Fr., 26.07.2019

Versicherung beruft sich bei umgefallenem Baum auf Waldfriedhof Bad Lippspringe auf höhere Gewalt Rentnerin muss für Sturmschaden auf Grab zahlen

Bei einem Sturm im März ist ein Baum auf das Grab von Karl-Josef Peters auf dem Waldfriedhof in Bad Lippspringe gestürzt und hat den Grabstein umgestoßen. Dieser muss jetzt fachmännisch neu befestigt werden. Auch die Bepflanzung muss erneuert werden.

Bei einem Sturm im März ist ein Baum auf das Grab von Karl-Josef Peters auf dem Waldfriedhof in Bad Lippspringe gestürzt und hat den Grabstein umgestoßen. Dieser muss jetzt fachmännisch neu befestigt werden. Auch die Bepflanzung muss erneuert werden. Foto: Sonja Möller

Von Sonja Möller

Bad Lippspringe (WB). Bei einem Sturm im März ist eine Kiefer von einem Privatgrundstück auf das Grab von Monika Peters verstorbenem Mann auf dem angrenzenden Waldfriedhof gefallen. Der Grabstein fiel um, die Bepflanzung wurde zerstört. Da es sich um höhere Gewalt gehandelt hat, zahlt keine Versicherung. Die Rentnerin bleibt auf den Kosten von 1300 Euro sitzen.

Am 11. März bekam Monika Peters einen Anruf von der Friedhofsverwaltung. »Sie sagten mir, es wäre ein Schaden am Grab meines Mannes Karl-Josef entstanden«, erzählt die 69-Jährige. Vor Ort sah sie Dilemma: Ein Baum des Nachbargrundstücks und ein dicker Ast aus der Krone eines auf dem Friedhof stehenden Baums waren auf das Grab gefallen und hatten den massiven Grabstein umgeworfen.

»Ich habe Fotos gemacht und den Eigentümer des Baums angerufen und ihm den Sachverhalt geschildert. Er wollte sich kümmern«, erzählt Monika Peters. Wenig später kam die Rückmeldung, der Stein sei wieder aufgestellt. »Was ich nicht wusste: Man darf einen Grabstein nicht einfach wieder aufstellen. Das darf nur ein Steinmetz oder ein Bildhauer, weil der Stein fachmännisch befestigt werden muss«, erzählt sie.

Für die Kosten von 1300 Euro kommt keine Versicherung auf

Die Stadt habe ihr mitgeteilt, dass der Grabstein wackele und eine Gefahr darstelle. »Wenn dadurch etwas passiert, hafte ich«, hat die 69-Jährige recherchiert. Vor Ort lässt sich der Stein von Hand nicht bewegen. Aber das Risiko einer möglichen Haftung will sie trotzdem nicht eingehen. Peters hat einen Kostenvoranschlag machen lassen. Demnach muss das Grabmal abgebaut werden, das Fundament neu gegründet und die beschädigte Einfassung entsorgt werden, bevor alles wieder aufgebaut werden kann. Kosten: 1038 Euro. Hinzu kommen 300 Euro für die Bepflanzung.

In einem Brief schilderte die Rentnerin dem Baumeigentümer den Sachverhalt und fügte die Kostenvoranschläge an. Dessen Haftpflichtversicherung teilte ihr mit, dass sie für den Schaden nicht hafte. Nach den gesetzlichen Bestimmungen hafte der Pächter oder Eigentümer eines Baumes nur dann, wenn er den Schaden schuldhaft verursacht habe. Da die 100 Jahre alte Kiefer aber regelmäßig kontrolliert worden sei und eine optische Überprüfung ausreiche, wenn offensichtlich kein Schaden am Baum erkennbar sei, hafte die Versicherung nicht.

Eine Zusatzversicherung für Sturmschäden hat Bad Lippspringe nicht

Monika Peters wandte sich daraufhin an die Stadt: »Das ist schließlich nicht mein Grundstück. Ich habe es nur gepachtet. Eigentümerin ist die Stadt.« Doch auch die Versicherung der Stadt verwies auf höhere Gewalt. »Ich muss jetzt mit meiner Witwenrente 1300 Euro aufbringen, obwohl beim nächsten Sturm das Gleiche wieder passieren kann«, fasst Peters die Situation aus ihrer Sicht zusammen.

Zwar gibt es für Gemeinden und Städte die Möglichkeit, sich gegen solche Schäden versichern zu lassen. Eine solche Zusatzversicherung hat Bad Lippspringe aber nicht, wie Bürgermeister Andreas Bee auf Anfrage mitteilt: »Wir sind versichert gegen Schäden, die entstehen, wenn der Kommune ein Fehler passiert. Aber wir kontrollieren unsere Bäume regelmäßig. Eine Zusatzversicherung ist auch eine Kostenfrage.«

Witwe will den Grabstein hinlegen lassen

Monika Peters bleibt nichts anderes übrig, als die Kosten für die Befestigung des Steins von mehr als 1000 Euro von ihrer Rente zu bezahlen. Um ein erneutes Risiko eines Sturmschadens zu umgehen und vielleicht doch etwas zu sparen, hat sie sich überlegt, den Grabstein hinzulegen. »Es ist aber nicht klar, dass das geht, weil es sich nicht um eine Platte handelt«, erläutert die 69-Jährige.

Einen erneuten Sturmschaden hält Monika Peters für möglich: »Die Häufigkeit der Stürme wird weiter zunehmen. Das sagen Klimaprognosen.« Nach Angaben der Friedhofsverwaltung ist dies allerdings der erste Fall gewesen, bei dem ein Baum auf ein Grab stürzt und einen Grabstein umwirft.

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