Paralympics-Siegerin Franziska Liebhardt wird nach Transplantation in Bad Lippspringe fit
Neues Leben mit dritter Lunge

Bad Lippspringe (WB). Vor einigen Wochen konnte sich Leichtathletin Franziska Liebhardt nur noch zwischen Bett, Sofa und Badezimmer bewegen. Allein, wenn sie den Arm hob, bekam sie Luftnot. Mehr gab ihre Spenderlunge, die sie vor elf Jahren bekommen hatte, nicht mehr her. Dass sie jetzt – nur sechs Wochen nach ihrer zweiten Lungentransplantation – schon wieder vier Kilometer ohne Pause walken kann, grenzt an ein Wunder. Dr. Ralf Schipmann, Chefarzt der zum MZG in Bad Lippspringe gehörenden Klinik Martinusquelle, in der Liebhardt ihre Reha absolviert, ist beeindruckt.

Samstag, 23.05.2020, 04:10 Uhr aktualisiert: 23.05.2020, 05:00 Uhr
Der Bundesadler ist mit dabei: Wenn Franziska Liebhardt keine Reha-Anwendungen hat, trainiert sie auf dem Ergometer. Foto: Ingo Schmitz
Der Bundesadler ist mit dabei: Wenn Franziska Liebhardt keine Reha-Anwendungen hat, trainiert sie auf dem Ergometer. Foto: Ingo Schmitz

Beim Walken im Stadtwald an der Bad Lippspringer Klinik fällt Franziska Liebhardt im orangefarbenen Olympia-Dress mit dem Germany-Schriftzug nicht sonderlich auf. Die junge Frau wirkt fit und vital und keineswegs wie eine Patientin. Niemand würde vermuten, welch Leidensweg hinter ihr liegt und wie es ihr noch vor wenigen Wochen erging.

Die Paralympics-Siegerin von Rio (2016) ist eine Kämpfernatur. Bis zum 20. Lebensjahr führte sie ein völlig normales Leben. Ohne Vorwarnung litt sie plötzlich unter Hautproblemen und anderen diffusen Symptomen. Die Ärzte fanden den Grund zunächst nicht. Als dann auch noch ihre Organe Probleme bereiteten, erreichte sie die erschütternde Diagnose: Sie leidet unter einer Autoimmunkrankheit. Die 38-Jährige, die in Würzburg lebt, drückt es so aus: „Mein Immunsystem ist blind und greift eigene, gesunde Körperzellen an.“ Betroffen sind bei Franziska Liebhardt die Blutgerinnung, Nieren, Speiseröhre und Lunge. Inzwischen hat sie zwei Nierentransplantationen hinter sich. 2009 bekam sie zudem die erste Spenderlunge implantiert. Danach packte die ehemalige Volleyballerin der sportliche Ehrgeiz derart, dass sie sich fortan auf Leichtathletik konzentrierte und zu Höchstleistungen auflief. Während die Transplantations-Experten der Medizinischen Hochschule Hannover anfangs vor den Belastungen warnten, stellten sie mit der Zeit fest, dass das Training der Spenderlunge gut tat. Unter Anleitung von Speerwurf-Legende Steffi Nerius, die als Trainerin arbeitet, qualifizierte sich Franziska Liebhardt für die Paralympics. Im Kugelstoßen holte sie 2016 nicht nur die Goldmedaille, sondern stellte einen neuen Weltrekord mit 13,96 Metern auf. Außerdem sicherte sie sich in Rio im Weitsprung die Silbermedaille.

In der Regel halte eine Spenderlunge etwa fünf Jahre. Die Sportlerin hat diese Zeit verdoppelt. „Zehn Jahre habe ich ein normales Leben ohne großartige Einschränkungen im Alltag führen können“, berichtet die Patientin. Im September 2019 zeichnete sich dann ab, dass die Spenderlunge ausgetauscht werden musste. „Ich wurde ein Pflegefall“, berichtet die beeindruckende Frau. Sieben Monate lebte sie mit der Ungewissheit, wann endlich das Telefon schellen würde. „Ich wusste nie, wenn ich abends ins Bett ging, ob ich in der Nacht noch auf dem OP-Tisch liegen würde, weil eine Spenderlunge gefunden worden ist. Man befindet sich im Dauerstress“, berichtet sie. In der Nacht zum 10. April erreichte sie der erlösende Anruf der Medizinischen Hochschule Hannover: Das bange Warten hatte ein Ende. „Eine Lungentransplantation ist ein riesiger Eingriff“, macht Dr. Schipmann die Komplexität deutlich. Die meisten Patienten bräuchten drei Monate, um wieder auf die Beine zu kommen. Franziska Liebhardt lächelt. Die Bedingungen in der Reha-Klinik in Bad Lippspringe seien ideal, lobt die Patientin.

Was ihre nächsten sportlichen Ziele sind? „Ich freue mich aufs Bergsteigen. Außerdem setze ich mich für die Organspende ein“, sagt Liebhardt. Sie ist im Verein „Sportler für Organspende“ sowie für die „Kinderhilfe Organtran­s­plantation“ aktiv und hält Vorträge. Über die Entscheidung des Bundestags für die Zustimmungslösung bei Organspenden sei sie „unfassbar enttäuscht“. „Das war ein Schlag ins Gesicht aller, die auf ein Organ warten“, betont sie.

Kommentare

Röse  schrieb: 24.05.2020 10:46
Hallo
Hallo das freut mich sehr für die junge Sportlerin und wünsche ihr viel Glück und Gesundheit,ich selbst war im letzten Jahr in dieser Klinik zur Reha da ich COPD GOLD IV habe eine unheilbare Lungenkrankheit und ich fühlte mich in der Klinik sehr wohl und auch ich stehe auf der a Warteliste für eine Lungentransplantation.
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