Trauer- und Beerdigungskultur hat sich in Zeiten von Corona verändert
Der Abschied fällt noch schwerer

Bad Lippspringe (WB). In Zeiten von Corona fällt der Abschied von einem geliebten Menschen besonders schwer: Die Friedhofskapellen sind geschlossen, Trauergottesdienste finden zurzeit nicht statt. 

Mittwoch, 25.03.2020, 09:34 Uhr aktualisiert: 25.03.2020, 09:36 Uhr
Der Bad Lippspringer Waldfriedhof: Weil die Trauerhalle geschlossen ist, können hier wie andernorts Trauerfeiern und Bestattungen momentan nur nur noch im Freien und im engsten Familienkreis abgehalten werden. Foto: Jörn Hannemann
Der Bad Lippspringer Waldfriedhof: Weil die Trauerhalle geschlossen ist, können hier wie andernorts Trauerfeiern und Bestattungen momentan nur nur noch im Freien und im engsten Familienkreis abgehalten werden. Foto: Jörn Hannemann

„Wir als Bestatter haben selbst in dieser Ausnahmesituation den Anspruch, für eine würdevolle Beisetzung zu sorgen“, sagt Klaus Thiele, Inhaber eines Beerdigungsinstituts in Bad Lippspringe.   Trauungen, Hochzeitsfeiern und Taufen können verschoben werden. Bei Beerdigungen ist das nicht möglich. „Umso wichtiger ist die Einhaltung strikter Sicherheitsvorgaben auf den zwei Bad Lippspringer Friedhöfen“, macht Ordnungsamtsleiter Leonard Tölle im Gespräch deutlich.

Die Trauerhalle auf dem Bad Lippspringer Waldfriedhof hat bereits seit Montag vergangener Woche geschlossen. Bis auf Weiteres finden Trauerfeiern und Bestattungen nur noch im Freien direkt am Grab und im allerengsten Familienkreis statt. Zu dem Personenkreis gehören der Ehegatte beziehungsweise der Lebenspartner, die Kinder und Eltern. Bad Lippspringe folgt damit wie alle anderen Städte auch den allgemein verbindlichen Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen.

Eine anderer Hinweis betrifft den Umgang der Hinterbliebenen untereinander während der Trauerfeier: Auf körperliche Gesten der Kondolenz und Anteilnahme wie Umarmungen, Küsse oder Händeschütteln sollte verzichtet werden – auch wenn das sehr schwerfällt.   „Einige Städte sind inzwischen auch dazu übergegangen, während der Trauerfeier Teilnehmer- oder Kondolenzlisten zu führen”, sagt Klaus Thiele. „So ist bei einer späteren Corona-Erkrankung eines Teilnehmers gewährleistet, dass der Infektionsweg nachverfolgt werden kann beziehungsweise andere potenziell Betroffene informiert werden können.”   Trauergottesdienste gibt es in Zeiten von Corona nicht. Sie können aber später nachgeholt werden. „Darauf sollte in der Traueranzeige bereits hingewiesen werden”, macht der 57-Jährige weiter deutlich.  

„Auch als einfühlsame Ansprechpartner gefragt”

Keine Frage: Die Trauer- und Beerdigungskultur auf den kommunalen Friedhöfen hat sich seit Beginn der Corona-Krise einschneidend verändert. „In diesen aufwühlenden Tagen sind wir Bestatter nicht nur notwendige Dienstleister, sondern auch als einfühlsame Ansprechpartner besonders gefragt”, ist sich Thiele sicher. Und das bedeute konkret: „Die Angehörigen sollen sich in einem würdevollen Rahmen von dem lieben Verstorbenen verabschieden können.” Dazu zählen unter anderem persönliche Worte des Gedenkens, Fürbitten oder Gebete und auch Musik in gedämpfter Lautstärke.  

Etwa 900.000 Sterbefälle gibt es laut Statistik bundesweit pro Jahr. Die Zahl der Coronatoten beläuft sich aktuell laut Johns-Hopkins-Universität auf 130 (Stand: 24. März, 13.42 Uhr). Die Bestatter gehören als potenzielle Kontaktpersonen zu den gefährdeten Berufsgruppen. Der Verband deutscher Bestatter hat einige Handlungsempfehlungen an seine Mitglieder gegeben.   Beratungsgespräche sollten demzufolge nur noch im Beerdigungsinstitut mit ein, maximal zwei Angehörigen stattfinden. Hausbesuche sind aktuell nicht empfehlenswert, da dort die Hygienesituation nicht kontrolliert werden kann.  

„Auch Mund- und Nasenschutz und andere Schutzkleidung fehlen”

Viele Beerdigungsinstitute verfügen heute über eigene Abschiedsräume. Hier gilt die Vorgabe: Ist der Verstorbene infektiös gewesen, dürfen ihm die Angehörigen nur am geschlossenen Sarg die letzte Ehre erweisen.   Kopfzerbrechen bereitet Thiele wie vielen seiner Kollegen eine andere Sache: „Für uns ist keineswegs nachvollziehbar, warum nicht auch die Bestatter zu den systemrelevanten Berufsgruppen zählen.“ Thiele versucht das an einem Beispiel deutlich zu machen: „Bei der Bestattung eines nicht infektiösen Verstorbenen benötigen wir in der Regel etwa ein halbes Glas Desinfektionsmittel. Anders sieht es aus, wenn die betreffende Person infektiös war. Dann sind im Einzelfall zwei bis drei Liter Desinfektionsmittel notwendig. Und das übersteigt unseren Vorrat. Wir können aber seit einigen Wochen bereits keine Desinfektionsmittel kaufen, da wir nicht zu den systemrelevanten Berufsgruppen zählen. Auch Mund- und Nasenschutz und andere Schutzkleidung fehlen.”   Sollten die Bestatter ihrer Aufgabe in Zukunft vielleicht nicht mehr in vollem Umfang  nachkommen können, gibt Thiele zu bedenken, „dann hat unsere gesamte Gesellschaft ein Riesenproblem!“

Übrigens: Der Bad Lippspringer Friedhof ist weiter geöffnet. „Das weitläufige Gelände minimiert die Ansteckungsgefahr deutlich“, betont Tölle abschließend. Außerdem gelten die am Wochenende von Bund und Ländern beschlossenen Verbote, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bekämpfen: Im öffentlichen Raum – und dazu gehören auch die Friedhöfe – darf man sich nur mit einer weiteren Person aufhalten.  

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