Elli-Markt-Pläne: 200 Bad Lippspringer beteiligen sich an Diskussion
»Das Rathaus soll bleiben«

Bad Lippspringe (WB). Das Rathaus abreißen und dafür einen Supermarkt bauen – ist das eine Schnapsidee oder eine Chance für die Innenstadt? Darüber haben am Donnerstagabend unter anderem Bürgermeister Andreas Bee und Katharina Lücke von der Bürgerinitiative Bad Lippspringe mit 200 Bürgern diskutiert.

Samstag, 08.09.2018, 12:05 Uhr aktualisiert: 08.09.2018, 12:08 Uhr
Die 130 Sitzplätze im Casino des Kongresshauses sind am Donnerstagabend alle besetzt. Im Vorraum stehen dicht an dicht weitere Zuhörer. Alle sind gespannt auf die erste öffentliche Veranstaltung zum Thema Elli-Markt und Rathaus-Abriss. Foto: Sonja Möller
Die 130 Sitzplätze im Casino des Kongresshauses sind am Donnerstagabend alle besetzt. Im Vorraum stehen dicht an dicht weitere Zuhörer. Alle sind gespannt auf die erste öffentliche Veranstaltung zum Thema Elli-Markt und Rathaus-Abriss. Foto: Sonja Möller

Der Westdeutsche Rundfunk hatte zum WDR5-Stadtgespräch zudem Staatssekretär Dr. Jan Heinisch vom Landesministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung sowie Barbara Thüer vom Netzwerk Innenstadt NRW eingeladen. Es war der erste öffentliche Austausch zu den Plänen der Lüning-Gruppe, das Rathaus abzureißen und dort einen Elli-Markt zu bauen. Das Interesse war riesig. Zuvor hatte sich Bürgermeister Andreas Bee ausführlich in einem Interview mit dieser Zeitung zu dem Thema geäußert.

15 Prozent Leerstand

Bei einer Leerstandsquote von 15 Prozent sehen viele das Problem, dass die Innenstadt einen Frequenzbringer braucht. Aber nicht anstelle des Rathauses. »Man würde das Gesicht der Stadt zerkratzen«, sagt ein Zuhörer und bekommt Beifall. Staatssekretär Jan Heinisch erläutert: »Das Rathaus ist ein zentrales, prägendes Element einer Stadt und ein Kristallisationspunkt. Es hat als Symbol besondere Bedeutung.«

Diskutieren auf dem Podium (von links): Staatssekretär Dr. Jan Heinisch, Katharina Lücke, Andreas Bee und Barbara Thüer.

Diskutieren auf dem Podium (von links): Staatssekretär Dr. Jan Heinisch, Katharina Lücke, Andreas Bee und Barbara Thüer. Foto: Sonja Möller

Das sieht auch die Bürgerinitiative so: »Das Rathaus muss erhalten bleiben. Stattdessen könnte der Vorplatz belebt und so Menschen in die Stadt gezogen werden«, schlägt Katharina Lücke vor. Im Sommer seien hier Flohmärkte denkbar, ein Brunnen und Lichtspiele könnten den Platz verschönern, ist Lücke überzeugt.

Das Rathaus stammt aus den 50er Jahren und ist sanierungsbedürftig. Bürgermeister Andreas Bee geht von Kosten von 700.000 Euro aus. Darin enthalten sind noch nicht die Fassadenarbeiten. Für Erheiterung sorgte die Information, dass die Bürotüren im Rathaus nicht schalldicht sind. Damit auf dem Flur nicht zu hören ist, was drinnen gesprochen wird, wird hier Musik gespielt. Bee: »Das ist die kostengünstigste Option.«

Auch Edeka zeigt Interesse

Mittlerweile hat wie berichtet auch Edeka-Mitte Interesse angemeldet. Die Bürger hatten eine klare Meinung: »Es ist gut, dass die Diskussion angestoßen wurde. Das allerletzte, was wir brauchen, ist aber ein weiterer Supermarkt. Alternativen sind eine Drogerie, ein Outdoorgeschäft oder ein Baumarkt«, sagte ein Zuhörer.

Insgesamt gab es viele Ideen für die Stadtentwicklung. Das erkannte auch Dr. Jan Heinisch: »Bürgerbeteiligung ist ein zentrales Thema für die Landesregierung. Die, sie sich Gedanken über die Stadt machen, sollen mitreden.« Er hält einen Plan für die Entwicklung der Stadt für notwendig: » Sie haben Chancen, hier etwas zu entwickeln. Es ist ein enormes Kompliment, dass sich zwei Investoren für die Stadt interessieren.«

Seien Sie froh, dass sich Investoren für Ihre Stadt interessieren

Barbara Thüer

So sieht es auch Barbara Thüer: »Bad Lippspringe leidet auf hohem Niveau. Es gibt kleine Städte mit eklatanten Problemen. Seien Sie froh, dass sich Investoren für Ihre Stadt interessieren. Es gibt aber eine Menge zu bedenken. Man müsste erst mal gucken, was es sonst noch für Plätze gibt. Ich bin dafür, dass erst mal ein Gesamtkonzept entwickelt wird. Ich finde es nicht gut, wenn Investoren Stadtentwicklung betreiben.«

Kommentar von Sonja Möller

Die Innenstadt soll belebt werden, der Leerstand verschwinden. Da sind sich alle einig. Um einen Frequenzbringer nach Bad Lippspringe zu holen, könnte im Zentrum ein Supermarkt gebaut werden. Die Sanierungskosten fürs Rathaus würde die Verwaltung sparen und zudem in einen Neubau einziehen. Zwei Fliegen mit einer Klappe. Doch die Bad Lippspringer hängen an ihrem Rathaus. Und es gibt viele tolle Ideen, wie sich die Innenstadt anders beleben lässt. Das zeigt die Diskussion. Bürger wollen sich aktiv beteiligen und nicht nur andere machen lassen. Gut so! Genau so kann es funktionieren. Zwei Investoren haben Interesse, daraus lässt sich was machen. Ein Projektplaner könnte das Areal und weitere Standorte entwickeln. Der Austausch und die Diskussion dürfen jetzt nicht abreißen. Hier könnte eine Bürgerversammlung helfen.

 

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