Di., 10.12.2019

Bürgerantrag zur Sanierung Thema im Ausschuss – Energiestiftung bewilligt 30.000 Euro Alfener Eltern fordern neue Schultoiletten

Mehrere Eltern haben einen Bürgerantrag gestellt, um die Schultoiletten der Grundschule Alfen erneut überprüfen zu lassen (von links): Sandra Boraucke, Kathrin Martin, Astrid Lagers und Mariana Menne hoffen auf Einsicht der Gemeinde.

Mehrere Eltern haben einen Bürgerantrag gestellt, um die Schultoiletten der Grundschule Alfen erneut überprüfen zu lassen (von links): Sandra Boraucke, Kathrin Martin, Astrid Lagers und Mariana Menne hoffen auf Einsicht der Gemeinde. Foto: Sonja Möller

Von Sonja Möller

Alfen (WB). Die Schultoiletten in der Grundschule Alfen beschäftigen erneut den Hauptausschuss der Gemeinde Borchen. Mehrere Eltern haben in einem Bürgerantrag eine Überprüfung der Ist-Situation der Toiletten angeregt. Dies hatte kurz zuvor auch die Schulkonferenz beantragt.

„Unsere Kinder trinken in der Schule nichts, weil sie nicht auf die Toilette gehen wollen. Dort stinkt es permanent, und sie finden es ekelig“, schildert Astrid Lagers die Situation aus Sicht der Kinder. Zusammen mit 20 anderen Eltern fordert sie deshalb „eine Sanierung der mehr als 50 Jahre alten Schultoiletten“.

2017 stellten 100 Alfener Bürger und Eltern einen Antrag

Das Thema hat eine Vorgeschichte: 2017 stellten 100 Alfener Eltern und Bürger einen Antrag zur Sanierung der Schultoiletten und bemängelten Toilettenschüsseln ohne Deckel, Pissoirs ohne Spülung und einen leicht modrigen, scharfen Geruch. „Die Schultoiletten stammen aus dem Jahr 1964 und werden teils schon in dritter Generation benutzt“, sagt Mariana Menne im Gespräch.

Die Verwaltung sah das 2017 anders und empfahl, den Antrag abzulehnen. „Nach einem gemeinsamen Ortstermin mit Hygienekontrolleuren des Gesundheitsamtes haben wir kleinere Maßnahmen wie eine mechanische Lüftung und einen neuen Spülrhythmus für die Pissoirs umgesetzt“, erläutert Bürgermeister Allerdissen auf Anfrage dieser Zeitung. Die Schultoiletten seien immer noch baulich genau so, wie viele andere im Kreis auch.

„Die Schultoiletten sind 55 Jahre alt“

Das sehen die Mütter Sandra Boraucke, Mariana Menne, Kathrin Martin und Astrid Lagers ganz anders: „Für uns ist der Zustand unverändert: Es riecht schon unangenehm im Vorraum. Die Schultoiletten sind 55 Jahre alt. Urin ist in die Fugen gezogen. Das ist nicht mehr zeitgemäß“, schildert Sandra Boraucke.

„Unser Ziel ist nicht, das Thema zum Politikum zu machen. Wir wollen einfach nur zeitgemäße, sanierte Toiletten“, betont Mariana Menne. Dafür gehen die Eltern auch ungewöhnliche Wege, um die Sanierung ohne Haushaltsmittel zu stemmen. Sie sprachen mit ortsansässigen Unternehmern und bekamen nach eigenen Angaben Zusagen für Spenden und Eigenleistungen. Allerdings habe Bürgermeister Reiner Allerdissen die Bitte um einen erneuten Gesprächstermin im April 2018 abgelehnt, da er keinen Gesprächsbedarf sehe, berichten die Vier. „Doch wir geben nicht auf. Wir machen das nicht für uns, sondern für unsere Kinder“, betont Astrid Lagers.

Gemeinsam mit 18 anderen Eltern stellte die stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende am 22. September einen Förderantrag bei der Energiestiftung Sintfeld. Anfang Oktober habe die Schulkonferenz ihrerseits dann eine erneute Überprüfung der Schultoilettensituation in Alfen beschlossen und beim Schulträger – der Gemeinde Borchen – angeregt. Doch der Träger lehnte dies ab: „Wir sehen keine Veranlassung, die Toilettensituation erneut zu überprüfen“, teilte Allerdissen nach eigenen Angaben der Schulkonferenzvorsitzenden mit.

„Wir verstehen nicht, was dagegen sprechen könnte“

Die Eltern wollten sich damit nicht abfinden: „Wir verstehen nicht, was dagegen sprechen könnte“, sagt Sandra Boraucke. Deswegen haben sie den Bürgerantrag eingereicht. Mittlerweile liege die Zusage von der Sintfeld-Stiftung vor, die Sanierung der Schultoiletten bis zu einer Höhe von 30.000 Euro zu finanzieren.

„Wir wollen die Absage des Bürgermeisters so nicht hinnehmen. Darüber soll zumindest öffentlich abgestimmt werden“, sagt Mariana Menne. Wie die anderen Eltern auch versteht sie nicht, wieso die Toiletten nicht ausgetauscht werden: „Hier handelt es sich um ein Grundbedürfnis der Kinder. Wir haben verschiedene Möglichkeiten vorgeschlagen: Die Sanierung könnte über Spenden und Eigenleistungen finanziert werden, es stehen Fördergelder bereit, oder die Maßnahme könnte in den Haushalt eingestellt werden“, zählt sie auf.

Auf Anfrage dieser Zeitung sagt Bürgermeister Allerdissen: „Ich saniere keine Toilette, wenn diese nicht kaputt ist. Es ist ja nicht mein Geld, das ich ausgebe, sondern das der Borchener Bürger. Ich gebe nur Geld aus, wenn es erforderlich ist.“ Zu den Fördermitteln der Sintfeld-Stiftung sagt Allerdissen: „Die Gemeinde Borchen befindet sich in gerichtlichen Auseinandersetzungen mit der Firma Westfalen-Wind, die Träger der Sintfeld-Stiftung ist. Außerdem dürfen mit dem Geld keine gemeindlichen Aufgaben übernommen werden. So steht es in der Satzung.“

„Der Geruch entsteht durch unsachgemäße Nutzung“

Schulleiter Christian Jakob sagt auf Anfrage dieser Zeitung, dass der Bürgerantrag Sache der Eltern und so nicht abgesprochen gewesen sei: „Grundsätzlich würde ich natürlich neue Toiletten begrüßen, aber das würde ich an jedem Standort. Es gibt Eltern, die das fordern und nicht akzeptieren wollen, dass der Schulträger das anders sieht.“ Nach Angaben von Fachbereichsleiterin Karin Striewe werden einzelne Teile ausgetauscht, wenn sie defekt sind. Zudem reinige eine Firma täglich die Toiletten. Striewe: „Der Geruch entsteht durch unsachgemäße Nutzung der Urinale.“

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