffentlichen Lebens „nicht wesentlich“ zum Infektionsgeschehen beigetragen habe.

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Die Kreise Höxter, Herford und Gütersloh gehören nicht zu den vom NRW-Wirtschaftsministerium ausgewählten Modellregionen. Landrat Michael Stickeln hatte mit dem Ergebnis gerechnet – hält es jedoch für ein falsches Signal. Herfords Landrat Jürgen Müller zeigt sich enttäuscht: „Ich denke nach wie vor, dass wir ein gutes Bewerbungskonzept hatten. Im Kreis Herford haben wir schnell reagiert und haben mit unserer Testoption und den flächendeckenden Testmöglichkeiten einen verantwortungsvollen Weg für überschaubare Öffnungen im Einzelhandel und der Kultur gefunden. Zudem haben wir mit unterschiedlichen digitalen Möglichkeiten – so zum Beispiel mit der Luca-App – erweiterte Optionen geschaffen, die uns die Kontaktpersonennachverfolgung erleichtern.“ Diese Strategie wolle der Kreis weiterfahren, wenn der Inzidenzwert unter 100 falle. „Wir können aber auch bei einem Inzidenzwert von über 100 eine Lösung für Bürger und den Handel anbieten“, sagt Müller. Der Kreis Höxter ist landesweit der einzige Kreis mit einer 7-Tages-Inzidenz unter 50. Aufgrund dieses niedrigen Wertes treten aber bereits ab Samstag (10. April) kreisweite Lockerungen für Einzelhandel, Tierparks, Museen und Bibliotheken in Kraft.

„Netzwerk aus Wissenschaft, Sport und Verwaltung“

„Wir haben das Ministerium bei einer hohen Anzahl von Mitbewerbern überzeugt. Das zeigt, dass wir zusammen ein durchdachtes und vor allem auch sicheres Konzept auf die Beine gestellt haben“, sagte Paderborns Landrat Rüther (CDU).

Das in nur kurzer Zeit erarbeitete Konzept sieht vor, zunächst ausgewählte Bäder in Stadt und Kreis Paderborn sowie den Ahorn-Sportpark zu öffnen. Dies werde unter strenger Einhaltung von Hygienevorschriften, dem Einsatz von Apps zur Kontaktnachverfolgung und unter Einsatz von mobilen Testbussen an den Zugängen zu den Sportstätten, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Das Konzept werde wissenschaftlich und medizinisch begleitet, um stets zu überwachen, ob und wie sich die Öffnungen im Sportbereich auf die Inzidenzwerte in Kreis- und Stadt Paderborn auswirken. Die Luca-App ist im Kreis Paderborn am Freitag an den Start gegangen und kann ab sofort genutzt werden.

„Es macht mich unglaublich stolz, dass sich in so kurzer Zeit ein so kompetentes Netzwerk aus Wissenschaft, Sport und Verwaltung zusammengefunden hat, dass so engagiert daran gearbeitet hat, die erste Idee in ein funktionierendes Konzept umzusetzen“, sagte Paderborns Bürgermeister Michael Dreier (CDU). „Ich bedanke mich herzlich bei dem Stadtsportverband, dem Kreissportbund, dem Ahorn-Sportpark, der Universität Paderborn, dem heimischen Krankenhaus- und Ärzte-Netzwerk sowie dem SC Paderborn 07, der die Patenschaft für das Modellprojekt übernommen hat.“, sagte Dreier weiter. In den vergangenen beiden Tagen haben sowohl der Landessportbund NRW als auch der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen ihre Unterstützung zugesagt.

SCP07 will mit seinen Erfahrungen helfen

Fußball-Zweitligist SC Paderborn 07 wird seine Erfahrungen aus dem Profibereich und dem Nachwuchsleistungszentrum in das digitale Modellprojekt „Lockerungen im Sport“ einbringen. Das kündigte Geschäftsführer Martin Hornberger am Freitag an und sagte: „Wir haben nach einem Jahr Trainings- und Spielbetrieb unter den besonderen Coronabedingungen eine Expertise erarbeitet, die wir für die Nutzung des Ahorn-Sportparks, der Schwimmbäder oder der geplanten Laufveranstaltung zur Verfügung stellen.“ So testet der SCP täglich seine Profis, betreut bei jedem Zweitliga-Heimspiel etwa 350 Personen, die für die Abwicklung im Einsatz sind, und hat auch für den Nachwuchsbereich ein Hygienekonzept erstellt. Hornberger: „Unser Gutachten ist im Kreis Paderborn sicher exklusiv.“ Gleichzeitig hofft der 59-Jährige auf digitale Schnittstellen. „Wir wollen bald wieder Zuschauer in der Arena begrüßen. Wichtig wäre es, wenn dann niemand mehr einen Stapel an Dokumenten für eine Nachverfolgung, als Beleg für einen Schnelltest oder als Nachweis für eine Mitgliedschaft mitbringen müsste.“ Der Fußball-Funktionär geht aber noch einen Schritt nach vorn und wünscht sich weitere Synergieeffekte: „Wenn das Modellprojekt Sport funktioniert, könnten wir die Erfahrungen auch für die Öffnung von Theater, Kino, Gaststätten oder den kompletten Einzelhandel nutzen.“ (WB/MR)

