Sa., 22.06.2019

Bad Lippspringer Stadtrat diskutiert künftige Nutzung der Auguste-Viktoria-Klinik »Alles, was weg kann, muss weg«

Der Mittelbau der AVK steht unter Denkmalschutz.

Der Mittelbau der AVK steht unter Denkmalschutz. Foto: Sonja Möller

Von Sonja Möller

Bad Lippspringe (WB). Die Auguste-Viktoria-Klinik bietet mit ihren 270 Metern Länge und mehreren Stockwerken jede Menge Platz. Die Frage ist nur wofür? Das wollten die Bad Lippspringer Christdemokraten von der Verwaltung wissen, doch Bürgermeister Andreas Bee sagte in der Ratssitzung: »Ich habe keine Idee.«

Mehr als hundert Jahre war die Auguste-Viktoria-Klinik (AVK) eine Heilstätte für Tuberkulose-Erkrankte, die 1901 eröffnet wurde. Bis 1906 erfolgte die Umwandlung in eine Frauenheilstätte. Zuletzt gab es hier Mutter-Kind-Kuren. 2010 wurde die AVK geschlossen.

Von einer gepflegten Klinik-Atmosphäre ist neun Jahre danach allerdings nichts mehr zu sehen: Ein Großteil der Fenster ist eingeschmissen, Türen eingetreten, der Boden im Gebäude fast komplett übersät mit Scherben und herausgebrochenen Elementen wie Putz und Holz.

Einstige Lungenheilanstalt ist eine Ruine

Auf einem Flur liegt ein abgetrennter Heizkörper. Kabel und Elektronik wurde aus der Wand gerissen. Überall sind Graffiti zu sehen. Die einstige Lungenheilanstalt ist nur noch eine Ruine.

Das will die CDU möglichst schnell ändern: Die Fraktion hat die Verwaltung beauftragt, eine Planung inklusive Kostenschätzung für die zukünftige Nutzung der AVK vorzulegen. Zudem forderten die Christdemokraten detaillierte Aussagen zur Nutzung, Größe und Kosten von Mittelbau und Nebengebäuden.

Zieht altes Gebäude abenteuerlustige Jugendliche an?

Den Hintergrund für den Antrag erläuterte Ratsherr Hans Jürgen Schaefer in der Ratssitzung: »Mir liegt die Auguste sehr am Herzen. Wir müssen jetzt handeln. Es ist nicht vorstellbar, dass inmitten zweier neuer Baugebiete eine 270 Meter lange ›Ruine‹ steht, die unerwünschte Besucher und abenteuerlustige Jugendliche anzieht.«

Hans Jürgen Schaefer betonte, dass der Rat nicht die Zeit habe zu warten, bis die neuen Häuser gebaut seien. »Der südliche Teil der Auguste ist baureif, der nördliche sieht aus wie Kraut und Rüben«, betonte Schaefer. Sein Vorschlag: »Alles, was weg kann, muss weg. Wir müssen Klarheit schaffen und die Anlage dann nochmal besichtigen.«

Bauamtsleiter Ferdinand Hüpping sagte dazu: »Wir sehen das inhaltlich als Verwaltung genauso. Zum Start der Vermarktung der Grundstücke sollten wir Perspektiven für das Hauptgebäude aufzeigen.« Schwierig werde es bei der konkreten Nutzung. Bürgermeister Bee teilte mit: »Uns fehlt die Phantasie. Wir sind für Ideen dankbar. Die Frage, die wir uns aber auch stellen müssen, ist: Wer bezahlt dafür?«

Platz für Kita?

Derzeit sei die Verwaltung im Gespräch mit NRW Urban, der landeseigenen Stadtentwicklungsgesellschaft. Es gehe um Prüfungsanträge für Fördergelder für sozialen Wohnungsbau, erläutert Ferdinand Hüpping, betont aber gleichzeitig: »Auch da brauchen wir einen Investor.«

Die Möglichkeit, ein 270 Meter langes Gebäude zu vermarkten, sieht CDU-Ratsfrau Silvia Schubert kritisch: »Ich kann mir nicht vorstellen, das wir das jemals vermarkten können. Jeder Investor wird doch fragen, was mit dem 270 Meter langen Gebäude passiert.«

Bernhard Göke (FWG) hält es für falsch, überhaupt über Nutzungskonzepte nachzudenken: »Wir sollten dem freien Markt die Chance geben, selbst Konzepte zu entwickeln.« Eine weitere Idee hatte Kurt Süpke (SPD): »Wir brauchen doch Platz für eine Kita. Wenn die Nebengebäude keine erhaltenswerte Bausubstanz sind, können die Dinger weg. Dann hätten wir Platz für die Kita.«

AVK-Mittelteil steht unter Denkmalschutz

Um das Hauptgebäude zu bewahren, hat der Rat der Stadt Bad Lippspringe eine Denkmalbereichssatzung verabschiedet. Der Mittelbau ist nun ein eingetragenes Baudenkmal, die beiden Seitenschiffe als erhaltenswerte Bausubstanz eingestuft. Hans Jürgen Schaefer schlug vor, in den Mittelteil eine Begegnungsstätte zu bauen: »Hier gehört auch eine Dokumentation der Geschichte hin.«

Dem Punkt, abgängige Nebengebäude sofort zu beseitigen, folgten die Fraktionen. Die alte Schule, in der die Kinder von der ersten bis zur 13. Klasse unterrichtet wurden, das Schwesternwohnheim mit den Nebengebäuden, die Wäscherei, das Kesselhaus und die Großküche sollen abgerissen werden. All diese Gebäude stammen aus den sechziger Jahren, erzählt Hüpping.

Stehen bleiben müssen dagegen andere Nebengebäude wie das Gefolgschaftshaus. Laut Denkmalbereichssatzung, die der Rat verabschiedet hat, ist dieses Gebäude erhaltenswerte Bausubstanz. »Das Gebäude darf aber nicht mehr betreten werden. Die Holzbalken sind einsturzgefährdet«, berichtet Frank Buchheister, zuständiger Sachbearbeiter des Bauamts.

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