Wohnanlage für Pflegebedürftige an der Langen Straße 16 in Bad Lippspringe geplant
Bald kommt die Abrissbirne

Bad Lippspringe (WB). Graue Fassade, die Fenster mit Brettern verrammelt – das geschichtsträchtige Gebäude an der Ecke Lange Straße / Brunnenstraße steht seit mehreren Jahren leer. Der Eigentümer möchte das Gebäude nun abreißen lassen und auf dem Grundstück eine Wohnanlage für pflegebedürftige Menschen errichten.

Samstag, 11.01.2020, 06:00 Uhr
Das geschichtsträchtige Haus an der Lange Straße 16 in Bad Lippspringe steht seit Jahren leer. Der Eigentümer möchte es demnächst abreißen und dort eine Wohnanlage für pflegebedürftige Menschen errichten. Foto: Sonja Möller
Das geschichtsträchtige Haus an der Lange Straße 16 in Bad Lippspringe steht seit Jahren leer. Der Eigentümer möchte es demnächst abreißen und dort eine Wohnanlage für pflegebedürftige Menschen errichten. Foto: Sonja Möller

Für das Bauvorhaben hat er eine Voranfrage an die Verwaltung gestellt, mit der sich der Bauausschuss in seiner Sitzung am Dienstag, 14. Januar, um 18 Uhr befasst. Der Eigentümer möchte gleichzeitig einen der fünf benötigten Stellplätze ablösen. Er plant, auf dem 421 Quadratmeter großen Grundstück ein neues Gebäude zu errichten und damit neuen Wohnraum in der Kurstadt zu schaffen. Im Erdgeschoss soll es eine Wohnung, einen Gemeinschaftsraum als Treffpunkt der Bewohner mit kleinem Büro und einen Backshop mit Außenterrasse geben. 13 weitere kleine Wohnungen sollen in den Obergeschossen Platz finden, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Seit Jahren brach liegendes Grundstück

Der Eigentümer präsentiert in seiner Voranfrage bereits einen potenziellen Betreiber der geplanten Wohnanlage: „Die Johanniter unterstützen und beraten Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und deren Angehörige bei der Bewältigung des Alltags. Die Wohnkonzepte der Johanniter gehen auf die Bedürfnisse der Bewohner ein und bieten verschiedene Wohnkonzepte an“, führt er aus. Dies seien betreutes Wohnen, Appartements, Wohngemeinschaften oder Kooperationen mit Wohnungsgesellschaften. Sollte das Bauvorhaben umgesetzt werden, würde das seit Jahren brach liegende Grundstück endlich wiegenutzt werden. Gleichzeitig verschwindet jedoch ein Gebäude mit langer Geschichte aus Bad Lippspringe.

Siegfried Meyer betrieb in dem Gebäude ein Kolonialwarengeschäft, das er an seinen Sohn Max vererbte.

Siegfried Meyer betrieb in dem Gebäude ein Kolonialwarengeschäft, das er an seinen Sohn Max vererbte. Foto: Heimatverein

Diese wird in einem Bericht in der Vereinszeitschrift „Wo die Lippe springt“ des Heimatvereins Bad Lippspringe von den Autoren Walter Göbel und Robert Meier aufgegriffen: Der gelernte Kaufmann Max Meyer hatte demnach das Haus an der Lange Straße 16 im Jahr 1921 von seinem verstorbenen Vater Siegfried geerbt und führte das Kolonialwarengeschäft seiner Eltern daraufhin weiter. Max Meyer war verheiratet mit Emilie Hamberg. Das Paar hatte zwei Söhne: Siegfried und Walter.

Weiter heißt es: „Der von den Nazibehörden angeordnete Boykott der jüdischen Geschäfte und dadurch fehlende finanzielle Einnahmen veranlassten Max Meyer, sein Geschäft in der Lange Straße 16 an den Gastwirt Josef Rudolphi aus Altenbeken zu vermieten.“ Im Jahr 1937 verkaufte Max Meyer das Gebäude an den Gastwirt, behielt aber das Wohnrecht.

Am 10. Dezember 1941 wurden das Ehepaar Meyer und deren Sohn Siegfried von der Gestapo verhaftet. Max und Emilie Meyer gelten als verschollen. Siegfried Meyer verstarb 1945 nach der Befreiung aus jahrelanger KZ-Haft, hatte der Heimatverein recherchiert. Walter Meyer wurde 1941 bei einem Fluchtversuch aus dem KZ Mauthausen in Österreich erschossen. Im Gedenken an die Familie Meyer wurden 2019 auf dem Gehweg vor dem Gebäude vier Stolpersteine verlegt.

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