Therme und Hotel in Bad Lippspringe bleiben geschlossen
„Mir blutet das Herz“

Bad Lippspringe (WB). Das Familienunternehmen Stork aus Paderborn betreibt vier Wellness-Thermen und drei Luxushotels zwischen Ostsee und Frankfurt/Main. Was treibt den Unternehmer in der Corona-Krise um? Wie geht es am Standort Bad Lippspringe weiter? Ingo Schmitz hat mit Robin Stork, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Stork, gesprochen.

Dienstag, 21.04.2020, 18:27 Uhr aktualisiert: 22.04.2020, 08:14 Uhr
Auf der Baustelle an der Westfalentherme geht es mit großen Schritten voran. Die Arbeiten für den Waldgarten liegen voll im Zeitplan. Unser Foto zeigt: (von links) Kai Meyer, Geschäftsführer Norbert Leibold sowie Geschäftsführer Robin Stork. Foto: Oliver Schwabe
Auf der Baustelle an der Westfalentherme geht es mit großen Schritten voran. Die Arbeiten für den Waldgarten liegen voll im Zeitplan. Unser Foto zeigt: (von links) Kai Meyer, Geschäftsführer Norbert Leibold sowie Geschäftsführer Robin Stork. Foto: Oliver Schwabe

Wie ist die aktuelle Situation für Therme und Hotelbetrieb in Bad Lippspringe?

Robin Stork: Die gesamte Situation ist für uns als Hotel-, Gastronomie- und Thermenbetrieb natürlich sehr schwer. Von jetzt auf gleich fallen 100 Prozent der Umsätze weg. Unser gesamtes Team, bis auf wenige Ausnahmen, ist in Kurzarbeit, und der Betrieb wurde soweit es geht runtergefahren. Das belastet mich als Mensch und Arbeitgeber sehr. Wir sind sehr dankbar, dass alle Mitarbeiter den Ernst der Lage erkannt haben und sofort ihre Zustimmung zur Kurzarbeit gegeben haben. Die Belastung für jeden Einzelnen durch Einnahmeausfall und Beschäftigungswegfall ist enorm, und ich hoffe, dass wir diese Krise gemeinsam überstehen und die Zukunft gemeinsam gestalten können.

Wie können Sie die Zwangspause nutzen? Gibt es Sanierungsarbeiten?

Stork: Natürlich kann man sich vorstellen, dass ein Thermenbetrieb nicht so still gelegt werden kann wie das andere Betriebe können. Vor allem, wenn man nicht weiß, wie lange eine Schließung dauert. Auch wenn kein Badebetrieb möglich ist, müssen wir die technische und hygienische Funktionsfähigkeit der Anlage erhalten. Das bedeutet: Die Beckenwasser- und Lufttemperatur müssen weiterhin auf einem bestimmten Niveau gehalten werden, Hygienemaßnahmen müssen durchgeführt werden, die Leitungen in den Hotelzimmern müssen in regelmäßigen Abständen durchgespült werden, und viele Buchungen von Gästen müssen storniert oder umgebucht werden. Seitdem die Aussichten auf eine Öffnung in den nächsten Wochen gestorben sind, werden auch diese Arbeiten bald nicht mehr durchgeführt, weil wir nun unsere Liquidität sichern müssen.

 

Wie sehen Ihre Überlegungen für die nächsten Monate aus? Wo drückt der Schuh besonders?

Stork: Wir bauen an unserer Baustelle Waldgarten weiter. Die Arbeiten sind im Plan, aber man fragt sich schon, was aus unserer Millioneninvestition wird. Die Aussichten, in den nächsten Monaten ein Freizeitbad, Sauna oder Schwimmbad mit mehreren 1000 Gästen pro Tag zu öffnen, sehen mehr als düster aus. Wir müssen wahrscheinlich noch bis zum Herbst warten, und selbst das sehen wir momentan als optimistische Prognose an. Somit sind die von der Bundesregierung und der KfW aufgelegten Betriebsmitteldarlehen für uns kein geeignetes Mittel, um diese Situation abzumildern. Neue Schulden zu schlechten Konditionen helfen uns nicht weiter. Momentan leben wir von den Rücklagen.

 

Was wäre aus Ihrer Sicht ein geeignetes Mittel?

