Verdi fordert Ausbildungsvergütung für Schüler des Lippe-Institutes
Neuer Tarifstreit beim MZG Bad Lippspringe

Bad Lippspringe (WB). Die Schüler des Lippe-Institutes in Bad Lippspringe sind sauer: Während Auszubildende der Gesundheitsberufe wie Ergo- oder Physiotherapie in anderen Schulen eine Ausbildungsvergütung von etwa 1000 Euro monatlich im ersten Jahr erhalten, müssen sie noch Geld mitbringen und 95 Euro Schulgeld pro Monat zahlen.

Mittwoch, 11.03.2020, 10:52 Uhr aktualisiert: 11.03.2020, 13:42 Uhr
Am Lippe-Institut in Bad Lippspringe werden die Schüler in den Gesundheitsberufen Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie ausgebildet. Dafür möchten sie wie Schüler an anderen Schulen auch die tarifliche Ausbildungsvergütung erhalten. Foto: Sonja Möller
Am Lippe-Institut in Bad Lippspringe werden die Schüler in den Gesundheitsberufen Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie ausgebildet. Dafür möchten sie wie Schüler an anderen Schulen auch die tarifliche Ausbildungsvergütung erhalten. Foto: Sonja Möller

Eine betroffene Schülerin, die der Redaktion dieser Zeitung namentlich bekannt ist, macht ihrem Frust Luft: „Wir zahlen sogar das Schulgeld, wenn wir mehrwöchige Praktika absolvieren und in den Kliniken mitarbeiten. Wir versuchen schon seit gut einem Jahr, das Ganze mit MZG-Geschäftsführer Achim Schäfer zu klären, werden aber immer abgewimmelt.“ Deswegen hätten sie jetzt die Gewerkschaft Verdi eingeschaltet.

„Unsere Forderungen sind klar und deutlich“

Die Schüler fordern die Ausbildungsvergütung in voller Höhe rückwirkend zum 1. Oktober 2019, teilt die Gewerkschaft auf Anfrage mit. Die erste Runde wurde abgebrochen. „Unsere Forderungen sind klar und deutlich“, betont Walburga Erichsmeier, stellvertretende Verdi-Bezirksgeschäftsführerin, auf Anfrage dieser Zeitung. So will die Gewerkschaft für alle Auszubildenden des Lippe-Instituts eine Vergütung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Diese sei seit Oktober 2018 gesetzlich festgeschrieben. Das MZG zahle die Vergütung aber nicht. „Und das, obwohl die komplette Summe von den Kostenträgern refinanziert wird. Es gibt kein wirtschaftliches Risiko“, betont Walburga Erichs­meier. Möglich sei dies, weil für das MZG nicht der TVöD, sondern ein Haustarifvertrag gelte .

Eine erste Verhandlungsrunde gab es am 28. Februar. Zwar sei die Arbeitgeberseite grundsätzlich bereit, auf die Forderung einzugehen, teilte Erichsmeier: „Aber sie will die Ausbildungsvergütung erst dann ausbezahlen, wenn das Geld für die Refinanzierung auch tatsächlich auf dem Firmenkonto ist.“ Durch das System der Budgetverhandlungen könne es sein, dass Arbeitgeber das Geld erst ein- bis eineinhalb Jahre nach Beginn des Anspruchs erhalten und somit vorfinanzieren müssten.

Verdi lehnt das Angebot von MZG-Geschäftsführer Achim Schäfer ab

Der MZG-Geschäftsführer Achim Schäfer sei bereit, zwar nicht vom 1. Oktober, aber vom 1. Januar 2020 an der gesetzlichen Vorgabe gerecht zu werden. Auszahlen wolle er die Ausbildungsvergütung aber erst, wenn dem MZG das Geld zur Verfügung stehe. Das hieße, die Auszubildenden müssten bis zu eineinhalb Jahre auf ihr Geld warten, fasst Walburga Erichsmeier zusammen.

Alternativ habe der Geschäftsführer vorgeschlagen, sich zusammen mit der Gewerkschaft um einen Überbrückungskredit bei einer Bank zu bemühen. Das lehnt Verdi ab und sieht hier den Arbeitgeber in der Pflicht. Die Gewerkschaft hat die Verhandlungsrunde unterbrochen, zeigt sich aber gesprächsbereit. „Wir haben dem Arbeitgeber signalisiert, dass wir an den Forderungen der Ausbildungsvergütung nach dem TVöD festhalten – und zwar rückwirkend zum 1. Oktober 2019. Wir haben dem Arbeitgeber aufgetragen, mit den Kostenträgern zu sprechen und selbst aktiv zu werden. Wir erwarten, dass der Arbeitgeber umgehend die Vorfinanzierungsfrage klärt“, erläutert Walburga Erichsmeier.

Verdi ist bereit, sofort in die nächste Verhandlungsrunde einzusteigen

Verdi sei bereit, sofort in die nächste Verhandlungsrunde einzusteigen. Warum das MZG die Ausbildungsvergütung nicht zahle, obwohl die Kosten vollumfänglich erstattet würden, darüber konnte Walburga Erichsmeier nur spekulieren: „Wir vermuten, dass der Konflikt zwischen Verdi und dem MZG auf dem Rücken des schwächsten Gliedes ausgetragen werden soll.“

MZG-Geschäftsführer Achim Schäfer war am Dienstag, 10. März, auf Anfrage dieser Zeitung nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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