Mi., 10.07.2019

Bad Lippspringes Bürgermeister kündigt nach zwei Amtszeiten seinen Rückzug an Andreas Bee tritt nicht erneut an

Seit zehn jahren ist Andreas Bee Bürgermeister der Stadt Bad Lippspringe und damit Chef der Rathausmitarbeiter. Am Mittwoch nun hat der 56-Jährige bekannt gegeben, dass er bei den nächsten Kommunalwahlen im Herbst 2020 nicht erneut antreten wird.

Seit zehn jahren ist Andreas Bee Bürgermeister der Stadt Bad Lippspringe und damit Chef der Rathausmitarbeiter. Am Mittwoch nun hat der 56-Jährige bekannt gegeben, dass er bei den nächsten Kommunalwahlen im Herbst 2020 nicht erneut antreten wird. Foto: Besim Mazhiqi

Von Per Lütje

Bad Lippspringe (WB). Am Mittwochabend ließ Bürgermeister Andreas Bee die Katze aus dem Sack: 2020 ist Schluss. Im Rat der Stadt Bad Lippspringe kündigte der 56-Jährige an, dass er nicht für eine dritte Amtszeit zur Verfügung stehe. Damit wolle er den anderen Fraktionen die Chance geben, eigene Kandidaten frühzeitig in Stellung bringen zu können.

Bee reichten am Abend zwei Sätze, um die Ratsmitglieder, die die Entscheidung ohne sichtbare Reaktion hinnahmen, über seinen Schritt zu informieren. Ausführlicher wurde der Verwaltungschef in einer Pressemitteilung, die er Minuten zuvor an die Medien verteilt hatte. Einen konkreten Grund für seinen Entschluss nennt der gebürtige Bad Lippspringer darin nicht. Auch gibt er keine beruflichen Pläne für die Zukunft an.

Es sei ihm jedoch wichtig, diese Entscheidung noch vor Beginn der Sommerferien der Öffentlichkeit bekannt zu geben: »Bad Lippspringe hat sich in den vergangenen Jahren sehr zum Positiven entwickelt. Wir haben unsere Stadt aus dem Dornröschenschlaf geholt und städtebaulich erneuert. Den Staub des alternden Kurortes haben wir abgestreift und präsentieren uns heute als moderne und gut aufgestellte Kurstadt. Die Einwohnerzahl ist in den vergangenen Jahren um gut zehn Prozent auf rund 17.000 gewachsen, und ich freue mich, dass sich auch sehr viele junge Familien ganz bewusst für den Wohnort Bad Lippspringe entscheiden.«

"

Die Landesgartenschau 2017 und die Entwicklung dorthin waren großartig, aber auch sehr anstrengend.

Andreas Bee

"

Als ausschlaggebendes Ereignis für die positive Entwicklung sieht Andreas Bee die Ausrichtung der Landesgartenschau, die noch sein Vorgänger im Amt, Willi Schmidt, und der damalige Stadtrat auf den Weg gebracht hatten. »Das war der Impuls, der Bad Lippspringe wieder zusammengeschweißt hat. Wir haben nach diesem Sieg im Bewerbungsverfahren 2011 alle gemeinsam die Ärmel hochgekrempelt und es geschafft, als kleinste Stadt in NRW eine Landesgartenschau auszurichten.« Und dann liefert Bee mit einem Nebensatz vielleicht doch ein Motiv, warum er künftig mehr für seine Frau Bärbel und die beiden inzwischen erwachsenen gemeinsamen Kinder Annika und Lukas da sein will: »Die Landesgartenschau 2017 und die Entwicklung dorthin waren großartig, aber auch sehr anstrengend.«

Für Bee sei der Zeitpunkt im Herbst nächsten Jahres sehr gut geeignet, um für eine neue Bürgermeisterin oder einen neuen Bürgermeister Platz zu machen. Zu den wichtigsten Aufgaben zählt er die »dringend notwendige Sanierung des Freibades, die Stärkung der Innenstadt und die weiterhin erfolgreiche Entwicklung der Kliniken des Medizinischen Zentrums für Gesundheit«. Letzteres hatte erst in dieser Woche mitgeteilt, dass erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten auch der Rehabereich wieder einen Gewinn abgeworfen hätte. So zollte der Bürgermeister denn auch den rund 1100 Mitarbeitern des MZG ein großes Lob: »Ohne deren Einsatz wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen.«

Bee war 2009 als parteiloser Kandidat in den Wahlkampf gezogen und war mit 67,7 Prozent der Stimmen als haushoher Sieger ins Rathaus eingezogen. 2015 wiederholte er dieses Kunststück und setzte sich mit 63,1 Prozent der Wählerstimmen gegen den CDU-Bewerber Christian Rodemeyer durch.

Ein wenig erleichtert haben dürfte Andreas Bee die Entscheidung vielleicht auch die Tatsache, dass er nach zwei vollständigen Legislaturperioden als Bürgermeister vollen Anspruch auf seine Ruhestandsbezüge hat, und zwar zum Zeitpunkt der Übergabe der Amtsgeschäfte am 31. Oktober 2020. Zu diesem Stichtag ist An­dreas Bee 57 Jahre alt.

Kommentar von Per Lütje

Kritiker werden Andreas Bee ins Stammbuch schreiben, er sei jener Bürgermeister, in dessen beiden Amtszeiten die Verschuldung der Stadt massiv gestiegen sei. Das ist auch so – nämlich von 5,8 Millionen Euro im Jahr 2008 auf 32,4 Millionen Euro Ende 2018. Menschen, die dem 56-Jährigen wohlgesonnener sind, werden im selben Atemzug aber auch anführen, warum der Schuldenstand so hoch ist.

Im Zuge der Ausrichtung der Landesgartenschau 2017 wurde viel Geld in die Hand genommen, um das Gesicht der Stadt nachhaltig zu verändern. Aus dem Kaiser-Karls-Park mit dem Charme der 60er Jahre ist ein attraktives Gartenschaugelände geworden. Weitere Projekte waren die Umgestaltung des Marktplatzes, des Rathausplatzes und des Jordans, der Ausbau des Pfing­stuhlweges, die Modernisierung und Erweiterung der Gesamtschule, die Entlastung der Detmolder Straße, die Ausweisung zahlreicher neuer Baugebiete und nicht zuletzt die finanzielle Sanierung des größten Arbeitgebers der Stadt, des Medizinischen Zentrums für Gesundheit.

Wohl unvollendet in Bees Amtszeit werden zwei »Langzeit-Baustellen« bleiben: die künftige Nutzung der Auguste-Viktoria-Klinik und der Neubau des Feuerwehrgerätehauses. Insofern übergibt der 56-Jährige 2020 ein gut bestelltes Feld, aber auch eines, auf dem der Nachfolger beziehungsweise die Nachfolgerin noch einiges zu beackern hat.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6768603?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851061%2F