Mo., 10.12.2018

Erfolg für den Höhlenschutz – Malachitdom im Kreis Paderborn bleibt erhalten »Wie eine zweite Entdeckung«: Farbige Tropfsteinhöhle bleibt erhalten

Die große Höhle mit grünlichblauen Stalaktiten, die in der Tropfsteinhöhle Malachitdom von der Decke hängen.

Die große Höhle mit grünlichblauen Stalaktiten, die in der Tropfsteinhöhle Malachitdom von der Decke hängen. Foto: dpa

Paderborn (dpa). Erfolg für den Höhlenschutz: Mit der Rettung der riesigen Höhle Malachitdom im Kreis Paderborn wird nicht nur ein vom Abbau bedrohtes Naturdenkmal erhalten, Tropfsteinhöhlen gelten auch als wichtige Archive zur Erforschung des Klimawandels.

»Das ist wie eine zweite Entdeckung«, Höhlenforscher Andreas Schudelski gehörte zu den ersten Menschen, die die riesige Tropfsteinhöhle »Malachitdom« im April 1987 in einem Steinbruch bei Paderborn betreten haben. Durch einen in diesem Sommer von dem Steinbruchbetreiber gestellten Abbau-Antrag war die einzigartige Höhle in akute Gefahr geraten. Nun hat der Kreis Paderborn die Schutzwürdigkeit des Naturdenkmals unterstrichen und den Antrag abgelehnt. »Über 30 Jahre haben wir für den Erhalt gekämpft«, erinnert sich Schudelski.

Zerbrechliche Tropfsteine leuchten im Schein der Taschenlampe im Inneren der riesigen Höhle in Blau und Grüntönen. Verantwortlich für die ungewöhnliche Färbung der von den Wänden herabhängenden Stalaktiten ist das smaragdgrüne Mineral Malachit, das der Höhle seinen Namen gegeben hat. Die riesige Höhle im Steinbruch Düstertal gilt auch als der größte freitragende, natürliche und noch existierende Hohlraum in Nordrhein-Westfalen. Öffentlich zugänglich ist die Höhle nur über einen steilen Leiter-Abstieg - und nur mit besonderer Genehmigung.

Geschütztes Biotop

Seit dem 1. April dieses Jahres gelten Höhlen nach dem Bundesnaturschutzgesetz als geschützte Biotope. Der Steinbruchbetreiber hatte jedoch einen Antrag auf Befreiung gestellt um seinen Abbau vorantreiben zu können. In der nun erteilten Ablehnung des Antrags weist der Kreis Paderborn ausdrücklich auf die Sonderstellung der Höhle in Nordrhein-Westfalen hin.

Teile der Höhle seien von »hohem wissenschaftlichem Wert« und auch im bundesdeutschen und europäischen Raum einzigartig, heißt es in der Stellungnahme des Kreises. Gegen den Bescheid kann das Unternehmen noch Klage vor dem Verwaltungsgericht Minden erheben. Der Steinbruchbetreiber MHI-Gruppe war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Eine Sprecherin des Bundesverbands mineralische Rohstoffe wies darauf hin, dass Steinbruchbetreiber »sehr offen« mit dem Thema Höhlen umgingen.

»Rohstoffabbau steht mit Höhlenschutz im Konflikt. Da geht es immer um Geld«, sagte Höhlenforscher Ingo Dorsten. Wenn Höhlen in Steinbrüchen entdeckt würden, sei der Erhalt meist dem Zufall überlassen, so der Vorsitzende der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen (Speläologie bedeutet Höhlenkunde). Dorsten zählt zu den Initiatoren des Erhalts der in einem hessischen Steinbruch entdeckten Höhle »Herbstlabyrinth«. »Wenn ich die Unterstützung für den Schutzgedanken gewinnen will, muss ich den Leuten klar machen, welchen Schatz sie da haben«, sagt er. Heute sei die Schauhöhle in der hessischen Gemeinde Breitscheid zu einer touristischen Attraktion geworden.

Bis zu 700.000 Jahre alte Tropfsteine

Die Vorsitzende des Verbands der deutschen Höhlen und Karstforscher, Bärbel Vogel, beklagte einen ihr zufolge oft nur geringen Stellenwert des Höhlenschutzes in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern. »Was abgebaut ist, ist auf immer verloren«, sagte sie.

Wissenschaftler wie Professor Norbert Frank vom Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg weisen auf die besondere Bedeutung von Tropfsteinen für die aktuelle Klimaforschung hin. »Wir wollen mehr über das Klima lernen und jede Tropfsteinhöhle liefert zusätzliche Informationen«, sagt der Forscher. Seit einigen Jahren erlebe dieser Wissenschaftszweig einen regelrechten Boom und die Anzahl der an diesem Thema interessierten Forschergruppen sei enorm gewachsen.

Dabei könne man bei der Untersuchung von den bis zu 700.000 Jahre alten Tropfsteinen sehr genau die jeweiligen Umweltbedingungen wie Temperaturen oder Niederschlagsmengen ableiten. Tropfsteine seien natürliche Klimaarchive ebenso wie Gletschereis, Baumringe oder Sedimentablagerungen. »Jedes Archiv ist sehr wertvoll, um Prozesse zu verstehen, die wir noch nicht verstanden haben«, sagt Frank.

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