Sa., 14.07.2018

Ausstellung mit Führungen in Nordborchen zur Heinrichsflut Schicksalstag: 16. Juli

Die Altenaustraße vor und nach dem 16. Juli 1965 und heute: Vereinsvorsitzender Harald Kuhnigk (links) und Ortsheimatpfleger Konrad Lüke haben mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern eine umfangreiche Ausstellung mit Führungen konzipiert.

Die Altenaustraße vor und nach dem 16. Juli 1965 und heute: Vereinsvorsitzender Harald Kuhnigk (links) und Ortsheimatpfleger Konrad Lüke haben mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern eine umfangreiche Ausstellung mit Führungen konzipiert. Foto: Liedmann

Von Bernhard Liedmann

Borchen (WB). 16. Juli 1965: Über das Paderborner Land bricht die schlimmste Unwetterkatastrophe der Nachkriegszeit herein. 16. Juli 2018: In einer großen Ausstellung mit etwa 160 Fotos sowie 80 Dokumenten und zwei Führungen will der Verein »1000 Jahre Nordborchen« an die damalige Heinrichsflut erinnern.

»Land Unter...!« ist die Ausstellung benannt, die am kommenden Montag im Mallinckrodthof eröffnet wird und bis zum 22. Juli an die Überflutungen im Alme- und Altenautal erinnern soll. Über ein Jahr hat der vierköpfige Vorstandsverein mit dem Vorsitzenden Harald Kuhnigk an der Spitze die Dokumente zusammengetragen, die das Ausmaß des Hochwassers, das seinerzeit sogar elf Tote forderte, verdeutlichen sollen. Doch es geht nicht nur um eine geschichtliche Betrachtung, es wird auch vorgestellt, was in den Jahrzehnten danach getan wurde, um dieses Jahrhunderthochwasser zu vermeiden.

Das Besondere an der Ausstellung sind zwei Führungen mit dem Zeitzeugen Heinrich Neumann durch das damalige Unterdorf in Nordborchen, wo etwa 200 Menschen in den knapp 50 Häusern von der Flut überrascht wurden.

»Da wurden die Schweine in die oberen Geschosse getragen, um sie vor dem Ertrinken zu retten«, berichtet Harald Kuhnigk aus der Pfarrchronik, in der viele Details des damaligen Geschehens festgehalten wurden. So auch von der Schülerin des Mallinckrodthofes, die ein Stallfenster heraussägte, damit man per quergelegter Leiter von Fenster zu Fenster das Gebäude erreichen konnte, weil das Wasser bis zu einer Tiefe von etwa 1,60 Metern die Wege blockierte oder der Bau einer provisorischen Fußbrücke über die Altenaustraße mit den Balken einer Schreinerei, die ebenfalls unter Wasser stand.

Auch wenn die Menschen in diesen Tagen etwas anderes zu tun hatten, als zum Fotoapparat zu greifen, konnte der Vorstand für die Ausstellung zahlreiche Foto-Dokumente von Privatpersonen oder aus Archiven zusammentragen, einige davon sind bislang noch gar nicht zu sehen gewesen.

Zu betrachten ist dann auch quasi im Zeitraffer das Wegspülen der alten Altenaubrücke, die nach dem Hochwasser neu gebaut wurde. Auch das Feuerwehrfahrzeug, das beim Kellerleerpumpen stecken blieb und später nur durch einen Kran geborgen werden konnte. »Im Unterdorf strömte das Wasser regelrecht durch die Häuser hindurch«, beschreibt Kuhnigk die ersten Tage der Katastrophe. Bei den Führungen durch das Dorf wird dann auch deutlich gemacht, wie schwer und plötzlich das Hochwasser die Menschen überraschte.

Zeitzeuge führt an Orte des Geschehens

Die Ausstellung im Mallinckrodthof ist vom 16. bis 22. Juli jeweils von 16 bis 20 Uhr zu besichtigen. Also genau an den Tagen, als seinerzeit die Flut das Paderborner Land heimsuchte. Gezeigt werden aber nicht nur Fotos und Dokumente aus Nordborchen. Auch die betroffenen Nachbarorte Etteln und Kirchborchen sind berücksichtigt. Am Dienstag, 17. Juli, wird von 19 Uhr an Diplom-Ingenieur Johannes Schäfers vom Wasserverband Obere Lippe unter dem Thema »Wie konnte es zu der Katastrophe kommen?« zunächst auf die Ursachen des Hochwassers eingehen.

In einem weiteren Vortrag am Donnerstag, 19. Juli, thematisiert er dann die jahrzehntelangen Anstrengungen und Millionen-Investitionen in den Hochwasserschutz. So sind allein im Süden des Kreises unterhalb von Borchen 15 Rückhaltebecken entstanden, eines der größten befindet sich bei Schloß Hamborn. Natürlich kamen etliche Renaturierungsmaßnahmen – beispielsweise bei der Altenau – hinzu.

Die Rundgänge durch das Unterdorf beginnen am Mittwoch, 18. Juli, um 19 Uhr und am Freitag, 20. Juli, ebenfalls um 19 Uhr. Sie dauern etwa eineinhalb Stunden und starten am Mallinckrodthof. Der Rundweg geht dann über die neue Brücke die Altenaustraße entlang in Richtung Wewer.

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