Mi., 04.09.2019

Holländer muss für Tat in Bad Lippspringe drei Jahre ins Gefängnis Geldautomat gesprengt: 53-Jähriger verurteilt

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn/Bad Lippspringe (WB/upf). Die Tat war spektakulär, ihre juristische Aufarbeitung hingegen nicht. Bereits vor der Mittagspause am zweiten Verhandlungstag hat das Landgericht am Mittwoch einen Niederländer verurteilt, der an der Sprengung eines Geldautomaten in Bad Lippspringe beteiligt gewesen war.

Wie berichtet, hatte ein Täter-Trio in der Nacht zum 5. Dezember 2017 in Bad Lippspringe den Geldautomaten der Deutschen Bank an der Detmolder Straße gesprengt und mehr als 56.000 Euro erbeutet. Wegen Resten des zur Sprengung verwendeten Gas-Gemischs musste die Feuerwehr das gesamte Gebäude evakuieren, das durch die Detonation erheblich beschädigt worden war.

DNA-Spuren an den Gasflaschen

Mitte August hatte die 1. Große Strafkammer des Landgerichts gegen den Niederländer den Prozess eröffnet: Der 53 Jahre alte Arbeitslose war in Utrecht verhaftet worden – DNA-Spuren an den beiden Gasflaschen hatten über einen Datenbank-Abgleich zu ihm geführt.

Eine Verständigung zwischen Strafkammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigung kam gleich am zweiten Prozesstag zustande. Der Angeklagte konnte bei einem Geständnis mit einer überschaubaren Haftstrafe wegen Beihilfe zum gemeinschaftlichen schweren Diebstahl rechnen – und gab dann auch zu, an der Tat beteiligt gewesen zu sein.

Er habe die beiden Gasflaschen mit Sauerstoff und Acetylen beschafft, auch eine Tasche mit Werkzeug getragen, mit dem dann der Geldautomat aufgehebelt wurde, um das Gas-Gemisch einzuleiten. Er selbst habe während der Sprengung und dem anschließenden Einsammeln des Bargeldes in der Nähe des Tatortes im Auto gesessen, ließ der Angeklagte seinen Verteidiger Martin Mauntel erklären. Die beiden »aktiven« Täter nannte der 53-Jährige nicht – sie sind bis heute nicht identifiziert.

4000 Euro Schulden bei Dealern

Mitgemacht habe er, weil er etwa 16.000 Euro Schulden habe, 4000 davon bei Dealern, denen er Kokain abgekauft habe. 500 Euro seien ihm für die Mitwirkung an der Tat bezahlt worden. Seit 15 Jahren ist der gelernte Kellner nach eigenen Worten arbeitslos und lebte zuletzt in einem sozialen Betreuungsprojekt in Utrecht. Die verhängte Haftstrafe beträgt drei Jahre, fast sieben Monate Untersuchungshaft werden darauf angerechnet.

Ob der Angeklagte tatsächlich nur an der einen Sprengung eines Geldautomaten beteiligt war, versehen die Ermittler mit einem Fragezeichen. Denn bei zwei ähnlichen Taten in Spenge und Heinsberg bei Aachen sind nach Aussage eines Polizisten Werkzeuge zurückgelassen worden, die exakt denen entsprechen, wie sie am Tatort in Bad Lippspringe sichergestellt wurden. Diese wiesen ebenfalls DNA-Spuren des Holländers auf. Beide Fälle spielten aber in dem aktuellen Prozess keine Rolle.

 

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