Stork: Wir begrüßen die Idee von Markus Söder, der Hotellerie und Gastronomie langfristig durch einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent zu helfen, darüber hinaus wären zinslose variable Darlehen, die jederzeit zurückgeführt werden können, ein probates Mittel. Ich frage mich, warum das in Zeiten von Strafzinsen für Banken bei solventen Unternehmen nicht möglich ist. Bei Unternehmen wie den Freizeitbädern, die wahrscheinlich noch Monate geschlossen haben, muss man über Staatshilfen nachdenken. Das Problem in dieser Branche ist, dass 80 Prozent der Bäder in Deutschland eh defizitär sind und bereits durch Steuergelder subventioniert sind. Die privat erfolgreich geführten Bäder sind die Dummen. Leider!

 

Wie sieht das Buchungsverhalten im Hotelbereich aus? Wie sieht es mit Stornierungen aus?

Stork: Die Buchungen sind zum Erliegen gekommen. Wir haben vereinzelt Anfragen für den Zeitraum ab Juli. Momentan kommen täglich Stornierungen rein, die wir kulanterweise auch zu 100 Prozent gewähren.

 

Wo genau stehen Sie mit den Arbeiten an der neuen Saunalandschaft Waldgarten?

Stork: Wir haben vor zwei Wochen mit den Arbeiten an den Außenanlagen begonnen und sind voll im Zeitplan. Momentan sind nur drei Firmen auf der Baustelle, so dass auch ausreichend Abstand der Arbeiter gewährleistet werden kann. Es wird ein wunderschöner, moderner Bereich und mir blutet das Herz, wenn wir die Eröffnung im Herbst nicht gemeinsam mit unseren Gästen feiern können. Ich bleibe aber zuversichtlich.

Wie könnte ein Bade-, Sauna- und Reha-Betrieb unter Wahrung der Hygienevorschriften aussehen?

Stork: Dazu gibt es verschiedene Überlegungen. Die einzelnen Bäderverbände haben den Vorschlag gemacht, dass man sich im ersten Schritt bei den einzulassenden Gästen an 50 Prozent der zur Verfügung stehenden Spinde orientiert. Zudem kann man dann die Anzahl der gleichzeitig im Becken befindlichen Personen definieren, so dass genug Abstand bleibt. Die Attraktionen wie Wasserfall, Strömungskreisel oder Wellenbecken würde man dann auslassen. In der Sauna können wir durch ein Drehkreuz am Eingang die Anzahl der Personen begrenzen und nur eine bestimmte Anzahl von Leuten in die Saunakabinen lassen. Mit Begrenzungen in den Kabinen könnte man Abstände definieren. Einen Aufguss würde man natürlich nicht mehr durchführen. Ebenso würde man das Dampfbad wegen der Aerosole geschlossen halten. Machbar wäre es, aber man müsste auch sehr an die Vernunft der Gäste appellieren. Zudem bleibt die Frage, wieviele Gäste aus Angst vor Ansteckung überhaupt kommen würden?!

Mit Blick auf die Unternehmens-Gruppe: Welche Auswirkungen befürchten Sie für die weiteren Standorte, vor allem Ostsee, wenn es keine Reisezeit geben würde?

Stork: Alle Standorte sind gleichermaßen betroffen, aber sicherlich trifft es die Ostsee momentan am schwersten. Gerade erst hat man die Durststrecke der Wintermonate hinter sich gelassen. Wir hoffen natürlich darauf, dass wir wenigstens den Hotelbetrieb ab Juni/Juli mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen wieder hochfahren können. Das würde uns in der jetzigen Situation sicherlich sehr helfen. Sollte es keinen Sommertourismus an der Küste geben, dann beginnt das große Gastronomie- und Hotelsterben. Deswegen müssen für Regionen, die so stark vom Tourismus abhängig sind, gesonderte Regelungen oder Unterstützungen von Seiten der Landesregierungen erlassen werden. Aber wir sind auch besorgt, wie sich die Krise auf unser Vital-Hotel in Frankfurt am Main auswirkt, da wir dort noch viel stärker von Messen, Tagungen und dem generellen Businessreiseverkehr abhängig sind. Die Digitalisierungswelle, die wir gerade in der Krise erleben, wird in diesem Segment sicherlich viele langwierige Veränderungen bewirken.

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