Mi., 22.05.2019

Kahlschlag am Bad Lippspringer Vorderflöß: 20.000 Bäume gepflanzt Borkenkäfer vernichtet zehn Hektar Wald

Andreas Benstein zeigt ein Stück Rinde, das von einer abgestorbenen Fichte stammt. Die dunklen Striche sind die Gänge, die ein Borkenkäfer unter die Rinde gefressen hat. Dadurch mussten zehn Hektar Wald am Vorderflöß abgeholzt werden.

Andreas Benstein zeigt ein Stück Rinde, das von einer abgestorbenen Fichte stammt. Die dunklen Striche sind die Gänge, die ein Borkenkäfer unter die Rinde gefressen hat. Dadurch mussten zehn Hektar Wald am Vorderflöß abgeholzt werden. Foto: Jörn Hannemann

Von Sonja Möller

Bad Lippspringe (WB). Wer am Vorderflöß in Bad Lippspringe entlang fährt, sieht einen Kahlschlag, wo im vergangenen Jahr noch ein gesunder Fichtenwald stand. Von 10 Hektar Nadelbäumen sind nur noch vereinzelte tote Stämme übrig, die in den Himmel ragen. Von ihnen blättert die Rinde in handtellergroßen Stücken ab. Hier hat der Borkenkäfer ganze Arbeit geleistet.

Stecknadelkopfgroße Löcher in der Rinde bedeuteten 2018 das Todesurteil für die Fichten am Vorderflöß: Der Borkenkäfer hatte sich, wie in vielen anderen Fichtenwäldern im Kreis Paderborn, auch hier in die Rinde gefressen und etwa fünf Zentimeter lange Gänge gebaut. Dabei zerstörten die Insekten die Nährstoffzufuhr des Baums, die über die Rinde erfolgt. Der von der Trockenheit sowieso schon geschwächte Baum verhungerte buchstäblich.

Starke Vermehrung wegen Trockenheit

Andreas Benstein ist Wassermeister der Wasserwerke Paderborn, denen der Wald gehört. Er erläutert, warum sich Borkenkäfer im vergangenen Jahr so stark vermehren konnten: »Aufgrund der starken Trockenheit über Monate hatten die Fichten nicht genug Wasser, um sich zu wehren und die Käfer einzuharzen. Sie waren ihnen machtlos ausgeliefert.«

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat es immer weniger geregnet. Das zeigen Statistiken des Deutschen Wetterdienstes: »Mittlerweile fehlt ein ganzer Jahresniederschlag«, betont Benstein. Zudem gebe es in immer kürzeren Abständen so genannte Jahrhundertstürme wie Kyrill 2007, die nicht mehr alle zehn Jahre, sondern jährlich auftreten. Das sei purer Stress für die Bäume.

Ein Borkenkäferweibchen produziere in drei Brutperioden pro Jahr 30.000 Nachkommen. Dagegen sei die Fichte derzeit machtlos. Schon 200 der Käfer reichten, um einen solchen Nadelbaum zu töten.

Fichten verlieren Nadeln im Eiltempo

Andreas Benstein hat das Baumsterben in Bad Lippspringe hautnah mitbekommen: »Ich stand machtlos daneben. Grüne Nadeln regneten regelrecht auf mich herunter. Die Fichten standen innerhalb von zwei bis drei Monaten ohne Nadeln da.« Hormonfallen und die Aufarbeitung des kontaminierten Holzes sind die einzigen Gegenmittel, erläutert der Wassermeister: »Allerdings ist es oft schon zu spät, wenn man den Käfer sieht.«

Die Wasserwerke Paderborn haben sich aufgrund der Waldbrand- und der Ansteckungsgefahr für andere Fichtenbestände für einen Kahlschlag der befallenen Bäume und eine Wiederaufforstung entschieden. Schilder mit der Aufschrift »Borkenkäfer haben diesen Fichtenwald zerstört. Wir pflanzen hier einen langlebigen Laubwald« informierten über die Aufforstung.

Wald zukunftsfähig aufbauen

»Mittlerweile haben unsere Spezialisten Maximilian Gertheinrich, Kodri Bajraktari und Marcel Lütkemeier 20.000 Eichen, Ahorne, Birken und Buchen gepflanzt. Diese werden in den kommenden Jahren gepflegt und bei ausreichenden Niederschlägen zu einem langlebigen Wald«, erläutert An­dreas Benstein. Derzeit brauchen die Bäume noch Hilfe vom Menschen. Denn die sich selbst aussäende und schnell wachsende Traubenkirsche überwuchert sonst die jungen Laubbäume.

Die Wasserwerke Paderborn wollen den 30 Hektar großen Wald langfristig und zukunftsfähig aufbauen. Hier könnte in der Zukunft Trinkwasser gefördert werden. Andreas Benstein sagt: »Dieses Gebiet ist ein potenzieller Standort für die Trinkwassergewinnung und wird aufgrund der voranschreitenden Klimaerwärmung immer wichtiger.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6630292?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851061%2F