Di., 30.07.2019

In den nächsten zwei Jahren sollen im Kurwald 15.000 neue Bäume gepflanzt werden Ökologischer Waldumbau beginnt

An verschiedenen Stellen im Bad Lippspringer Kurwald wird in den kommenden Wochen der Harvester zum Einsatz kommen, um umgeknickte oder vom Borkenkäfer befallene Fichten zu fällen und abzutransportieren.

An verschiedenen Stellen im Bad Lippspringer Kurwald wird in den kommenden Wochen der Harvester zum Einsatz kommen, um umgeknickte oder vom Borkenkäfer befallene Fichten zu fällen und abzutransportieren. Foto: Klaus Karenfeld

Von Klaus Karenfeld

Bad Lippspringe (WB). Eigentlich wollte die Stadt Bad Lippspringe beim ökologischen Waldumbau bereits deutlich weiter sein. Doch dann kamen Sturm Friederike und bald danach der Borkenkäfer und machten die ehrgeizigen Planungen vorerst zunichte. In diesen Wochen unternimmt die Stadt einen neuen Anlauf.

»Die Fichte ist die Verliererin des fortschreitenden Klimawandels«, sagt Sachgebietsleiter Dieter Paschke vom Bauamt. Der Flachwurzel-Baum habe schon jetzt zunehmend mit Trockenheit und Wassermangel zu kämpfen und sei deshalb anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer. Zudem sei die Fichte im Kurwald kein standortgerechter Baum.

Stabile und naturnahe Mischwälder

Der ökologische Waldumbau setzt dagegen auf stabile und naturnahe Mischwälder. Entsprechende Pläne hat die Stadt Bad Lippspringe bereits vor drei Jahren entwickelt – zusammen mit der Forstbehörde und der Unteren Landschaftsbehörde. Über den Bad Lippspringer Kurwald verteilt sollten mehrere Waldquartiere neu entstehen. Anders als Eiche, Kiefer und Birke spielte die Fichte schon damals in den Überlegungen der Experten keine Rolle mehr. Stattdessen sollten vermehrt Traubeneichen und Rotbuchen neu gepflanzt werden, die als deutlich widerstandsfähiger und standortgerechter gelten.

Doch dann kam alles ganz anders: Sturm Friederike zog im Februar 2018 mit Macht übers Land und knickte auch im Kurwald unzählige Fichten wie Strohhalme um. »Das hat auch unsere Planungen größtenteils über den Haufen geworfen«, sagt Paschke. »Wir standen quasi wieder am Anfang. Jedes geplante Waldquartier musste auf seine Eignung hin neu bewertet werden. Einige Bereiche wurden am Ende aufgegeben, andere kamen neu hinzu.« Die neuen Waldquartiere haben eine Gesamtfläche von etwa 45.000 Quadratmetern und sind über den gesamten Kurwald verteilt. Die Einzelgröße schwankt zwischen 5000 und 10.000 Quadratmeter.

In diesen Wochen sollen die neu überarbeiten Pläne in die Tat umgesetzt werden: In einem ersten Schritt werden die von Sturm und Borkenkäfer betroffenen Bäume mit dem Harvester gefällt und für den Abtransport an den Hauptwegen gestapelt. »Viel Geld ist bei dem Verkauf nicht zu erwarten«, sagt Paschke. »Die Holzpreise sind nicht erst seit gestern im Keller.«

Die gefällten Bäume sollen durch neue ersetzt werden. Paschke spricht in diesem Zusammenhang von etwa 15.000 Neu­anpflanzungen allein in den Jahren 2019 und 2020. Der Umbau hin zu einem stabilen und klimarobusteren Mischwald soll danach ebenso konsequent fortgesetzt werden.

Ökopunkte-Bilanz verbessern

Durch dieses Paket von Maßnahmen will die Stadt auch ihre Ökopunkte-Bilanz verbessern. Bekanntlich wird auch in Bad Lippspringe aktuell viel gebaut. Ein neues Wohngebiet Am Pracherfeld entsteht, ein zweites an der ehemaligen Auguste-Viktoria-Klinik soll bald schon folgen. Der Bau neuer Häuser bedeutet einen Eingriff in die Natur. Wiesen und Bäume verschwinden. Flächen werden versiegelt. Als Ersatz – so sieht es der Gesetzgeber vor – müssen Ausgleichsflächen geschaffen werden. Doch die sind in Bad Lippspringe nicht in ausreichendem Maße vorhanden. Die Stadt ist deshalb gezwungen, Ausgleichsflächen andernorts zu kaufen. In Lichtenau wurde man wiederholt fündig. »Das ist rechtlich so vorgesehen und in Ordnung«, betont Paschke. »Über den Nutzen dieser ortsfernen Ausgleichsmaßnahmen kann man aber trefflich streiten.« Besser und richtiger ist es nach Meinung der Stadt, den Flächenverbrauch auch vor Ort zu kompensieren.

Der ökologische Umbau des Kurwaldes zum naturnahen Mischwald könnte dabei Mittel zum Zweck sein. Darin ist sich Paschke zufolge die Stadt Bad Lippspringe sowohl mit dem Kreis Paderborn als auch der Regionalforstbehörde einig. »Unser Ziel ist ein ökologisch wertvoller Kurwald. Wenn uns das gelingt, sammeln wir zusätzlich kräftig Ökopunkte am Ort. Die Stadt wäre dann nicht mehr darauf angewiesen, nach Ausgleichsflächen in anderen Orten Ausschau zu halten.«

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