Max Ernst aus Bad Wünnenberg hat krebskranker Kanadierin Stammzellen gespendet
Lebensretter am anderen Ende der Welt

Bad Wünnenberg (WB/han). Max Ernst aus Bad Wünnenberg hat einer heute 54-jährigen zweifachen Mutter in Kanada mit einer Knochenmarkspende höchstwahrscheinlich das Leben gerettet.

Samstag, 17.10.2020, 03:00 Uhr
Mit der heute 54-jährigen Kanadierin Bente Skau, der er mit einer Stammzellspende helfen konnte, verbindet Max Ernst aus Bad Wünnenberg eine herzliche E-Mail-Freundschaft. Sobald es die Corona-Lage zulässt, möchte er sie auch persönlich kennenlernen. Foto: Hanne Hagelgans
Mit der heute 54-jährigen Kanadierin Bente Skau, der er mit einer Stammzellspende helfen konnte, verbindet Max Ernst aus Bad Wünnenberg eine herzliche E-Mail-Freundschaft. Sobald es die Corona-Lage zulässt, möchte er sie auch persönlich kennenlernen. Foto: Hanne Hagelgans

Männern, Frauen und Kindern, die gegen Krebs kämpfen, kann in manchen Fällen nur ein Stammzellspender helfen, wieder gesund zu werden. Schwierig dabei: Dessen Gewebemerkmale müssen ganz genau zu denen des Kranken passen. Mit viel Glück gibt es einen solchen Lebensretter in der Familie oder in der Nähe. Manchmal allerdings wohnt er auch am anderen Ende der Welt. So wie Max Ernst aus Bad Wünnenberg.

Der Fußballer, der für die erste Mannschaft der FSV Bad Wünnenberg-Leiberg in der Bezirksliga kickt, hat einer heute 54-jährigen zweifachen Mutter in Kanada mit einer Knochenmarkspende höchstwahrscheinlich das Leben gerettet. Belohnt worden ist er mit einer neuen Freundin: Spender und Empfängerin stehen heute in regem E-Mail-Kontakt.

Eigentlich wollte Max im August auch nach Kanada fliegen und Bente Skau und ihre Familie endlich persönlich kennenlernen. Doch das verhinderte leider die Corona-Pandemie. „Wenn das vorbei ist, holen wir den Besuch auf jeden Fall nach“, versichert der 26-Jährige. Über seinen Fußballverein ließ Max sich 2016 für die Deutsche Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) typisieren: „Wir fanden alle, dass das eine gute Sache ist, die man unterstützen sollte“, sagt der Bad Wünnenberger, der als Zerspanungsmechaniker in Borchen arbeitet.

Schon zwei Monate später meldete sich die DKMS bei ihm mit der Nachricht, dass er möglicherweise als Spender in Frage komme. Das sei ungewöhnlich schnell gegangen, weiß Max heute. Viele Menschen, die sich haben typisieren lassen, werden erst Jahre oder Jahrzehnte später von der DKMS kontaktiert, und sehr viele auch niemals.

Ein Blutbild beim Arzt brachte für den Bad Wünnenberger schließlich die Gewissheit: Es passt, die Gewebemerkmale stimmen überein. Dennoch, betont Max, hätte er auch zu diesem Zeitpunkt, aus welchen Gründen auch immer, noch einen Rückzieher machen und sagen können, dass er doch nicht spenden möchte: „Es ist ja alles freiwillig.“ Doch er stimmte zu – und im fernen Kanada schöpfte eine Familie neue Hoffnung.

An wen seine Spende gehen würde, wusste Max zu diesem Zeitpunkt allerdings noch gar nicht: „Mir wurde nur gesagt, dass es eine Frau ist, die etwa doppelt so alt ist wie ich.“ Die DKMS und ihre internationalen Partner sorgen dafür, dass alles anonym abläuft. Erst nach einer Sperrfrist von zwei Jahren ist ein Kontakt zwischen Spender und Empfänger möglich, wenn beide Seiten das möchten.

Die genetischen Zwillinge Max Ernst in Bad Wünnenberg und Bente Skau in Toronto wurden gleichzeitig auf die Knochenmarkübertragung vorbereitet. Der junge Mann musste sich ab fünf Tage vor der Entnahme selbst Spritzen geben, die dafür sorgten, dass Zellen aus dem Knochenmark ins Blut abgegeben werden. Das ist in etwa das, was auch bei einer Infektion im Körper geschieht, und so habe er sich auch gefühlt, erinnert sich Max Ernst: „Ein bisschen schlapp wie bei einer Erkältung, aber nicht so richtig krank“.

Zeitgleich wurde das Immunsystem der Krebspatientin Bente heruntergefahren, damit ihr Körper die Stammzellen später nicht abstößt. Wegen der dadurch viel größeren Infektionsgefahr musste sie während dieser Zeit streng isoliert werden. „Zu diesem Zeitpunkt“, erzählt Max, „sollte der Spender dann wirklich nicht mehr nein sagen, das wäre schlimm.“

Natürlich tat er das auch nicht. Gemeinsam mit seiner Mutter reiste er nach Köln, wo die Stammzellentnahme stattfand. In seltenen Fällen erfolgt das in einer kleinen Operation, bei der die Zellen aus dem Beckenkamm entnommen werden, meist aber durch eine Entnahme über das Blut. So war es auch bei Max, der dafür fünf Stunden lang im Krankenhaus an eine Maschine angeschlossen wurde: Das Blut wurde aus dem einen Arm entnommen, die Zellen herausgelöst, und über den anderen Arm floss es zurück in seinen Körper. Während der schmerzlosen Prozedur durfte er sich gegen die Langeweile Filme aussuchen. Mit mehreren anderen Spendern, die ebenfalls an diesem Tag in Köln an den Maschinen hingen, einigte man sich auf zwei Teile des Piraten-Epos „Fluch der Karibik“.

Bereits am Tag nach der Entnahme traf das wertvolle Paket in Toronto ein, und Bente erhielt die Stammzellspende. Mit Erfolg. Sie wurde gesund – und ist es seitdem geblieben. Ohne die Spende allerdings hätte sie wohl nicht überlebt. Es sei ein gutes Gefühl, ein Leben gerettet zu haben, findet Max. Und er freut sich, dass Bente nun miterleben wird, wie ihr Sohn und ihre Tochter ins Erwachsenenleben durchstarten.

„Es ist im Grunde genommen ein kleiner Aufwand, um ein Leben zu retten“, findet er. Und er würde sich wünschen, dass noch deutlich mehr Menschen mitmachen und sich typisieren lassen.

 

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