Tourismus und Therapie in der Natur: Bad Lippspringe strebt Alleinstellungsmerkmal an
NRWs erster Heilwald rückt näher

Bad Lippspringe (WB). Das beschauliche Seebad Heringsdorf auf der Insel Usedom hat es vorgemacht, jetzt wird auch Bad Lippspringe diesem ehrgeizigen Beispiel folgen: Stadt, Gartenschau und das Medizinische Zentrum für Gesundheit (MZG) wollen den 200 Hektar großen Kurwald künftig als Heilwald nutzen – es wäre der erste in Nordrhein-Westfalen. Bürgermeister Andreas Bee spricht von einem einzigartigen Naturraum für Tourismus und Therapie.

Freitag, 14.08.2020, 08:51 Uhr aktualisiert: 14.08.2020, 10:06 Uhr
Achim Schäfer, Professor Andreas Lübbe, Asli Noyan und Andreas Bee (von links) stellten auf dem Gartenschaugelände einen Entwurf des künftigen Heilwaldes vor. Dabei geht es nicht um landschaftliche Eingriffe, sondern vielmehr um gesundheitliche Angebote. Foto: Per Lütje
Achim Schäfer, Professor Andreas Lübbe, Asli Noyan und Andreas Bee (von links) stellten auf dem Gartenschaugelände einen Entwurf des künftigen Heilwaldes vor. Dabei geht es nicht um landschaftliche Eingriffe, sondern vielmehr um gesundheitliche Angebote. Foto: Per Lütje

Ein gesundheitsorientierter Tourismus gewinnt in den Überlegungen vieler Heilbäder immer mehr an Bedeutung. „Und Bad Lippspringe verfügt tatsächlich über ideale Voraussetzungen, um von diesem Trend nachhaltig zu profitieren“, ist Bee überzeugt. Der Bürgermeister hat dabei drei ganz konkrete Standortvorteile der Kur- und Badestadt im Auge, die sich seiner Meinung nach perfekt ergänzen: „Das sind der stadtnahe Wald, das reizarme Mittelgebirgsklima und die Kompetenz des Medizinischen Zentrums für Gesundheit mit seinen fünf Kliniken.“

Alle Kriterien erfüllt

Auf dem Weg zur offiziellen Anerkennung als Heilwald hat Bad Lippspringe bereits die ersten Weichen gestellt – und zwar weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. So überraschte Bee am Donnerstag bei einem Pressegespräch mit der Mitteilung, dass die Stadt vor Monaten schon ein Fachgutachten zum Thema Heilwald in Auftrag gegeben hat. Inzwischen liegt das Gutachten vor. Es kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Bad Lippspringe erfüllt alle Kriterien für einen Heilwald, wie er in Mecklenburg-Vorpommern bereits seit einigen Jahren ausgewiesen wird.

Zum Hintergrund: Seit der Novelle des Landeswaldgesetzes in Mecklenburg-Vorpommern (2011) besteht dort die Möglichkeit, neben dem klassischen Erholungswald auch Kur- und Heilwälder rechtsförmlich anzuerkennen. „Das nordrhein-westfälische Forstrecht sieht diese Option aktuell noch nicht vor“, bedauert der Bürgermeister. Möglicherweise lasse sich das aber noch ändern. Bee will deshalb das Thema Heilwald möglichst bald schon mit den Verantwortlichen des Landes besprechen. „Vielleicht ist es aber auch möglich, dass die Zertifizierung wie im Fall Heringsdorf durch die Universität Rostock vorgenommen wird“, gibt sich Bee optimistisch.

Ursprünglich Kiefernwald

Der im 19. Jahrhundert entstandene Bad Lippspringer Kurwald war ursprünglich ein Kiefernwald. Davon zeugt heute noch so manches 120 Jahre alte Prachtexemplar. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Stadt aber dazu übergegangen, hier auch andere Baumarten wie Buchen, Eichen oder Kastanien anzupflanzen. Das Gutachten spricht in diesem Zusammenhang von einem der artholzreichsten Waldkomplexe in Deutschland.

Auch die für einen künftigen Heilwald notwendige Infrastruktur ist Bee zufolge vorhanden. Als Beispiel nennt er das gut ausgebaute Wegenetz im Gartenschaugelände. Es ist weitgehend ebenerdig und ebenso rollstuhl- wie behindertengerecht ausgestattet.

Bleibt noch die Frage, ob Bad Lippspringe für das ehrgeizige Projekt Heilwald auch das notwendige medizinische und touristische Potenzial besitzt. Das Gutachten beantwortet das mit einem erwartbaren klaren Ja. „Mit unserer natürlichen Infrastruktur und unseren therapeutischen Angeboten verfügen wir über alle Voraussetzungen, um als Heilwald auch behördlich anerkannt zu werden. Unsere Patienten und Therapeuten schätzen diese Vorteile schon seit vielen Jahren. Nun wollen wir damit auch öffentlich in Erscheinung treten und schrittweise weitere Möglichkeiten zur therapeutischen Nutzung des Waldes entwickeln“, sagt MZG-Geschäftsführer Achim Schäfer.

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Der Ärztliche Direktor des MZG, Prof. Dr. Dr. Andreas S. Lübbe, sieht das ähnlich. Für ihn als Mediziner stehen die Vorteile eines Heilwaldes außer Frage: „Die Bad Lippspringer Kliniken verfügen über eine lange Tradition bei der Behandlung von Patienten mit Atemwegserkrankungen. Vor diesem Hintergrund macht ein Badestädter Heilwald natürlich großen Sinn. Denn die Waldgebiete, die zur therapeutischen Nutzung für spezielle medizinische Indikationen gestaltet werden sollen, liegen in direkter Nachbarschaft von Cecilien- und Martinusklinik. Schon jetzt haben sich Mitarbeiter gefunden, die als speziell fortgebildete Waldtherapeuten rehabilitative und inklusive Konzepte umsetzen möchten.“

Damit, so Lübbe, würde sich der Bad Lippspringer Heilwald von den bekannten Kurwäldern deutlich unterscheiden, die „nur“ ganz allgemein eine gesundheitsfördernde Breitenwirkung entfalten sollen. „Der Bad Lippspringer Heilwald ist dagegen eine einmalige Gelegenheit, einzigartige Konzepte in Ergänzung zu unserem obligatorischen Therapieangebot umzusetzen. Atem- und Entspannungsübungen sind hier an unterschiedlichen Stationen genauso möglich wie dem jeweiligen Patienten angepasste Bewegungstherapien.“

„Mit dem Heilwald ließe sich die Visitenkarte der Stadt um ein Alleinstellungsmerkmal erweitern“, sagt die Leitern des Stadtmarketings, Asli Noyan. Und davon könnten ihrer Überzeugung nach mittel- bis langfristig auch der örtliche Einzelhandel, die Gastronomie und das Gastgewerbe profitieren.

Weitergehende Informationen gibt es hier.

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