Sa., 15.06.2019

Bürgermeister und Fraktionen fordern Kreisverkehr an Unfallkreuzung auf B 68 Borchener wollen Ampellösung stoppen

Wer von Dörenhagen aus auf die Bundesstraße 68 einbiegen will, muss sich zu Stoßzeiten teils lange gedulden, was das Unfallrisiko erhöht. Der Borchener Gemeinderat fordert, die Verkehrssituation durch einen Kreisverkehr zu entschärfen.

Wer von Dörenhagen aus auf die Bundesstraße 68 einbiegen will, muss sich zu Stoßzeiten teils lange gedulden, was das Unfallrisiko erhöht. Der Borchener Gemeinderat fordert, die Verkehrssituation durch einen Kreisverkehr zu entschärfen. Foto: Jörn Hannemann

Von Per Lütje

Borchen (WB). Die geplante Ampelanlage auf der Bundesstraße 68 in Höhe Dörenhagen stößt bei Borchener Politikern und auch in der Bevölkerung auf Widerstand. Zwar sei man froh, dass nach mehreren tödlichen Unfällen überhaupt etwas passiere, doch favorisiere man einen Kreisverkehr. Andernfalls drohe ein Verkehrsinfarkt.

Die Kritik an dem Vorhaben des Kreises Paderborn kam in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates auf. »Die Bevölkerung in Dörenhagen sieht das sehr kritisch«, sagte Ortsvorsteher und Ratsherr Heinz Rebbe. Denn dort befürchte man, dass sich vor allem morgens und abends im Berufsverkehr lange Staus bilden könnten. »Und wenn die Ampelanlage erst einmal steht, ist ein Kreisverkehr für alle Zeiten gestorben«, mahnte Rebbe.

Für die Errichtung einer Ampel in Höhe der Abfahrten nach Dahl und Dörenhagen hatte sich jüngst eine überörtliche Unfallkommission ausgesprochen, nachdem an dieser Stelle am 11. April eine junge Autofahrerin mit ihren beiden Kindern verunglückt war. Die 42-jährige Frau erlag wenige Tage später ihren schweren Verletzungen, ihre beiden Söhne (7/11) schwebten zunächst in Lebensgefahr. Borchens Bürgermeister Reiner Allerdissen, der selbst in Dörenhagen wohnt, zeigte sich nach dem tragischen Geschehen geschockt und forderte Konsequenzen. In einem Schreiben an den Kreis Paderborn Anfang Mai plädierte er »dringend« für den Bau eines Kreisverkehrs.

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Umsetzung bis Jahresende ist sehr ambitioniert.

Bürgermeister Reiner Allerdissen

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Dass die Verkehrskommission, in der Vertreter von Straßen NRW, Bezirksregierung, Polizei und Kreis Paderborn vertreten sind, für eine Ampellösung entschieden habe, habe Allerdissen aus der Zeitung erfahren, und er sei über die Entscheidung »überrascht«. Es habe während seiner bisherigen Amtszeiten drei Verkehrstote im Bereich der Kreuzung gegeben, »und diese schreckliche Erfahrung möchte ich nie wieder machen«, sagte Allerdissen im Gemeinderat. Insofern sei er froh, dass jetzt etwas passiere. Er halte es aber zum einen für ein »sehr ambitioniertes Unterfangen«, dass die Ampelanlage noch in diesem Jahr errichtet werden soll, zum anderen halte er einen Kreisverkehr für eine deutlich sinnvollere Lösung.

Der Bürgermeister befürchtet nach eigenen Angaben lange Rückstaus auf der Linksabbiegerspur. Zudem sei auch ein Kreisverkehr die auf lange Sicht kostengünstigere Variante, da dann die Unterhaltungs- und Reparaturkosten einer Ampel entfielen. »Am erforderlichen Grundstück für einen Kreisverkehr wird es an dieser Stelle sicherlich nicht scheitern«, sagte er. Zudem verwies er auf die Stadt Lichtenau. Dort habe man ebenfalls die Bundesstraße 68 durch den Bau eines Kreisverkehrs in Höhe der Zufahrt zum Aldi- und Netto-Markt die Verkehrssituation erfolgreich entschärft. »Warum soll das bei uns nicht möglich sein?«, fragte Allerdissen in die Runde.

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Ampellösung ist rausgeschmissenes Geld.

CDU-Ratsherr Harald Kuhnigk

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CDU-Ratsherr und Bauausschussvorsitzender Harald Kuhnigk bezeichnete die Ampellösung als »rausgeschmissenes Geld« und appellierte an die Fraktionen und auch Bürger, sich beim Kreis Paderborn für die Kreisverkehrlösung stark zu machen.

