Corona-Lage am Donnerstagvormittag im Kreis Paderborn: mehr als 80 Infizierte in Bad Wünnenberger Einrichtung – Fälle in zwei Kindergärten – Inzidenz bei 40,6
Erneut großer Corona-Ausbruch in Aatalklinik – 400 PCR-Tests

Bad Wünnenberg (WB/han/LaRo) -

In der Bad Wünnenberger Aatalklinik gib es erneut einen großen Corona-Ausbruch. Wie der Kreis Paderborn am Donnerstag bestätigt hat, sind dort nach aktuellem Kenntnisstand 59 Patienten und 23 Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. An diesem Freitag würden unabhängig von Symptomen alle Mitarbeiter und Patienten einem PCR-Test unterzogen. Insgesamt gehe es dabei um 400 Tests.

Donnerstag, 04.03.2021, 07:33 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 16:34 Uhr
Die Aatalklinik in Bad Wünnenberg.
Die Aatalklinik in Bad Wünnenberg. Foto: Aatalklinik

Nach Informationen des Kreises liege der Schwerpunkt des Ausbruches wohl im Reha-Bereich der Klinik; denn die Bewohner des angegliederten Pflegeheims seien mittlerweile geimpft. Todesfälle in Folge des Ausbruchs sind beim Kreis bislang nicht bekannt.

Bereits im Dezember hatte es in der Bad Wünnenberger Klinik einen Corona-Infektionsschwerpunkt gegeben. Nachdem nun in der vergangenen Woche erneut eine Häufung von Fällen bekannt geworden waren, hatte der Kreis eine Reihe von Maßnahmen verhängt. Dazu zählte ein Aufnahmestopp, auch Besuche von Angehörigen waren nicht mehr erlaubt.

Trotzdem stiegen die Zahlen offenbar weiter. Ein Grund dafür könnte sein, dass in einigen Fällen auch bereits die nach Ansicht von Fachleuten ansteckendere britische Variante des Virus nachgewiesen wurde.

Auch wenn nach dem groß angelegten Reihentest bei allen Patienten und Mitarbeitern vom Freitag die Infektionszahlen in den kommenden Tagen weiter ansteigen dürften, bedeutet das nicht unbedingt, dass die Zahlen für das Paderborner Kreisgebiet insgesamt und damit auch der für mögliche Lockerungen entscheidende Sieben-Tage-Inzidenzwert automatisch gleichermaßen ansteigen.

Denn nach Auskunft der Paderborner Kreisverwaltung werden die Corona-Fälle jeweils dem Wohnort der Betroffenen zugerechnet. Kommt ein Patient der Reha-Klinik, bei dem eine Infektion nachgewiesen wird, also beispielsweise aus Dortmund, wird sein Fall der Statistik von Dortmund zugerechnet. Wohnt eine positiv getestete Pflegerin zum Beispiel in Büren, erhöht sich die dortige Statistik um einen Fall.

Berechnet man eine Wochen-Inzidenz aus den von der Kreisverwaltung gemeldeten Neuinfektionen, so liegt sie in Bad Wünnenberg derzeit bei rund 204 und in Büren bei 98.

Inzidenz

Der offizielle Sieben-Tage-Inzidenzwert im Kreis Paderborn ist etwas gestiegen. Am Donnerstag liegt er bei 40,6. Das meldete am Morgen das Landeszentrum für Gesundheit (LZG) mit Stand 0 Uhr. Am Mittwoch war der Wert mit 37,7 angegeben worden. Der Inzidenzwert ergibt sich aus der Summe der neuen Coronavirus-Infektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Der offizielle Wert des LZG* (siehe unten „Melde- und Übermittlungsverzug“) ist ausschlaggebend für die Kreise und kreisfreien Städte in NRW, wenn es um Allgemeinverfügungen, also Einschränkungen oder Lockerungen, geht. Beim LZG sind am Mittwoch 38 Fälle aus dem Kreis Paderborn in die Statistik eingeflossen, davon datiert die Landeseinrichtung in Bochum alle 22 auf den Mittwoch selbst. Für die vergangenen sieben Tage werden für den Kreis Paderborn dort nun 125 Fälle (Vortag: 116) angegeben. Die Kreisverwaltung hatte am Mittwoch (Stand 11 Uhr) 32 Neuinfektionen veröffentlicht.

Kindergärten in Paderborn geschlossen

In der inklusiven Kindertagesstätte St. Christophorus des Caritasverbands Paderborn sind seit Sonntag, 28. Februar, insgesamt elf Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das Gesundheitsamt und die Einrichtung haben schnellstmöglich reagiert und die beiden betroffenen Gruppen der Einrichtung geschlossen, teilt der Caritasverband am Mittwoch mit.

In der Kath. KiTa St. Vincenz in Paderborn wurde eine Person positiv auf den Coronavirus getestet. Es wurden insgesamt 49 Kinder und zehn Mitarbeiter aus der drei-gruppigen Kindertagesstätte bis zum 17. März unter Quarantäne gestellt. Das teilte der Gemeindeverband Kath. Kirchengemeinden Hochstift Paderborn am Mittwochabend mit.

Blick in die Nachbarkreise

Der Inzidenzwert in Nordrhein-Westfalen liegt am Donnerstag bei 62,8 (63,8) und in Deutschland bei 64,7 (64). Der Blick in die Paderborner Nachbarkreise ergibt nach LZG-Angaben folgendes Bild: Gütersloh 51,2 (56,7) – Hochsauerlandkreis 88,2 (92,8) – Höxter 50,6 (47,1) – Lippe 43,7 (43,5) – Soest 63 (56,7).

