Di., 06.08.2019

Bad Lippspringer Löwe kehrte vor 70 Jahren aus Hamburg zurück Vom Schrottplatz auf den Sockel

Der ursprüngliche Löwe in einer Aufnahme aus dem Jahre 1934. Zwei Jahre zuvor war das Denkmal für die Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkrieges feierlich eingeweiht worden. Standort war der alte Friedhof an der Arminiusstraße (heute Rathaus).

Der ursprüngliche Löwe in einer Aufnahme aus dem Jahre 1934. Zwei Jahre zuvor war das Denkmal für die Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkrieges feierlich eingeweiht worden. Standort war der alte Friedhof an der Arminiusstraße (heute Rathaus). Foto: Repro Klaus Karenfeld

Von Klaus Karenfeld

Bad Lippspringe (WB). Er gehört zu den Wahrzeichen der Badestadt wie die Burgruine oder die Lippequelle. Dabei sollte der Bronze-Löwe auf dem Rathausplatz tatsächlich einmal verschrottet werden. Die glückliche Heimkehr vor genau 70 Jahren warf lange Zeit Fragen auf.

Begonnen hatte alles 1932 – 14 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges. Seit Langem schon bemühte sich der örtliche Kriegerverein darum, den 122 Badestädter Kriegstoten ein würdiges Denkmal zu setzen. Über das Aussehen bestand bald schon Einigkeit. Zur Ausführung kommen sollte ein liegender Löwe aus Bronze mit stolz erhobenem Kopf. Die Kosten wurden mit 2800 Reichsmark veranschlagt.

Spendenaktion des Kriegervereins

Der Kriegerverein startete nacheinander mehrere Spendenaktionen. Nicht nur Inflation und Arbeitslosigkeit verzögerten die Umsetzung des Projekts. Anfänglich konnte sogar eine Spendensumme von 32.000 Reichsmark gesammelt werden, die jedoch von der Inflations schnell verzehrt war. Erschwerend kam hinzu, dass auch die politisch Verantwortlichen in Bad Lippspringe dem geplanten Denkmal sehr zurückhaltend gegenüber standen. Aus der Stadtkasse wurden sage und schreibe nur 50 Reichsmark beigesteuert.

Aber all das war vergessen am 26. Juni 1932, dem Tag der offiziellen Einweihung des Löwendenkmals. Auf dem alten Friedhof an der Arminiusstraße fand er einen publikumswirksamen Standort.

Nur zehn Jahre später war den Bad Lippspringern nicht mehr zum Feiern zumute. Deutschland befand sich mitten im Zweiten Weltkrieg. Und in der Badestadt traf die Nachricht ein, dass der bronzene Löwe als »kriegswichtiges Material« abgegeben werden müsse. Er sollte eingeschmolzen werden. Und sein Schicksal schien besiegelt zu sein.

Sichtung auf Hamburger Schrottplatz

Im Sommer 1949, vor 70 Jahren also, sorgte in Bad Lippspringe die Meldung für Aufsehen, der Löwe habe den Krieg unbeschadet überlebt und sei auf einem Sammelschrottplatz in Hamburg-Wilhelmsburg zu finden. Ob das wirklich stimmte, sollte vor Ort eine kleine Delegation prüfen.

Im örtlichen Rathaus schien jedenfalls die Skepsis überwogen zu haben. Laut Zeitzeugen bekamen die Abgesandten deshalb den Auftrag, »falls der eigene Löwe nicht gefunden wird, etwas Passendes mitzubringen«.

Und tatsächlich war die Reise von Erfolg gekrönt. Dass der Lippspringer Löwe nach sieben Jahren tatsächlich heimkehren würde, löste in der Badestadt große Begeisterung aus. Die Freude wich jedoch schnell der Verwunderung. Der Löwe war seit seinem erzwungenen Abschied aus Bad Lippspringe offensichtlich gewachsen. Zumindest ragte er deutlich über das vorhandene Fundament hinaus.

Am Eingang zum Kurwald fand er einen neuen Standort – aber nur vorübergehend. In den folgenden Jahrzehnten musste der Löwe noch zweimal umziehen. Zunächst 1952, als eine neue Eingangshalle für den Kaiser-Karls-Park gebaut wurde. Er musste weichen und fand zunächst einen Standort auf der Rasenfläche vor dem Parkeingang. Doch bei der Umgestaltung dieses Platzes stand er wiederum im Weg und wanderte 1981 wieder in die Nähe seines ursprünglichen Standortes gegenüber dem Rathaus zurück. Bei der Neugestaltung des Rathausvorplatzes im Jahr 2002 war sogar über einen erneuten Standortwechsel nachgedacht worden, doch diesmal konnte sich der Löwe an seinem Platz behaupten.

Wechselnde Standorte

Am Rathausplatz nahm ihn kurz nach 1981 eine Frau aus Hannover genau in Augenschein und war verblüfft. Ihr Hinweis gab Anlass für weitere Nachforschungen. Sie belegten, dass dieser Löwe zwischen 1884 und 1941 mit einem Parallelexemplar den Sockel eines Kriegerehrenmals für die Gefallenen des Krieges 1870/71 in Hannover geziert hatte.

So ist der heutige Lippspringer Löwe eigentlich nicht 87, sondern biblische 135 Jahre alt. Und damit er auch für die Zukunft bestens geschützt ist, ist er auch als Nr. 47 in der Denkmalliste der Stadt Bad Lippspringe eingetragen.

Mit dem Denkmal sind nicht nur etlichen Diskussionen über den endgültigen Standort verbunden gewesen. Anfang der 90-er Jahre gab es in den politischen Gremien auch eine Debatte über ein Geschenk von drei Bad Lippspringer Bürgern, die drei Tafeln aus Kupfer mit den Namen von 449 Bad Lippspringer Kriegstoten an einer Mauer beim Löwen anbringen wollten. Der Hauptausschuss der Stadt lehnte seinerzeit den Vorstoß unter anderem mit der Begründung ab, dass es fast unmöglich sei, alle Gefallenen und Ziviltoten der Badestadt namentlich zu erfassen. Die Spender nahmen schließlich ihren Vorschlag zurück

Bad Lippspringe hat mit dem Löwendenkmal nicht nur eines der markantesten »Kriegerdenkmäler« im Kreis Paderborn, sondern auch das älteste: Das Adlerdenkmal im Kurwald auf dem Gartenschaugelände gab nicht nur der Wiese ihren Namen, sondern erinnert an die Gefallenen der Befreiungskriege gegen Napoleon in den Jahren 1813 bis 1815. Der Sockel des Denkmals ist mit einer Inschrift versehen und trägt das Datum der Völkerschlacht bei Leipzig: 18. Oktober 1813.

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