Michaela Pitz, Sprecherin des Kreises Paderborn, bestätigte auf Nachfrage, dass die Entscheidung für eine Ampel an der Kreuzung einstimmig gefallen sei. »Das ist auch Voraussetzung für einen Beschluss« Gleichzeitig betonte Pitz, dass die Kommission zwar eine Empfehlung für einen Kreisverkehr hätte abgeben können, diese Entscheidung jedoch nicht bindend sei. »Ein Kreisverkehr bedeutet eine planerisch-gestalterische Maßnahme, und die kann nur der Baulastträger beschließen, und das ist Straßen NRW«, erläutert die Sprecherin des Kreises Paderborn. Man sei sich in der Kommission jedoch einig gewesen, dass eine Ampelanlage hilfreich sei, um die Situation im Kreuzungsbereich kurzfristig zu entschärfen.

Der Pressesprecher der Straßen-NRW-Niederlassung in Paderborn war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Kommentar von Per Lütje

Alle Beteiligten und Entscheidungsträger haben erkannt, dass die gefährliche Kreuzung auf der Bundesstraße 68 entschärft werden muss. Das ist gut so. Und es ist nachvollziehbar, dass die Expertenkommission einer Ampel den Vorzug gibt. Die ist nämlich im Gegensatz zu einem Kreisverkehr vergleichsweise kurzfristig umsetzbar. Ein Kreisverkehr zöge ein deutlich aufwendigeres Plan- und Genehmigungsverfahren nach sich. Und was würden die Kritiker entgegenhalten, wenn vor dessen Fertigstellung erneut ein schwerer Unfall passierte, während eine Ampel dies längst hätte verhindern können?

Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass eine Ampel auf der Kreuzung zu unzumutbaren Verkehrslagen insbesondere während des Berufsverkehrs führt, ist aber auch Straßen NRW in der Pflicht, nachzusteuern – entweder über eine verbesserte Ampelschaltung und notfalls (doch noch) durch den Bau eines Kreisverkehrs.

 

Kommentare

Das von einer kurzfristigen Lösung gesprochen wird ist Witz. Es geht um eine Lösung der Gefahrenaituation und das ist nun mal ein Kreisel. Eine Ampel wurde zu langen Staus führen, das weiß jeder der um 7:30h nach Paderborn fahren muss. Das die Empfehlung des lokalen Bürgermeisters nicht berücksichtigt wird ist enttäuschend und zeugt nicht von verantwortungsbewusststem Handeln. Anstatt die beteiligen aus Dörenhagen und Lichtenau zu hören wird hier in einem Büro entschieden, weit weg der Realität, bedauerlich.
Vorschlag: zur kurzfristigen Lösung hilft eine Baustellenampel und beide dauerhaft eingeschalteten Blitzer. Damit könnte ein Kreisel realisiert werden und man hätte die schnelle Lösung.

Ampeln sind verkehrstechnisch Lösungen von vorgestern, mit unvermeidbaren Nebenwirkungen. Sie behindern den Verkehrsfluss, produzieren unnötige Rückstaus und Wartezeiten, und erfordern im Betrieb Kosten und Aufwand (Strom, Wartung, Reparatur, etc.), und wenn sie ausfallen herrscht Wildwest. Wer heute eine bis dahin unregulierte Kreuzung aufwerten will, der plant klugerweise von vornherein einen Kreisverkehr, denn der hat all diese Nebenwirkungen eben nicht, macht die Kreuzung trotzdem ganz automatisch sicherer und aus allen Richtungen flüssiger zu passieren, und ist in absolut jeder Hinsicht langfristig die weitaus klügere und bessere Lösung. Nicht umsonst sind Kreisverkehrlösungen in einigen Nachbarländern seit Jahrzehnten Standard - wer dort mal per Auto unterwegs war, der weiss was für eine Wohltat das völlige Fehlen von Ampelkreuzungen sein kann. Das Strohmann-Argument "was wäre wenn bis dahin..." greift nicht, denn die Kreuzung ist jetzt schon mit Tempolimit ausgestattet, und jede Verkehrslösung muss sich letztlich darauf verlassen, dass die Verkehrsteilnehmer vorsichtig sind und sich an die Regeln halten. Wer unbedingt eine Ampel will, der soll bis zur Fertigstellung eines Kreisverkehrs eine temporäre "Baustellen"-Ampel dahinstellen, aber eine fest installierte Ampel dauerhaft zu installieren hätte fast schon Schildbürgerstreichniveau.

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