Do., 21.03.2019

Ingo Appelt kommt am 29. März nach Bad Lippspringe »Denken und laufen – ein Männerding«

Bissig im Leoparden-Look: Ingo Appelt nimmt kein Blatt vor den Mund – jeder kriegt sein Fett weg.

Bissig im Leoparden-Look: Ingo Appelt nimmt kein Blatt vor den Mund – jeder kriegt sein Fett weg. Foto: imago

Bad Lippspringe (WB). Besser ist’s, man lässt sich von Ingo Appelt die Welt erklären. Der bitterböse Comedian gastiert im Rahmen seiner »Besser ist besser«-Tour in Bad Lippspringe – und das WESTFALEN-BLATT verlost Karten. Sonja Möller hat mit ihm gesprochen.

Herr Appelt, wo erwische ich Sie denn gerade?


Ingo Appelt: Zu Hause. Ich bin daheim in Berlin in meinem Schlafzimmer und laufe herum. Wenn ich spreche, laufe ich meistens. Ich bin einer, der sich beim Denken und beim Sprechen bewegt. Das kommt wahrscheinlich vom Job. Oder vielleicht mache ich auch gerade deswegen den Job. Denken und laufen, das ist so ein Männerding. Deswegen müsste Schule für Jungs eigentlich im Stehen und Laufen stattfinden.

Kennen Sie Bad Lippspringe?

Appelt: Nein, das sagt mir nichts. Das ist so ein Überraschungsauftritt: Rein in die Diaspora. Ich bin gespannt. Bad Lippspringe ist ja auch noch Kurort. Das kann sehr unterhaltsam werden. Ich habe einige Kurorte, in denen ich sehr gerne spiele. Es stimmt nämlich nicht, dass nur alte Leute kommen. Deswegen mache ich das ganz gerne, dass ich an den Orten spiele, die andere nicht auf ihrem Tourplan haben.

Was ist das Besondere an einem Kleinstadtpublikum?


Appelt: Grundsätzlich werde ich ja eingeladen. Man fragt mich: Würden Sie nicht gerne mal kommen? Da blutet mir das Herz, und ich denke: Meine Güte, die freuen sich so. Dann mache ich das. Ich habe den tollsten Beruf. Ich bin als Beglücker unterwegs, nicht als Bestrafer oder Bedroher oder Erschrecker. Man macht den Leuten Spaß und Freude, und darum geht’s in erster Linie. Dass man nach so einem Abend entspannt und gut gelaunt nach Hause geht. Viele kommen hinterher zu mir und sagen: Herr Appelt, ich habe noch nie so viel gelacht wie bei Ihnen. Danke schön! Das ist toll.

Sie sind bekannt dafür, dass jeder bei Ihnen sein Fett weg kriegt. Verraten Sie uns, wer sich bei Ihrem Programm »Besser ist besser – Das Update!« warm anziehen muss?

Appelt: Ich bin eher der Männerberater. Die Männer kriegen es heftiger ab als die Frauen. Das liegt in der Natur der Dinge. Mein Motto ist: Man sollte sich aktiv an seiner eigenen Zerstörung beteiligen. Es ist ja eher ein Mitmachprogramm als ein Beleidigungsprogramm. Politiker klar, aber auch die Wähler. Alle eigentlich. Es geht immer rundherum. Keiner wird geschont.

Haben Sie eigentlich Lieblingsthemen?

Appelt: Grundsätzlich das Zusammenleben von Mann und Frau und was das so mit uns macht. Das interessiert mich. Ich bin ja jetzt im hohen Alter von über 50, aber es beschäftigt einen immer noch. Was mache ich richtig, was mache ich falsch? Mich beschäftigt der Mensch und das Zusammenspiel untereinander. Zum Beispiel zwischen Eltern und Kindern oder Politikern und Wählern oder Inländern und Ausländern. Manchmal sind es auch ganz triviale Sachen wie zum Beispiel Grillen und warum Männer so ungern Tofu-Würstchen grillen. Das geht bis hin zu großen Fragen, warum eigentlich Donald Trump an der Macht ist.

Seit 30 Jahren stehen Sie als Comedian auf der Bühne. Können Sie sich noch an ihren ersten Auftritt erinnern?

