Kathrin Kemper aus Borchen näht Stoffbeutel, die Combi-Kunden ausleihen können
Kunterbunt und nachhaltig

Borchen (WB). Sie sind bunt, haben Tragegriffe und sehen manchmal aus wie ein Oberhemd: Selbst genähte Einkaufsbeutel zum Ausleihen hängen ab sofort im Combi-Markt an der Sperenberger Straße. Hinter der Aktion »BringBackBag« steckt die Borchenerin Kathrin Kemper, die aus alten Hemden und Tischdecken die Ausleih-Alternative zur Plastiktüte kreiert hat.

Donnerstag, 14.11.2019, 04:07 Uhr aktualisiert: 14.11.2019, 05:00 Uhr
In ihrem Nähzimmer unter dem Dach hat die Borchenerin Kathrin Kemper (links) aus alten Stoffen Einkaufsbeutel genäht. Diese will sie Geschäften kostenlos zur Verfügung stellen. Tatkräftig unterstützt wird sie bei der Aktion auch von Sehnaz Vardar. Foto: Sonja Möller
In ihrem Nähzimmer unter dem Dach hat die Borchenerin Kathrin Kemper (links) aus alten Stoffen Einkaufsbeutel genäht. Diese will sie Geschäften kostenlos zur Verfügung stellen. Tatkräftig unterstützt wird sie bei der Aktion auch von Sehnaz Vardar. Foto: Sonja Möller

Die Idee ist Kathrin Kemper beim Stöbern im Internet gekommen. Dabei stieß die Qualitätsmanagerin auf einen Taschenbaum aus Holz, den eine Grundschule aufgestellt hatte. Daran hingen Einkaufsbeutel, die jeder Kunde ausleihen konnte. »Ich habe gedacht, ›Was für eine coole Idee‹ und angefangen, selbst Beutel aus alten Stoffen zu nähen«, erzählt die 47-Jährige.

Die Borchenerin sprach den Marktleiter des Combi-Marktes an, der die Idee direkt gut gefunden habe, berichtet sie: »Er hat vorgeschlagen, einen Taschenbaum bei der Wiedereröffnung des Marktes aufzustellen, an den wir die Beutel hängen können.«

Ihre Idee stellte Kathrin Kemper in verschiedenen Facebook-Gruppen vor

Die 47-Jährige stellte ihre Idee Anfang Oktober in verschiedenen Facebook-Gruppen wie »Borchen aktuell« und »parents for future« vor und fand Mitstreiterinnen, die sich ebenfalls an die Nähmaschine setzten. »Wir sind neun Frauen, fast alle berufstätig und haben viele Termine. Jede näht für sich, wenn sie Zeit hat. Ich kenne nur Sehnaz persönlich«, erzählt die Initiatorin. Sehnaz Vardar aus Paderborn wurde über Facebook auf die Aktion aufmerksam und schloss sich spontan an.

Mittlerweile haben die Frauen mehr als 70 Beutel genäht, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Sie unterscheiden sich in Farbe, Form und Material. »Wir haben sogar Frauen, die Einkaufsbeutel häkeln«, sagt Kemper. Verwendet wurden nur ausrangierte Kleidungsstücke, Decken oder Bettwäsche, um diese in Beutel verwandeln.

Um genug Stoffe zum Nähen zu haben, fragte Sehnaz Vardar zum Beispiel in ihrem Bekannten- und Freundeskreis nach alten Tischdecken – und nach Oberhemden. »Die eignen sich hervorragend als Taschen-Grundlage«, erzählt die Kundenbetreuerin einer Krankenkasse: »Die Knopfleiste wird zugenäht, die Hemdtasche kann für Schlüssel, Einkaufszettel oder Kleingeld genutzt werden.«

Die Beutel bekommen einen Aufdruck mit dem Loge »BringBackBag«

Damit klar erkennbar ist, welche Beutel zum Ausleihen und Zurückbringen sind, hat Kathrin Kemper ein Logo entworfen: »BringBackBag«. Dieses soll auf die Beutel aufgedruckt werden. Den Druck übernimmt ein Bekannter von den Pfadfindern kostenlos, erzählt Kemper: »Die komplette Aktion ist kostenlos, sowohl für Geschäfte als auch für Kunden. Wir wollen keine Taschen verkaufen, sondern machen das alles ehrenamtlich«, betont sie. Es fielen nur Kosten für die Patentanmeldung des Logos an, die Kemper selbst tragen will.

»Mittlerweile gibt es Interesse von drei Apotheken, die unsere Beutel ebenfalls bei sich aushängen wollen. Und eine Verwandte in Köln will die Aktion bei sich vor Ort initiieren«, ist Kathrin Kemper überwältigt von der Resonanz.

Gruppe sucht Mitstreiter

Sehnaz Vardar und Kathrin Kemper suchen noch Mitstreiter: »Und wenn es nur zum Umbügeln der Tragegriffe ist. Das ist nämlich sehr zeitaufwendig«, sagt Vardar.

Wer ausrangierte Tischdecken, Hemden oder Blusen hat oder die Gruppe beim Nähen unterstützen will, kann sich über die Facebook-Gruppe »BringBackBag« melden, oder sich direkt an Kathrin Kemper, Telefon 0171/1705167, wenden.

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