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Schwimmausbildung für Kinder

Der Paderborner Landtagsabgeordnete Bernhard Hoppe-Biermeyer (CDU) begrüßt die Entscheidung. „Der Fokus im kreisweiten Bäderbetrieb könnte zunächst zum Beispiel auf der Schwimmausbildung von Kindern liegen“, schreibt der Sprecher aller Stadt- und Gemeindesportverbände im Kreis Paderborn in einer Presseerklärung.

So solle in Salzkotten eine Laufveranstaltung organisiert werden und auch eine Rückkehr in die Innenräume des Ahorn-Sportparks könnten künftig wieder möglich sein.

Wir haben jetzt die große Chance, Vorreiter für Nordrhein-Westfalen zu sein.

MdL Bernhard Hoppe-Biermeyer (CDU)

„Als Sportausschussvorsitzender des Landtags und begeisterter Sportler begrüße ich die Zusage aus Düsseldorf natürlich sehr. Der Breitensport pausiert coronabedingt seit über fünf Monaten weitgehend. Wir haben im Kreis Paderborn optimale Bedingungen, hervorragende Sportstätten und jetzt die große Chance, Vorreiter für Nordrhein-Westfalen zu sein. Es gibt kaum eine Region in NRW mit einem höheren Bevölkerungsanteil an Mitgliedern in Sportvereinen. Die Bewilligung des Modellprojekts ist ein Schritt zurück in die Normalität und eine hoffnungsvolle Perspektive für viele Menschen und Sportvereine in dieser schweren Zeit“, sagt Bernhard Hoppe-Biermeyer.

Das soll und darf nur ein erster Schritt sein.

MdL Marc Lürbke (FDP)

Lob gibt es auch von Marc Lürbke, Paderborner FDP-Kreisvorsitzender und stellvertretender Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion NRW: „Ich freue mich daher sehr, dass unsere Paderborner Region nun als Modellkommune testweise Öffnungen im Bereich Sport erproben kann. Viele Menschen warten doch sehnsüchtig darauf, endlich wieder im Verein, im Schwimmbad oder im Fitnessstudio Sport treiben zu können. Das ist eine gute Botschaft und ein wichtiger Baustein auf dem Weg zurück in die Normalität. Die im Rahmen des Paderborner Pilotprojektes gewonnenen Erkenntnisse beim Sport können so bei einer innovativeren Bewältigung der Pandemie im ganzen Land helfen.“

Dies dürfe aber nur ein erster Schritt sein. „Nicht nur einige wenige Sportvereine oder ein einzelnes Fitnessstudio im Kreis Paderborn ächzen unter den pandemiebedingten Schließungen, sondern alle. Gemeinsames Ziel muss daher auf Grundlage des Pilotprojektes eine zeitnahe verantwortungsvolle Öffnung durch den Einsatz von umfassenden Tests, digitalen Tools zur Nachverfolgung und Hygienekonzepten in der gesamten Breite des Sports quer durch alle Vereine und Sportarten sein.“

CDU-Landtagsabgeordneter Daniel Sieveke lobte die schnelle und zielgerichtete Zusammenarbeit von Stadt- und Kreisverwaltung, der Universität und den weiteren Akteuren. „Ich hoffe, dass die Erkenntnisse aus dem Modellprojekt Paderborn mit dem weiterhin geöffneten Einzelhandel einen Schritt mit und aus der Pandemie liefern können. Öffnen mit Sicherheit ist der richtige Weg“, betonte Sieveke, der hofft, dass die Bürger die Testmöglichkeiten nun auch intensiver nutzen.

Dahm übt Kritik

Aus der Opposition im NRW-Landtag kam Kritik. Der SPD-Abgeordnete Christian Dahm aus Vlotho (Kreis Herford) bemängelte, dass die Kommunen zwischen Bekanntgabe der Teilnahme-Kriterien und dem Einsendeschluss nur 24 Stunden Zeit gehabt hätten. Das Vorgehen der Landesregierung sei „ungerecht und im schlimmsten Falle kontraproduktiv“, sagte er. „Wenn jetzt in 14 Kommunen Öffnungen getestet werden, müssen wir auch mit entsprechenden Verkehrsflüssen dorthin rechnen. Viele Menschen könnten sich dann in wenigen Städten und Gemeinden knubbeln.“

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