Appelt: Ja klar! Am 18. April 1989 hatte ich meinen allerersten Liveauftritt vor Publikum. Ich komme aus der Gewerkschaftsbewegung. Ich bin ein IG-Metall-Jugendfunktionär, und das war auf einer Bundesjugendkonferenz in Frankfurt. Es war ein sehr skurriler Auftritt. Ich hatte einen guten Freund, mit dem ich das zusammen gemacht habe, der ist Jongleur. Er saß auf einem Einrad und hat jongliert, und ich saß auf seinen Schultern. Das war schon halsbrecherisch! Ich habe oben auf dem Einrad als Helmut Kohl mit den Leuten gesprochen. Das war Wahnsinn!

Bei Ihren Auftritten sind immer wieder Promis zu Gast. Verraten Sie uns, wen Sie mit nach Bad Lippspringe bringen?

Appelt: Im Publikum weiß ich nicht. Ob es in Bad Lippspringe überhaupt Prominente gibt, da bin ich mir nicht sicher. Ich werde da sein. Ich habe auch einen Til Schweiger dabei. Dann noch Udo Lindenberg. Das ist ja das Schöne: Die Alten bleiben. Natürlich Herbert Grönemeyer. Ohne den kann ich gar nicht auf die Bühne. Ich habe ein Potpourri an Prominenten, die ich parodieren werde.

TV oder Bühne – was macht mehr Spaß und warum?


Appelt: Beim Fernsehen ist das Schöne, dass man mal wieder ein paar Kollegen sieht. Deswegen bin ich bin »Nuhr im Ersten« oder mache Kabarett aus Franken. Das hat Sozialisationsgründe: Man trifft Kollegen, während man auf Tour die eigentlichen Menschen trifft. Ich setze mich auf der Bühne komplett dem Publikum aus. Das ist mein Leben. Dafür bin ich gebaut. Ich merke das jeden Abend. Ich bin zwar immer nervös: Wie wird das? Wie sind die Leute drauf? Je nachdem gestalte ich das Programm anders. Ich kann auf der Bühne machen, was ich will. Und das ist toll.

Heißt das, Sie halten sich nicht akribisch an Ihr Programm, sondern bauen spontan Elemente ein?

Appelt: Vor ein paar Tagen bei einem Auftritt habe ich nach einer Stunde und 15 Minuten auf die Uhr geguckt. Ich habe gequatscht, die Leute haben sich kaputtgelacht, und ich hatte noch nicht mal mit dem Programm angefangen! Das läuft unterschiedlich. Je nach aktueller politischer Lage. Oder wie die Leute drauf sind. Neulich habe ich mich mit Frauen über Kirche unterhalten. Warum sie immer noch drin sind. Oder warum nicht mehr. Und warum keiner mehr Mitglied einer Partei ist. Dann redet man einfach. Dann wird das sehr interaktiv. Ich verstehe mich ein bisschen als Aufklärer, als Verbindungsglied, weil ich viel mit Politikern zu tun habe.

Ist es vorgekommen, dass die Leute nicht lachen?


Appelt: Eigentlich nicht. Einer hat neulich zu mir gesagt: Dir kann alles passieren, nur kein Blackout. Es kommt schon mal vor, dass ich etwas verwirrt dastehe, wenn die Reaktionen nicht so kommen, wie ich es gerne hätte. Ich bin aber mit allen Wassern gewaschen. Nur einmal hatte ich so einen Auftritt – aber der war gefaked. Da hat mich Guido Cantz für »Verstehen Sie Spaß?« reingelegt. Sie haben eine Ampel über die Bühne gehängt, die ich nicht sehen konnte. Bei Rot mussten die Zuschauer ruhig sein, bei Grün sollten sie lachen. Und es passte nie! Das hat mich schon irritiert. Das ist der absolute Albtraum.

Weshalb sollte niemand Ihren Auftritt im Kongresshaus verpassen?

Appelt: Weil es wichtig ist, Ingo Appelt mal wieder live zu sehen. Vor allem in dieser Größe. Das ist nichts, was man im Fernsehen sieht oder sich im Internet her­unterlädt. Das ist live. Das ist echt. Man kann auch mit mir reden. Jeder hat die Möglichkeit, mich anzusprechen. Das ist schon was Tolles. Das wird ein ganz tolles gemeinschaftliches Erlebnis. Das ist Balsam für die Seele. Humor ist, wenn man dreckig lacht, sag ich immer.

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