Di., 15.10.2019

Tarifkonflikt beim MZG: Geschäftsführung setzt auf Zulagen Verdi will Vertrag nicht kündigen

Die Geschäftsführung des MZG steht einem besseren Haustarifabschluss für die 1100 Beschäftigten durchaus offen gegenüber. Verdi hat den Tarifvertrag bisher aber nicht gekündigt – unter anderem weil zu wenig Beschäftigte organisiert seien.

Die Geschäftsführung des MZG steht einem besseren Haustarifabschluss für die 1100 Beschäftigten durchaus offen gegenüber. Verdi hat den Tarifvertrag bisher aber nicht gekündigt – unter anderem weil zu wenig Beschäftigte organisiert seien. Foto: Jörn Hannemann

Von Maike Stahl

Bad Lippspringe (WB). Der Tarifkonflikt am Bad Lippspringer MZG hat nun auch personelle Konsequenzen. Die MZG-Betriebsratsvorsitzende Sandra Warachewicz legt aus Enttäuschung über die Haltung der Gewerkschaft Verdi sowohl ihre Mitgliedschaft als auch ihre Verdi-Ämter nieder.

Wie berichtet, hat die Gewerkschaft den geltenden Haustarifvertrag, der Ende April ausgelaufen ist, erstmals seit Jahren nicht gekündigt, um bessere Konditionen für die Beschäftigten des Medizinischen Zentrums für Gesundheit (MZG) auszuhandeln. Als Begründung nannte die zuständige Gewerkschaftssekretärin Walburga Erichsmeier gegenüber dieser Zeitung, dass die Gewerkschaft Lohngerechtigkeit für alle Beschäftigten erreichen wolle. Dazu bedürfe es aber eines Auftrags der gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter.

Das sollten wenigstens 50 Prozent der Beschäftigten sein, damit Verdi in den Verhandlungen durchsetzungsfähig sei. Derzeit sind nach Informationen dieser Zeitung, wie am 25. Juli berichtet, 200 der 1100 Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert.

»Schlag ins Gesicht derjenigen, die Verdi seit Jahren die Treue halten«

Zumindest die MZG-Betriebsratsvorsitzende Sandra Warachewicz, die auch Vorsitzende der Ortsfrauen des Kreises Paderborn/Höxter und Präsidiumsmitglied des Bezirksfrauenrates war, zählt jetzt nicht mehr dazu. »Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Gewerkschaften einen wichtigen Beitrag leisten, unseren sozialen Frieden zu sichern. Der Schritt, Verdi zu verlassen, ist mir nicht leicht gefallen, doch wenn ich mich aus vollster Überzeugung für Arbeitnehmerinnenrechte einsetze, dann erwarte ich, dabei von meiner Gewerkschaft unterstützt zu werden«, begründet sie ihren Schritt.

Diese Unterstützung vermisse sie bei den überfälligen Tarifverhandlungen. Diese zu führen, zumal die Geschäftsführung gesprächsbereit sei, sei eine Frage der Wertschätzung gegenüber den Kollegen. »Wenn Verdi der Organisationsgrad der MZG-Mitarbeiter nicht hoch genug ist, um aktiv zu werden, dann ist das ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die Verdi seit Jahren die Treue halten«, sagt sie.

Dienstag zu einer Mitgliederversammlung eingeladen

Verdi hat unterdessen ihre Mitglieder zu dem möglichen weiteren Vorgehen im Tarifkonflikt befragt. »Diese Befragung ist allerdings noch nicht abschließend ausgewertet«, sagte Walburga Erichsmeier auf Anfrage dieser Zeitung. »Auch der Arbeitgeber hat sich noch nicht bei uns gemeldet. Ihm stünde es ebenfalls frei, den Vertrag neu zu verhandeln. Von dieser Seite wurde bisher lediglich viel angekündigt, aber nichts getan«, sagt sie. Für diesen Dienstag hat Verdi zu einer weiteren Mitgliederversammlung der MZG-Beschäftigten eingeladen.

MZG-Geschäftsführer Achim Schäfer bestätigte am Montag, dass es nach wie vor keine Verhandlungen mit Verdi über einen neuen Tarif gebe. »Der Betriebsrat prüft aber im Moment, ob er eine Möglichkeit hat, mit uns eine außertarifliche Vereinbarung zu treffen«, sagte er. Das werde derzeit per Gutachten geprüft. »Darauf warten wir«, sagt Schäfer. Er widerspricht außerdem Darstellungen der Gewerkschaft, dass es der Geschäftsführung nicht um alle Beschäftigten gleichermaßen gehe. »Die Verbesserungen wollen wir natürlich für alle Berufsgruppen erzielen«, versichert Schäfer. Wie berichtet, erweitert das MZG derzeit im Klinikbereich und plant, mehr Personal einzustellen.

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