Naturfilmer Ulf Marquardt erkundet Lippequelle für TV-Dokumentation
Odins Auge auf den Grund gegangen

Bad Lippspringe (WB). Die Quelle der Lippe kennen viele als Odins Auge. Vom Geländer an der Burgruine schauen Besucher gerne in das Wasser. 740 Liter sprudeln hier pro Sekunde aus der Erde. Dienstag hat Naturfilmer Ulf Marquardt der Lippe-Quelle einen Tauchbesuch abgestattet – mit seiner Unterwasserkamera.

Mittwoch, 25.07.2018, 14:38 Uhr aktualisiert: 25.07.2018, 14:50 Uhr
Kameramann Jens Klingebiel filmt Odins Auge von oben. Zum Einsatz kommt eine Drohne. Foto: Jörn Hannemann
Kameramann Jens Klingebiel filmt Odins Auge von oben. Zum Einsatz kommt eine Drohne. Foto: Jörn Hannemann

Für den Naturfilmer aus dem Rheinland ist es das erste Mal, dass er in Odins Auge hinabsteigt. »Im Frühsommer hat mein Mitarbeiter Peter Ferlemann hier schon einen Tauchgang unternommen, als der Quellort von Algen befreit wurde. Er hat mir gesagt, es sieht wunderschön dort unten aus. Er hat sogar eine Forelle gesehen«, erzählt Marquardt gestern.

Der erfahrene Unterwasserfilmer geht bei Odins Auge von einer geringen Tiefe aus, auch wenn bei Wikipedia Tiefen von sieben oder acht Metern angegeben werden: »Peter Ferlemann hat erzählt, dass es drei Meter sind«, sagt Ulf Marquardt vor dem ersten Tauchgang. Der extrem trockene Sommer kommt dem Naturfilmer entgegen: »Die Bedingungen für die Dreharbeiten sind ideal. Wir haben Sichtweiten von zwei bis drei Metern, was sehr viel ist.«

Mit seiner Unterwasserkamera ist Naturfilmer Ulf Marquardt gestern in die Lippequelle abgetaucht und hat für die WDR-Dokumentation »an den Ufern der Lippe – Fluss mit zwei Gesichtern« gedreht. Zu sehen ist sie voraussichtlich 2019.

Mit seiner Unterwasserkamera ist Naturfilmer Ulf Marquardt gestern in die Lippequelle abgetaucht und hat für die WDR-Dokumentation »an den Ufern der Lippe – Fluss mit zwei Gesichtern« gedreht. Zu sehen ist sie voraussichtlich 2019. Foto: Jörn Hannemann

Ulf Marquardt arbeitet derzeit an der Dokumentation »An den Ufern der Lippe – Fluss mit zwei Gesichtern«, die voraussichtlich 2019 im WDR zu sehen sein wird. Der Film beginnt, wo auch die Lippe beginnt: am Quellort. Zusammen mit Kameramann Jens Klingebiel (47) will er bis abends die Almemündung erreicht haben.

»Ich halte mich im Film an die geografische Lage der Lippe«, sagt er. Geplant ist auch, die drei Zuflüsse Pader, Alme und Stever bei Haltern mit einzubinden. In Paderborn hat er bereits am Lippesee mit der Umflut gedreht.

Ulf Marquardt ist in Lünen an der Lippe aufgewachsen. »Wir sind als Kinder in jeden Kanal gesprungen, aber nicht in die Lippe. Der Fluss war stinkig, miefig und es gab tote Fische«, erinnert sich der Naturfilmer.

Als der 54-Jährige dann vor ein paar Jahren für Dreharbeiten an die Lippe zurückkehrte, war er völlig beeindruckt, wie viele Tiere hier leben: »Störche im Kampf gegen Nilgänse, Wasserschildkröten, die Gänse von ihrem Nest vertreiben, und eine putzige Biberfamilie habe ich schon gefilmt. Die Anzahl der Tierarten, die an der Lippe leben, ist wirklich erstaunlich.« Seinen ersten Tierfilm hat er 1998 über den Wal aus dem Film »Free Willy« gedreht.

Eineinhalb Jahre Dreharbeiten

Seit mehr als einem Jahr dreht Marquardt jetzt für die Dokumentation, in der er die Lippe entlang reist. Ungefähr dreiviertel sind abgedreht: »Wir zeigen, wie sich die Natur verändert hat und welche zwei Seiten der Fluss hat.« Denn neben den beiden Seiten damals und heute gibt es noch einen Aspekt: »Die Lippe von hier bis Hamm ist ein völlig anderer Fluss als danach. Es war eine überraschende Erfahrung, wie unterschiedlich die Natur aussieht.« Grund sind Wehre, die Tiere aus dem Rhein kommend nicht überqueren können.

Seine teils spektakulären Eindrücke hat Ulf Marquardt mit Kameras festgehalten – an Land und unter Wasser. Ob es große Welse bei Lünen sind, Grundeln, die den Boden bedecken, oder eine Wollhandkrabbe, die eigentlich in China lebt. »Ich habe jetzt schon sehr viele Tierbeobachtungen. Damit könnte ich drei Film-Teile machen«, erzählt der Unterwasserkameramann. Etwa 100 Stunden Film liegen vor. Gestern sind noch weitere hinzugekommen.

Dem WDR liefert Ulf Marquardt den Rohschnitt. Die Texte schreibt er selbst. Dafür will er dann einen Sprecher engagieren. Eineinhalb Jahre werden die Dreharbeiten insgesamt umfassen, bis er genug Material zusammen hat.

Die Dokumentation »An den Ufern der Lippe – Fluss mit zwei Gesichtern« zeigt der WDR voraussichtlich 2019. Informationen über den Film und den aktuellen Stand der Dreharbeiten veröffentlicht Ulf Marquardt im Internet.

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