Do., 12.12.2019

Borchener Fraktionen diskutieren Reaktivierung der Almetalbahn – Allerdissen warnt vor Folgen für Gemeinde „Die Kosten wären horrend“

Die Luftaufnahme zeigt die Brücke der zurzeit stillgelegten Almetalbahn bei Borchen.

Die Luftaufnahme zeigt die Brücke der zurzeit stillgelegten Almetalbahn bei Borchen. Foto: Besim Mazhiqi

Borchen (WB/som). Die CDU Borchen möchte die stillgelegte Almetalbahn von Brilon bis Paderborn reaktivieren, um den öffentlichen Personennahverkehr zu stärken. „40.000 Menschen sind durch die Stilllegung abgehängt. Durch die Reaktivierung schaffen wir die Möglichkeit, den Individualverkehr zu reduzieren“, erläuterte der Fraktionsvorsitzende Hansjörg Frewer den Antrag am 10. Dezember im Bauausschuss.

Bei der Resolution handele es sich um eine Absichtserklärung, der bereits Kommunen wie Büren einstimmig zugestimmt haben.

Die Verbindung zwischen Brilon und Paderborn sei eine intelligente Anschluss-Möglichkeit, betonte Frewer: „Der Bus ist keine attraktive Alternative zur Bahn.“ Frewer merkte an, dass alle Nachbarkommunen die Resolution einstimmig beschlossen hätten: „Wir wären die letzten, und die Strecke macht ökologisch Sinn.“

Bürgermeister Reiner Allerdissen sieht hohe Kosten auf Gemeinde zukommen

Ganz anders sah das Bürgermeister Reiner Allerdissen, der hohe Kosten auf die Gemeinde und den Kreis zukommen sieht: „Wenn in der Resolution nicht steht, dass weder durch Investitionen noch durch den Betrieb eine Kostenbelastung auf die Gemeinde und den Kreis zukommt, kann ich das nicht unterzeichnen. Das würde uns das Genick brechen. Die Kosten sind horrend“, sagte er.

Alleine die Brücken, die für die Verbindung saniert werden müssten, würden riesige Summen nach sich ziehen, ist Reiner Allerdissen überzeugt: „Ich würde mir wünschen, dass dieses Geld in die Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs vor Ort fließen würde. Zweifellos ist ein Ausbau des ÖPNV nötig.“ Mit der Reaktivierung der Almetalbahn würden aber lediglich Büren und Paderborn verbunden.

„Diese Strecke halte ich nicht für zielführend“

Jürgen Schmidt (SPD) zweifelte an, dass ausgerechnet diese Strecke reaktiviert werden soll: „Sind Sie überzeugt, dass jemand von Borchen zum Bahnhof fährt, dann in den Zug nach Paderborn steigt und dort einkauft? Da fährt doch jeder selbst mit dem Auto“, richtete er sein Wort an die antragstellende Fraktion und betonte, dass eine solche Bahn in einem Ballungsgebiet wie zum Beispiel dem Ruhrgebiet sinnvoll sei: „Aber wir sind hier im ländlichen Raum. Diese Strecke halte ich nicht für zielführend.“ Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende regte an, das Thema Mobilität großflächiger zu denken: „Wir sollten uns Gedanken über Car-Sharing und Elektrostationen machen, aber doch nicht über einen Zug, der über keine der Brücken fahren darf. Mit einem großen Netz an Bussen kann man viel bewegen.“

Auch Patrick Knüttel (SPD) sieht keinen Bedarf für die Almetalbahn: „Der Ausbau des ÖPNV kann zum Klimaschutz beitragen. Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir jetzt bewerkstelligen können. Wir sollten nicht in eine Glaskugel gucken und schauen, was in 15 Jahren sein könnte, sondern lieber das in Angriff nehmen, was jetzt möglich ist.“

„Wir müssen das Gesamtbild sehen“

Der Bauausschussvorsitzende Harald Kuhnigk teilte mit, dass die CDU den Antrag eingebracht habe, um zukunftsweisend nach vorne zu denken: „Wir müssen das Gesamtbild sehen und dazu gehört auch die Schiene.“

Hansjörg Frewer betonte, dass die CDU die Strecke ökologisch und langfristig für erfolgsversprechend halte und der Individualverkehr zurückgeschraubt werde.

Der Ausschuss empfahl mit sieben Ja- und vier Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen mehrheitlich, die Resolution zu beschließen.

Kommentar

Die CDU Borchen möchte den Weg für die Reaktivierung der Almetalbahn frei machen und damit in den kommenden Jahrzehnten den Individualverkehr zurückdrängen. Das ist eine ehrenwerte Absicht mit Blick auf den Klimaschutz und die steigende Zahl der Autofahrer zwischen Borchen und Paderborn.

Ob eine solche Bahn allerdings tatsächlich von Borchenern genutzt wird, darf doch arg bezweifelt werden. Denn wer selbst mit dem Auto fahren kann, kommt bequem und schnell in die Stadt. Dass die Bahn viel umweltfreundlicher und klimaschonender ist, steht außer Frage. Wenn die Verbindung aber keiner nutzt, bringt das nicht viel.

Die Bürger sollten vielmehr dort abgeholt werden, wo für sie ein Umstieg auf die klimafreundliche Alternative möglich ist. Und das geht zum Beispiel mit einem flächendeckenden Angebot von Bussen.

Denn Bushaltestellen in Fußnähe zur Wohnung oder zum Haus sind für viele sicher eher eine gute Alternative, um das Auto mal stehen zu lassen – wenn Taktung und Preis stimmen. Und mit dem Geld, das allein die Sanierung der Brücken und des Schienennetzes kosten würde, ließe sich beim Ausbau des Busnetzes sicherlich eine Menge bewegen. Sonja Möller

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