Mi., 24.07.2019

Klaus Tofall (65) wurde bei Rollerunfall lebensgefährlich verletzt »Jetzt weiß ich, wie sich der Tod anfühlt«

Klaus Tofall muss eine Halskrause tragen. Er war mit seinem Elektroroller gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden.

Klaus Tofall muss eine Halskrause tragen. Er war mit seinem Elektroroller gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden. Foto: Brekenkamp

Von Lukas Brekenkamp

Bad Lippspringe (WB). Vor einem Monat hatte Klaus Tofall (65) einen schweren Verkehrsunfall mit seinem Elektroroller. Noch immer trägt er eine Halskrause. Wunden und Narben erinnern an den Tag, als es passierte.

»Jetzt weiß ich, wie sich der Tod anfühlt.« Als der Unternehmer am Morgen des 23. Juni auf seinen dreirädrigen Elektroroller stieg, wollte er eigentlich nur eine Probefahrt machen. Das Fahrzeug war erst wenige Tage alt. Es sollte seinen Mitarbeitern im Bad Lippspringer Straßenverkehr kleine Fahrten ermöglichen. Nach einigen hundert Metern nahm die Probefahrt jedoch ein jähes Ende: »Plötzlich kam etwas Dunkles von links. Das ist das letzte, was ich mit klarem Verstand noch mitbekommen habe und meine letzte Erinnerung.«

Autofahrer nimmt ihm die Vorfahrt und flüchtet

Wie die Polizei später mitteilte, sei Tofall die Vorfahrt von einem Autofahrer genommen worden. Der Unfallverursacher war flüchtig. »Man ist erst von einem Alleinunfall ausgegangen«, erinnert sich Klaus Tofall. »Zum Glück hat ein Zeuge das Geschehen gesehen – sonst wäre es womöglich nie rausgekommen.« Der mutmaßliche Unfallfahrer (19) hat sich laut Polizei später gestellt.

Unfall sorgte für Aufsehen

Tofalls Unfall ging durch die Medien. Zeitungen, TV- und Radiosender berichteten darüber. Immerhin schien der Bad Lippspringer das erste Opfer eines Unfalls mit einem der neuen E-Tretroller zu sein, die erst kürzlich für den Straßenverkehr zugelassen wurden. Der Unfall passte zudem in d ie hitzige Debatte um die Fahrzeuge, die auch E-Scooter genannt werden . Das weiß auch Klaus Tofall. Allerdings ist das Gefährt des Unternehmers keiner dieser E-Roller, die maximal 20 Stundenkilometer schnell fahren dürfen.

Der Roller von Klaus Tofall wurde bei einem Kieler Startup angefertigt. Das Modell ist schon länger auf dem Markt, hat eine Straßenzulassung und ist außerdem führerscheinpflichtig. »45 Stundenkilometer, zwei PS und 1500 Watt«, sagt Tofall über seinen Roller. »Ich lege großen Wert auf Präzision, Sicherheit und Qualität.«

Helm rettet Klaus Tofall das Leben

Mittlerweile steht das Fahrzeug wieder bei ihm in der Garage. »Die Staatsanwaltschaft hatte den Roller beschlagnahmt«, erklärt Tofall. Dort sei auch die Elektronik ausgelesen worden. »Ich war mit knapp 30 Stundenkilometern unterwegs.«

Sein Helm habe ihm bei dem Sturz das Leben gerettet. Trotzdem waren seine Verletzungen schwer – wie schwer, das lassen Fotos aus dem Krankenhaus erahnen. »Wirbelbrüche, Blutgerinnsel im Kopf, schwere Verletzungen im Mund, hoher Blutverlust«, zählt Klaus Tofall auf. Mehr als eine Woche habe er im Krankenhaus verbracht. Seine Behandlung werde jedoch noch viele Monate dauern. »Das Leben änderte sich schlagartig. Unwichtige Dinge erscheinen plötzlich wichtig«, sagt er rückblickend.

Unfallfahrer hat sich noch nicht gemeldet

Klaus Tofall will den Elektroroller nicht abgeben. »Man kann nicht alles verteufeln«, sagt er. Immerhin gehöre seiner Meinung nach der Elektrizität die Zukunft – auch und vor allem im Straßenverkehr. »Es ist eine Technik, die wir brauchen«, sagt Tofall. Nur der Umgang damit sei am Anfang schwierig. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sei aus Sicht von Klaus Tofall für die Zulassung der Elektroroller trotz aller öffentlicher Kritik kein Vorwurf zu machen. »Es wird immer auch schlechte Verkehrsteilnehmer geben«, merkt er an.

Gegen den mutmaßlichen Unfallfahrer hegt er keinen Groll: »Der Fahrer tut mir leid«, gesteht er. »Man sollte ihm nicht seine Zukunft verbauen, er muss aber sensibilisiert werden.« Nur eine Sache laste er dem Fahrer an: »Er hat sich bisher noch nicht bei mir gemeldet.«

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