Fr., 21.09.2018

Große Skepsis im Bad Lippspringer Stadtrat zu Rathausabriss Drei Handelsriesen mischen mit

Beim Poker um einen Standort in Bad Lippspringe mischt jetzt auch Rewe mit: Während Elli und Edeka den Rathausplatz im Fokus haben, denkt Rewe über eine Ansiedlung an der Bielefelder Straße auf der Fläche des Balneologischen Institutes nach.

Beim Poker um einen Standort in Bad Lippspringe mischt jetzt auch Rewe mit: Während Elli und Edeka den Rathausplatz im Fokus haben, denkt Rewe über eine Ansiedlung an der Bielefelder Straße auf der Fläche des Balneologischen Institutes nach. Foto: Besim Mazhiqi

Von Klaus Karenfeld

Bad Lippspringe (WB). Der Bieterwettstreit geht in die nächste Runde: Neben der Edeka- und Lüning-Gruppe will sich nun auch die Rewe-Group in Bad Lippspringe engagieren. Nach den Plänen des Einzelhandelsunternehmen könnte auf der Rasenfläche vor dem Balneologischen-Institut ein Lebensmittelmarkt mit Schuh- und Drogeriemarkt entstehen.

Beide Vorhaben wurden vom Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwochabend aber mehrheitlich kritisch bis ablehnend gesehen.

Dem Rewe-Projekt werden nur wenig Chancen eingeräumt. Bürgermeister Andreas Bee erinnerte in der Ratssitzung daran, dass der Bereich rund um das Balneologische Institut nicht zum eigentlichen Innenstadtbereich zähle: »Die Ansiedlung eines Vollsortimenters schließt sich hier somit von vorneherein aus.«

Norika Creuzmann (Die Grünen) wurde noch deutlicher: »Die große Grünfläche mit dem alten Baumbestand für einen Einkaufsmarkt zu opfern, wäre unverantwortlich.«

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Wir fühlen uns einfach schlecht informiert

Meinolf Linnenbrink (CDU)

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Nicht weniger unmissverständlich fiel die Kritik am Vorhaben der Lüning-Gruppe aus, am Standort des jetzigen Rathauses einen Elli-Markt zu errichten: »Wir fühlen uns einfach schlecht informiert«, monierte Ratsherr Meinolf Linnenbrink (CDU). »Bis heute liegen uns keine aussagekräftigen Informationen zum künftigen Aussehen des Gebäudes wie auch zur geplanten Verkehrsanbindung vor.« Ohne die notwendigen Daten und Fakten fehle aber die Basis für eine fundierte Entscheidung. Offen sei auch, ob ein neuer Vollsortimenter tatsächlich zu einer Belebung der Innenstadt beitragen werde.

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Unser Rathaus muss nicht über die Klinge springen. Ein Elli-Markt wird unsere Innenstadt nicht retten

Norika Creuzmann (Bündnis90/Die Grünen)

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Diese Frage ließe sich beispielsweise durch ein überarbeitetes Innenstadt- und Zentrenkonzept beantworten, machten Martin Koke (FDP) und Kurt Süpke (SPD) unisono deutlich; die letzte Expertise sei immerhin zehn Jahre alt. Ratsherr Markus Wille (FWG) regte zudem an, den Lenkungsausschuss Innenstadt wiederzubeleben, in dem neben Stadtverwaltung und Politik auch die Bad Lippspringer Werbegemeinschaft vertreten ist.

Wille zeigte Verständnis für die aufgewühlte Stimmung in der Bevölkerung. Schon das alte Zentrenkonzept habe deutlich gemacht: »Das Bad Lippspringer Rathaus ist ein ortsprägendes Gebäude.« Die Frage, die sich nun konkret stelle, laute deshalb: »Wollen wir unser Rathaus für einen möglichen Einkaufsmagneten opfern?« Eine erste mehr als deutliche Antwort darauf gab Norika Creuzmann von den Grünen: »Unser Rathaus muss nicht über die Klinge springen. Ein Elli-Markt wird unsere Innenstadt nicht retten.« Auch Dieter Bursch (Die Linke) lehnte das Vorhaben der Lüning-Gruppe rundweg ab.

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Wenn der Stadtrat sagt, er will Ruhe im Städtchen, dann liegt es an ihm, das Projekt der Lüning-Gruppe zu begraben

Bürgermeister Andreas Bee (parteilos)

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Eine schnelle Entscheidung durch den Rat mahnte Winfried Bock für die FWG an: »Die Stadt ist Eigentümerin der Rathaus-Fläche. Und der Rat befindet darüber, ob das Areal am Ende verkauft wird oder nicht. Somit könnten wir eigentlich jetzt schon zu einem Grundsatzbeschluss kommen.« Er selbst werde mit Nein stimmen. Andere Redner gehen davon aus, dass es bei einer Zustimmung zu den Lüning-Plänen einen Bürgerentscheid geben wird.

Martin Schulte (CDU) bezweifelte, dass sich der Grundstücksverkauf an die Lüning-Gruppe und ein notwendiger Rathaus-Neubau am Ende rechnen werden. Mit Blick auf den Elli-Markt wiederholte Schulte zudem die Forderung seiner Fraktion nach einem aussagekräftigen Architekten-Entwurf.

Bürgermeister Andreas Bee äußerte sich dazu skeptisch: »Kein Investor wird teure Architektenentwürfe in Auftrag geben, ohne zu wissen, ob sein Vorhaben auch die politische Mehrheit findet.« Auch Bee sprach sich für eine zeitnahe Entscheidung aus und nahm gleichzeitig die sechs Fraktionen in die Pflicht: »Wenn der Stadtrat sagt, er will Ruhe im Städtchen, dann liegt es an ihm, das Projekt der Lüning-Gruppe zu begraben. Das ist jederzeit möglich.«

Auf Empfehlung Bees soll die Lenkungsgruppe Innenstadt kurzfristig wieder aktiv werden. Die Überarbeitung des Einzelhandel- und Zentrenkonzepts will der Bürgermeister im Haushalt 2019 berücksichtigen.

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