50-Jähriger erhält Bewährungsstrafe – Kreuzung bei Dörenhagen wird entschärft
Urteil nach tödlichem Unfall auf B 68

Borchen (WB/per/upf). Juristisch ist der tödliche Verkehrsunfall im April vergangenen Jahres auf der B 68 bei Dörenhagen abgeschlossen. Ein 50-jähriger Mann wurde jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Samstag, 18.01.2020, 15:00 Uhr
Nach einem tödlichen Verkehrsunfall auf der Kreuzung Dahler/Kirchborchener Straße soll diese entschärft werden. Foto: Jörn Hannemann
Nach einem tödlichen Verkehrsunfall auf der Kreuzung Dahler/Kirchborchener Straße soll diese entschärft werden. Foto: Jörn Hannemann

Er war ins Heck jenes Wagens geprallt, in dem eine Mutter und ihre beiden Söhne teils lebensgefährlich verletzt wurden. Die 42-Jährige erlag kurze Zeit später ihren Verletzungen. Verkehrspolitisch ist der schwere Unfall damit aber noch nicht zu den Akten gelegt. In Kürze soll entschieden werden, ob die Kreuzung durch eine Ampel oder einen Kreisverkehr entschärft wird.

Frau stirbt in Klinik

Eine Bewährungsstrafe von acht Monaten wegen fahrlässiger Tötung verhängte eine Strafrichterin gegen den 50-Jährigen, der damals mit seinem Mazda die Familientragödie in Borchen ausgelöst hatte. Die 42-Jährige wollte an jenem Montagabend mit ihren Pkw, in dem drei Kinder saßen, von Paderborn kommend kurz hinter der Abfahrt nach Dörenhagen nach links auf das Gelände einer ehemaligen Tankstelle abbiegen. Der nachfolgende Autofahrer fuhr jedoch ungebremst auf den Kleinwagen auf und schob ihn in den Gegenverkehr. Dadurch kollidierte der Toyota frontal mit einem Mercedes-Kombi. Die Toyota-Fahrerin wurde so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus starb. Die Kinder im Auto erlitten teils mehrere schwere Verletzungen, die beiden Söhne (7 und 11) schwebten kurze Zeit in Lebensgefahr.

Fahrlässige Tötung

Unfallursache, so stellte die Richterin nach Auskunft des Amtsgerichts fest, sei eine Unachtsamkeit des 50-Jährigen aus Lichtenau gewesen. Anhaltspunkte für ein Fahren unter Alkohol oder Drogen oder für eine Ablenkung durch Handybenutzung habe das Gericht nicht finden können. Wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung erhielt der Unfallverursacher eine achtmonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er 3000 Euro Geldbuße zahlen.

Kreis ordnet Ampel an

Nicht nur strafrechtlich, sondern auch verkehrspolitisch hat der schlimme Verkehrsunfall Folgen. Als Reaktion auf den Unfall ordnete der Kreis bereits kurze Zeit später an, den Tempo-70-Bereich zu erweitern. Eine Unfallkommission sprach im Mai 2019 die Empfehlung für eine Ampelanlage aus. Hierzu Kreissprecherin Michaela Pitz: „Für eine Ampel sprach in erster Linie, dass diese die gefährliche Abbiegesituation entschärft und zugleich zu einer Geschwindigkeitsreduzierung führen würde. Der Bau der Ampel hätte zudem zeitnah erfolgen können, da hierfür weder Grunderwerb noch weiterer Planungs- und Umbauaufwand erforderlich gewesen wäre.“ Zudem hätte der Kreis Paderborn als Straßenverkehrsbehörde zwar die Errichtung einer Ampel anordnen können, nicht jedoch den Bau eines Kreisverkehrs.

Widerstand aus Borchen

Die geplante Ampelanlage stieß in Borchen jedoch auf Widerstand. Dort bestand die Sorge, dass – wenn erst einmal eine Ampel dort stehen würde – die Chance auf einen Kreisverkehr vertan sei. Im Juni sprach sich der Rat der Gemeinde Borchen für einen Kreisverkehr aus. Der Landrat betonte seinerzeit, dass er einen Kreisverkehr, sofern dieser fachlich befürwortet werde, unterstützen würde. Pitz: „Der Landrat bot dem Landesbetrieb als zuständigen Baulastträger an, Planung und Bau gegen Kostenerstattung zu übernehmen, um die Errichtung des Kreisels zu beschleunigen.“

Entscheidung steht bevor

Derzeit prüft der Landesbetrieb beide Varianten – Ampel oder Kreisverkehr. Dazu muss eine Simulation mit Verkehrsdaten durchgeführt werden. Damit wurde ein externes Gutachterbüro beauftragt. Nach Auskunft von Michaela Pitz prüfe Straßen NRW zudem, ob für die Zwischenzeit – bis zum Bau eines Kreisverkehrs – eine provisorische Ampel aufgestellt werden kann. Pitz: „Nach unseren Informationen soll dies jetzt zeitnah geschehen.“ Bei Straßen NRW war am Freitag zu diesem Thema kein Ansprechpartner erreichbar.

Nach dem Zusammenstoß glich die Unfallstelle einem Trümmerfeld. Auf dem Foto ist rechts der Mazda zu sehen, der auf den Toyota auffuhr – links der Mercedes, der frontal in den Toyota krachte.

Nach dem Zusammenstoß glich die Unfallstelle einem Trümmerfeld. Auf dem Foto ist rechts der Mazda zu sehen, der auf den Toyota auffuhr – links der Mercedes, der frontal in den Toyota krachte. Foto: Jörn Hannemann

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