Im Freibad Bad Wünnenberg vernachlässigen viele Eltern ihre Aufsichtspflicht
Kinder immer im Blick haben

Bad Wünnenberg (WB). Klaus Kramps (52) hat Stellung auf seinem Podest bezogen. Mit geschultem Blick »scanned« der Schwimmmeister die Wasserfläche. Es ist proppevoll im Bad Wünnenberger Waldschwimmbad. Kein Wunder: Temperaturen jenseits der 30 Grad und Ferien – die Menschen suchen Erholung und Abkühlung.

Samstag, 28.07.2018, 09:45 Uhr aktualisiert: 28.07.2018, 09:50 Uhr
Es ist viel los in den Freibädern. Die Schwimmmeister Klaus Kramps (links) und Ulli Kordes haben ein geschultes Auge auf das Geschehen. Dennoch verweisen sie darauf, dass Eltern eine Aufsichtspflicht haben und ihre Kinder stets im Blick haben sollten. Foto: Jörn Hannemann
Es ist viel los in den Freibädern. Die Schwimmmeister Klaus Kramps (links) und Ulli Kordes haben ein geschultes Auge auf das Geschehen. Dennoch verweisen sie darauf, dass Eltern eine Aufsichtspflicht haben und ihre Kinder stets im Blick haben sollten. Foto: Jörn Hannemann

Für die Schwimmmeister in den heimischen Freibädern hingegen ist der Job zunehmender stressiger geworden. »Die Aufsichtspflicht der Eltern ist unter Kollegen momentan ein großes Thema«, sagt Klaus Kramps. Denn die werde allzu oft vernachlässigt.

»Uns fällt auf, dass kleine Kinder immer häufiger allein auf dem Freibadgelände und am Beckenrand herumlaufen. Das passiert mittlerweile fast täglich«, sagt auch Kollege Ulli Kordes (42), »neulich habe ich sogar einen Dreijährigen mit Schwimmflügeln vom Dreier geholt.« Die Unaufmerksamkeit habe deutlich zugenommen. Die Eltern sonnen sich oder sind mit ihrem Handy beschäftigt. Wie schnell etwas passieren kann, zeigen jüngste Fälle aus Bremen und Brandenburg, wo Kinder in Freibädern ertrunken sind.

Im Waldschwimmbad hat es noch keinen tödlichen Unfall gegeben

Im Waldschwimmbad hat es gottlob noch keinen tödlichen Unfall gegeben. Doch auch hier haben die erfahrenen Schwimmmeister schon oft Kinder aus dem Wasser ziehen müssen. Hinzukomme, dass es immer mehr schlechte Schwimmer unter den jungen Freibadbesuchern gebe.

»Ein absolviertes Seepferdchen ist kein Freifahrtschein«, sagt Ulli Kordes, »die Kinder sind mit dem Abzeichen bei weitem keine sicheren Schwimmer. Besonders wenn es voll und das Wasser unruhig ist, sind sie überfordert.« Deshalb sollten sie nicht allein ins Wasser gehen. »Wenn wir Eltern auf ihre Aufsichtspflicht ansprechen, bekommen wir noch dumme Sprüche zurück. Manche werden sogar ausfallend«, sagt Ulli Kordes. Dabei gibt es eine klare Haus- und Badeordnung.

Kinder unter sechs Jahren dürfen nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten ins Freibad. »Wir hatten hier schon Achtjährige, die mit ihrer kleinen zweijährigen Schwester kamen«, sagt Klaus Kramps und schüttelt den Kopf.

Oft werden die Schwimmmeister zum Buhmann, wenn sie Freibadbesucher auf ihr Pflichten aufmerksam machen. »Dabei versuchen wir nur, einzugreifen, bevor etwas passiert«, so Kordes, Denn wenn etwas passiere, seien die Schwimmmeister letztendlich doch immer die »Schuldigen«. »Egal, ob ich überhaupt eine Chance gehabt hätte, jemanden zu retten – am Ende heißt es doch: Bei diesem Schwimmmeister ist schon mal jemand ertrunken«, meint Ulli Kordes, »das hat man immer im Hinterkopf.«

In Spitzenzeiten tummeln sich bis zu 1300 Menschen im Waldschwimmbad

In Spitzenzeiten tummeln sich rund 1300 Badegäste im Bad Wünnenberger Waldschwimmbad. »Darunter sind mehr als 100 Kinder unter drei Jahren«, erläutert Klaus Kramps. Er kann während seiner Schwimmaufsicht aus einem Erfahrungsschatz von 32 Berufsjahren schöpfen, sein Kollege ist mittlerweile 26 Jahre dabei. »Man sieht schon genau, wenn jemand Probleme im Wasser hat«, sagt Kramps. Das entbinde Eltern dennoch nicht von ihrer Aufsichtspflicht. Das Tückische sei, dass kleine Kinder »lautlos« ertrinken. »Sie schreien nicht um Hilfe, sondern sind auf einmal weg«, weiß Klaus Kramps.

Die Bad Wünnenberger Schwimmmeister raten Eltern, ihre Kinder immer im Blick zu haben und sie nicht allein im Freibad herumlaufen zu lassen. Nichtschwimmer sollten immer Schwimmhilfen tragen und nicht unbeaufsichtigt im Wasser sein. »Die Leute müssen sich einfach bewusst machen, dass Wasser immer eine gewisse Gefahr birgt, übrigens auch für Erwachsene«, sagt Ulli Kordes.

Gleichzeitig empfehlen sie, die Kinder in Schwimmkursen anzumelden. Damit das Freibadvergnügen auch weiterhin ein solches bleibt.

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