Impfzahlen

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat Mitte Februar ihren Impfbericht um Zahlen zu den Erst- und Folgeimpfungen in den Impfzentren erweitert. Demnach hat es im Impfzentrum des Kreises Paderborn, in der Salzkottener Sälzerhalle, bis einschließlich Mittwoch, 2. März, 6610 Erstimpfungen (Dienstag: 6193 ) und 268 (157) Folgeimpfungen gegeben. Bis zum 28. Februar handelt es sich bei den Folgeimpfungen in den Impfzentren ausschließlich um Personen, die ihre Erstimpfung in stationären Pflegeeinrichtungen erhalten haben.

Durch mobile Teams sind bis einschließlich Mittwoch 7225 Menschen (Dienstag: 7127) geimpft worden (Erstimpfung). Die Folgeimpfung haben davon bisher 5951 Menschen (5949) erhalten. Hinweis auf www.corona-kvwl.de/impfbericht: „Das KVWL-eigene Berichtswesen zum Impfgeschehen wurde auf das bundesweit einheitliche digitale Impfquotenmonitoring des RKI umgestellt. Insofern finden Sie ab sofort in der Liste zu den Impfungen durch mobile Teams ausschließlich eine Gesamtsumme aller durchgeführten Erst- und Folgeimpfungen (hierzu zählen neben den Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen z. B. auch ambulante Pflegedienste und Rettungsdienste).“ Im Kreis Paderborn gibt es 42 vollstationäre Pflegeeinrichtungen mit mehr als 6000 Bewohnern und Mitarbeitern.

Lockdown wird verlängert

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland wird angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Ministerpräsidenten in mehr als neunstündigen Verhandlungen beschlossen. Vereinbart wurde eine stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter Notbremse: Führen in einer Region einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen, werden dort automatisch alle schon erfolgten Erleichterungen wieder gestrichen.

Weitere Informationen

Alle Entwicklungen rund um das Coronavirus in OWL, Deutschland und auch weltweit lesen Sie in unserem Newsblog.

Das Paderborner Kreisgesundheitsamt ist von Montag bis Freitag in der Zeit von 9 bis 16 Uhr und am Samstag in der Zeit von 12 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 05251/3083333 zu erreichen. Beantwortet werden allgemeine Fragen zu Covid-19. www.kreis-paderborn.de/corona. Der Kreis Paderborn hat zudem nun die Impfseite www.kreis-paderborn.de/impfen erstellt.

Hier informiert das Land Nordrhein-Westfalen: https://www.land.nrw/corona. Hier geht es direkt zur aktuellen Coronaschutzverordnung (gültig ab dem 22. Januar).

Unter www.corona-schutzimpfung.de ist ein Informationsangebot abrufbar, das bundeseinheitliche Informationen rund um die Schutzimpfung bereithält und weiter ausgebaut wird. Es gibt auch einen Infoservice per Newsletter. Zudem ist der Informationsservice der Rufnummer 116117 erweitert worden (kostenlos, sieben Tage pro Woche, von 8 bis 22 Uhr). Beantwortet werden dort Fragen rund um Corona-Schutzmaßnahmen und die -Schutzimpfung.

Stichwort: Melde- und Übermittlungsverzug

Das LZG führt zum Meldeprozess auf seiner Website folgendes aus: „Dargestellt wird der jeweilige Meldestand, den die Gesundheitsämter entsprechend den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) anhand der örtlichen Meldungen feststellen und an das LZG übermitteln. Das LZG seinerseits leitet die Daten täglich im Laufe des Abends an das Robert-Koch-Institut (RKI) weiter, beide weisen einmal täglich zum Tageswechsel einen aktualisierten Stand aus. Dieser mehrstufige Meldeprozess ist vor allem in den örtlichen Gesundheitsämtern arbeits- und zeitaufwändig und unterliegt einer ständigen Qualitätssicherung. Daher kommt es immer wieder vor, dass die Angaben auf der örtlichen, der Landes- und der Bundesebene nicht vollständig deckungsgleich sind. Insbesondere ist es möglich, dass vor Ort bereits Informationen vorliegen, die noch nicht im Meldewesen weitergeleitet wurden.

Erläuterung des LZG zur Inzidenz: „In die 7-Tage-Inzidenz geht die Anzahl aller Fälle ein, deren Meldedatum innerhalb der vergangenen 7 Tage vor dem Berichtszeitpunkt fällt. Bei der Eingabe von Fällen in das Infektionsmeldesystem wird jedem Falldatensatz ein Meldedatum zugewiesen. Dabei handelt es sich um dasjenige Datum, an dem das zuständige Gesundheitsamt erstmalig von dem betreffenden Fall Kenntnis erhalten hat.“

Das RKI schreibt zu einem möglichen Melde- und Übermittlungsverzug auf seiner Website: „Für die Gesamtzahl pro Bundesland/Landkreis werden die den Gesundheitsämtern nach Infektionsschutzgesetz gemeldeten Fälle verwendet, die dem RKI bis zum jeweiligen Tag um 0 Uhr übermittelt wurden. Für die Darstellung der neuübermittelten Fälle pro Tag wird das Meldedatum verwendet – das Datum, an dem das lokale Gesundheitsamt Kenntnis über den Fall erlangt und ihn elektronisch erfasst hat. Zwischen der Meldung durch die Ärzte und Labore an das Gesundheitsamt und der Übermittlung der Fälle an die zuständigen Landesbehörden und das RKI können einige Tage vergehen (Melde- und Übermittlungsverzug). Jeden Tag werden dem RKI neue Fälle übermittelt, die am gleichen Tag oder bereits an früheren Tagen an das Gesundheitsamt gemeldet worden sind. Diese Fälle werden in der Grafik Neue COVID-19-Fälle/Tag dann bei dem jeweiligen Datum ergänzt.

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