Fr., 07.12.2018

Paderborner Band Torian legt viertes Album »God of Storms« vor Stürmische Musik

Torian im vergangenen Jahr beim Festival »Holter Meeting«. Die Musiker treten stets schwarzgekleidet auf. Über Deutschland hinaus haben sie sich einen Bekanntheitsgrad erarbeitet, 2019 geht es nach Tschechien und in die Slowakei.

Torian im vergangenen Jahr beim Festival »Holter Meeting«. Die Musiker treten stets schwarzgekleidet auf. Über Deutschland hinaus haben sie sich einen Bekanntheitsgrad erarbeitet, 2019 geht es nach Tschechien und in die Slowakei. Foto: Besim Mazhiqi

Von Dietmar Kemper

Paderborn (WB). Seitdem sich alle Welt für Wacken interessiert, hat Heavy Metal sein Schmuddelimage verloren. Carl Delius hofft, dass jetzt auch die Bands vor der eigenen Haustür bei den Fans stärker Gehör finden.

Delius ist Gitarrist der Paderborner Band Torian, die gerade ihr viertes Album »God of Storms« veröffentlicht hat. Nach der bundesweiten Premiere am vergangenen Wochenende in Hamburg folgt am Samstag um 20 Uhr die Release-Party für OWL im Jugendzentrum Stricker in Bielefeld.

Gern würden Delius, Sänger Marc Hohlweck, Gitarrist Alexander Thielmann, Bassist Bengt Kunze und Schlagzeuger Manuel Gonstalla in Paderborn aufgetreten, aber in der Domstadt fehlen die Möglichkeiten. »Eigentlich gibt es nur die Kulturwerkstatt, aber die ist bis zu eineinhalb Jahre im Voraus ausgebucht und außerdem ist ja ungewiss, was aus ihr wird«, bedauert Delius.

Metal-Fans gibt es in Paderborn reichlich. Das zeigte sich Anfang Oktober, als die Kulturwerkstatt beim »Metal Inferno Festival« proppevoll und an einem der beiden Tage sogar ausverkauft war. Damals rockten auch Torian drauflos. Unbekannte sind sie längst schon nicht mehr. Das 2012 vorgelegte Album »Dawn« wurde vom Magazin »Rockhard« mit 8,5 von zehn möglichen Punkten abgefeiert, auch das neue Werk gefällt der Redaktion ausgesprochen gut und erntete diesmal acht Punkte.

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Das Aufnehmen ist Routine geworden, aber der Produktionsprozess immer wieder anders

Gitarrist Carl Delius

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Torian nahmen »God of Storms«, das es auch in einer auf 250 Stück limitierten Ausgabe in blauem Vinyl gibt, seit Sommer 2017 in den Greenman Studios von Seeb Levermann in Arnsberg auf. Levermann ist Sänger der international bekannten Gruppe Orden Ogan und nach gemeinsamen Shows ein Freund der Paderborner Formation geworden. Eingängie, hymnische Melodien auf einem beinharten Fundament sind das Markenzeichen beider Power Metal-Bands.

»Das Aufnehmen ist Routine geworden, aber der Produktionsprozess immer wieder anders«, erzählt Carl Delius, der alle Songs schreibt: »Man hat eine gewisse Vorstellung, wie es klingen soll. Dann bringt der Produzent seine Ideen mit ein und das Album wird mit den eigenen Ideen perfektioniert.«

Festivals mit 1000 und mehr Zuhörern

Der 40-Jährige hält »God of Storms« für das beste Album bislang. Bei den Texten setzt die Band auf Fantasy-Welten. »Blackened Souls« zum Beispiel dreht sich um von den Toten auferstandene Seeleute, die auf Rache sinnen. Obwohl sie der Untergrundszene längst entwachsen sind, können der Berufsschullehrer Delius und seine Mitstreiter, die schon seit 2005 in derselben Besetzung zusammenspielen, von der Musik (noch) nicht leben. Die Auftritte könne man sich inzwischen aber selber aussuchen: »Bei den Shows zahlen wir nicht mehr drauf und wir covern auch keine Songs mehr. Wer zu uns kommt, will uns auch sehen.« Bei Festivals können das 1000 und mehr Zuhörer sein.

Kritik an Kommerzialisierung der Szene

Im April werden Torian zusammen mit den Polen von Crystal Viper in der Slowakei und Tschechien auf der Bühne stehen. Das gewachsene Interesse an Heavy Metal in der Gesellschaft erklärt sich Delius so: »Es ist längst kein Jugendphänomen mehr, die erste und zweite Metallergeneration ist erwachsen geworden und will ihre Musik weiter hören.«

Die Kommerzialisierung der Szene sieht er kritisch. Wenn auf Metal-Kreuzfahrten durchs Mittelmeer Bands sozialkritische Lieder spielten und gleichzeitig die Besatzung zu Dumpinglöhnen ausgebeutet werde, sei das fragwürdig.

Zum Festival nach Wacken fährt er auch nicht mehr, »weil es mir zu groß geworden ist«. Auch was die Tonträger angeht, ist Delius eher konservativ. Obwohl es das neue Torian-Album auch beim Musikstreamingdienst Spotify gibt, zieht Delius CDs vor. Musik will er nicht nur hören, sondern auch in der Hand haben.

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