Landgericht: Bad Lippspringer handelt mit Drogen und legt Geständnis ab
37-Jähriger dealt, um zu zocken

Bad Lippspringe/Paderborn (WB). Es geht um etliche Kilogramm Drogen: Marihuana und Amphetamin soll ein 37-Jähriger aus Bad Lippspringe verkauft haben. Die Rede in der Anklage ist von weit mehr als 20 Kilogramm. Wie viele davon letztlich in das Urteil einfließen werden, ist noch offen. Aber ein Geständnis hat der 37-Jährige am zweiten Prozesstag abgelegt.

Freitag, 19.06.2020, 08:41 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 08:44 Uhr
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

„Schwunghaften Handel“ hatte die Staatsanwaltschaft die Drogengeschäfte des 37-Jährigen Familienvaters genannt – getätigt zwischen 2016 und 2018. Seit vergangener Woche steht der Lippspringer deshalb vor Gericht. Maßgeblich für das Bild, das sich die 8. Große Strafkammer zu verschaffen hatte, war die Aussage des Mannes, der den 37-Jährigen überhaupt erst in den Fokus der Ermittler gebracht hatte: Der 29 Jahre alte „Lieferant“ des Angeklagten galt als Hauptbelastungszeuge – und das blieb er auch. Er habe dem guten Freund, der seit einiger Zeit keiner mehr sei, die Drogen beschafft. Amphetamin vor allem, aber auch Marihuana, letzteres eher von so mäßiger Qualität, dass sich andere Abnehmer auch schon mal beschwert und um Rücknahme gebeten hätten.

Polizei findet Schuldenliste

Der 37-Jährige, der stets auf Kommissionsbasis bestellt habe, sei zuverlässig gewesen: „Von ihm kam jeder Cent.“ Das sei nicht bei allen seinen Abnehmern so gewesen, denn als die Polizei den 29-Jährigen festnahm, fand sie auch eine Schuldenliste. Und die spielte eine große Rolle für die Bereitschaft des Dealers, auszusagen: „Nach meiner Verhaftung habe ich von denen kein Geld mehr gesehen. Ich hatte alleine das Risiko. Da habe ich mir gesagt: Wenn ich brenne, brennen die auch.“ Also habe er umfangreich Angaben zu seinen „Geschäftsverbindungen“ gemacht ­­– der 29-Jährige wird im Juli wegen der Drogendelikte vor dem Landgericht stehen.

Aus Freunden werden Feinde

Was er angesichts der langen Zeit nicht mehr genau angeben konnte, waren die Mengen, die der 37-Jährige von ihm bezogen hatte. Durchschnittlich ein Mal im Monat habe dieser Amphetamin oder Marihuana bestellt, mal ein Kilo, mal ein halbes. Die Freundschaft und damit zeitgleich die Geschäftsbeziehung sei zerbrochen, als der 37-Jährige ihn bezichtigt habe, ein Verhältnis mit seiner Lebensgefährtin zu haben – eine Schilderung, die den Angeklagten sichtlich auf die Palme brachte. Immer wieder versuchte er, sich in die Zeugenbefragung einzuschalten, eher zum Verdruss von Verteidiger Matthias Cramer. „Jetzt reißen Sie sich mal zusammen“, fuhr der irgendwann seinen Mandanten an. Hintergründe des Drogenhandels, so gab der Zeuge an, seien Drogen- und Spielsucht des 37-Jährigen: „Der zockte jeden Tag wie ein Weltmeister.“

Geständnis abgelegt

Angesichts dieser detailreichen Aussage regte der Verteidiger dann ein Rechtsgespräch an. Ergebnis: Der 37-Jährige kann mit einer Haftstrafe von drei bis dreieinhalb Jahren rechnen, wenn er den Drogenhandel im von der Zeugenaussage als belegt geltenden Umfang zugibt. Das erforderliche Geständnis legte der Lippspringer sogleich ab: Er habe aus dem Verkaufsgewinn sein Amphetamin und Kokain für sich selbst finanziert und natürlich seine krankhafte Zockerei, vor allem an Spielautomaten. Mit einem Urteil ist in der kommenden Woche zu rechnen.

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