Rauschgifthandel an einer Shisha-Bar in Bad Lippspringe
Dealer bekommt Bewährung

Bad Lippspringe (WB). Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein kurzer Prozess: Keine zweieinhalb Stunden hat das Landgericht Paderborn gebraucht, um einen Drogen-Dealer zu verurteilen. Aber das ist eigentlich noch der am wenigsten ungewöhnliche Aspekt an dem ganzen Verfahren.

Freitag, 31.07.2020, 11:17 Uhr aktualisiert: 31.07.2020, 11:20 Uhr
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann
Symbolbild. Foto: Jörn Hannemann

Der 29-jährige Paderborner bescherte der 1. Großen Strafkammer eine für Drogenprozesse extrem seltene Kombination von Zusammenhängen. Er hatte zwar einige Vorstrafen gesammelt, das waren aber lediglich kleinere Eigentumsdelikte und Fahren ohne Führerschein. Er ist selbst nicht drogenabhängig, konsumiert sogar nach eigenen Worten gar keine Betäubungsmittel – vom Rauchen eines Joints sei ihm schlecht geworden, das habe er dann sein lassen. Nach Feststellung eines psychiatrischen Gutachters verfügt er über einen Intelligenzquotienten von 126, womit der Familienvater überdurchschnittlich intelligent sei.

Angeklagter packt umfangreich aus

Und schließlich war der 29-Jährige nicht nur sofort nach seiner Verhaftung vor eineinhalb Jahren geständig: Er packte nach einiger Zeit in der Untersuchungshaft über die ihm bereits zur Last gelegten Vorwürfe hinaus so schonungslos aus, dass die Polizei feststellen musste, sie hätte alle diese Drogendelikte nie und nimmer aufklären können. Und so wurde aus der ursprünglichen Drogenmenge von einer Handvoll Kilogramm Marihuana und Amphetamin ein Komplex, der sich am Ende im Urteil mit jeweils 30 Kilogramm beider Betäubungsmittelarten niederschlug.

„Wenn er das wollte, könnte er viel aus sich machen“, sagte der psychiatrische Gutachter Bernhard Bätz über den 29-Jährigen und spielte damit auf dessen Intelligenz an. Die hatte er zwar nicht für eine entsprechende Schulbildung genutzt und sich mit dem Hauptschulabschluss begnügt, dafür aber später seinen Grips dazu benutzt, einen florierenden Rauschgifthandel aufzuziehen – unter anderem von einer Shisha-Bar in Bad Lippspringe aus. Zwischen 2015 und 2018 dealte er in großem Maßstab mit Drogen, die er aus den Niederlanden bezog und an Zwischenhändler im Raum Paderborn weitergab. Allerdings blieb ihm das ganz große Geld versagt: Viele seiner Abnehmer zahlten nicht, so dass er nur etwa ein Drittel seines Gewinns einstreichen konnte.

„Die sind echt gefährlich“

Weitaus größeren Nutzen zog die Justiz aus der Bereitschaft des 29-Jährigen, alle Karten auf den Tisch zu legen: Mehrere seiner „Geschäftspartner“ sind bereits verurteilt worden. Nur in einem Fall will der Paderborner schweigen: Die Ermittler stellten einen Kontakt zwischen ihm und Albanern in München fest, aber die seien echt gefährlich, und deshalb wolle er zu dieser Sache nichts sagen.

Das Gericht honorierte das „Musterbeispiel an Aufklärungshilfe“ und verurteilte den 29-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten und zu einer von zwölf Monaten – weil es sich um zwei verschiedene Anklagen gehandelt hatte, die zeitlich auseinanderlagen, mussten auch zwei getrennte Urteile gesprochen werden. 50 Sozialstunden als Bewährungsauflage seien angemessen, fanden die Richter, denn der Paderborner muss der Justiz noch 48.633 Euro Wertersatz für seine Drogengewinne leisten, die er nicht mit einer Privatinsolvenz loswerden kann. „Setzen Sie Ihren Verstand richtig ein“, gab ihm Vorsitzender Richter Eric Schülke mit auf den Weg.

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