Staatsanwaltschaft Paderborn erhebt Anklage wegen Mordes
Motiv Spielsucht? Tochter soll Mutter (76) erstickt haben

Borchen (WB). Acht Monate nach dem gewaltsamen Tod einer 76 Jahre alten Witwe aus Borchen (Kreis Paderborn) haben Polizisten in der vergangenen Woche ihre Tochter (47) unter Mordverdacht festgenommen. Sie soll ihre Mutter aus Habgier getötet haben und sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Mittwoch, 13.05.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 13.05.2020, 07:54 Uhr
Die versiegelte Eingangstür nach der Tat. Foto: Oliver Schwabe
Die versiegelte Eingangstür nach der Tat. Foto: Oliver Schwabe

Zunächst hatte der Schwiegersohn, der als Tierarzt beim Kreis Paderborn angestellt ist, unter Verdacht gestanden. 99 Tage saß er in Untersuchungshaft, bis ihn das Landgericht Paderborn zur Jahreswende ohne Auflagen wieder freiließ –  wegen fehlenden Tatverdachts.

Witwe, Tochter und Schwiegersohn lebten in einem Haus

Die Witwe lebte im Erdgeschoss eines Zweifamilienhauses, in der Wohnung darüber wohnten ihre Tochter und der Schwiegersohn. Am 22. September 2019, einem Sonntag, wurde die Rentnerin tot in ihrer Wohnung gefunden. Sie war, das ergab die Obduktion, Opfer eines Verbrechens geworden. Nach unbestätigten Informationen soll die 76-Jährige erst geschlagen und dann erstickt worden sein.

Stunden bevor die Tote entdeckt wurde waren die Tochter und der Schwiegersohn mit ihrem Auto in einen länger geplanten Urlaub zum Schliersee aufgebrochen. Die Ehefrau saß am Steuer, als der Wagen auf der A 3 bei Nürnberg in ein anderes Auto fuhr, in dem ein 75-Jähriger ums Leben kam. Während der Tierarzt nach dem Zusammenstoß ausstieg und seinen Hund an der Leitplanke festband, kletterte seine Frau über die Mittelleitplanke und lief auf die Gegenfahrbahn, wo sie von einem Wagen erfasst und schwer verletzt wurde. Sie kam ins Krankenhaus und machte später eine Reha.

Zunächst der Mann in Untersuchungshaft

Ihr Mann kam bald darauf in Untersuchungshaft. Denn seine Frau soll ihn hinsichtlich des Mordes belastet und ihm die Schuld zugewiesen haben. Allerdings soll es in den Aussagen der Frau zu Ungereimtheiten gekommen sein. Unter anderem soll sie ihren Mann sinngemäß als unbeherrscht charakterisiert haben, was aber angeblich niemand aus seinem Umfeld gegenüber der Mordkommission bestätigen konnte. Zeugen sollen den Tierarzt vielmehr als ausgeglichen beschrieben haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Paderborn sollen Tatortspuren, die beim LKA ausgewertet wurden, den aktuellen Verdacht gegen die Tochter mit begründet haben. Die Staatsanwaltschaft teilte am Dienstag mit, die Frau habe den Plan gefasst, ihre Mutter „aus finanziellem Gewinnstreben” zu töten. Zu Details machte die Behörde keine Angabe.

Stellungnahme abgelehnt

Nach unbestätigten Informationen gibt es Hinweise darauf, dass die 47-Jährige, die wie ihr Mann im öffentlichen Dienst beschäftigt ist, spielsüchtig sein soll – angeblich lange Zeit ohne das Wissen ihre Ehemanns. Zum Teil soll die Frau ihre Sucht mit Krediten finanziert haben. In ihrem Umfeld wird erzählt, sie habe auch schon mal vorübergehend ihren BMW versetzt, um Schulden zu begleichen. Und auch ihre Mutter, so heißt es, habe ihr mindestens ein Mal aus der Klemme geholfen.

Ob das tatsächlich so war, lässt sich schwer sagen: Die Staatsanwaltschaft äußert sich nicht, und Mario Prigge aus Bad Oeynhausen, der Anwalt der Frau, lehnt jede Stellungnahme ab. Seine Mandantin bestreitet die Tat.

Rechtsanwalt Detlev Stoffels aus Paderborn, der den Ehemann vertritt, sagte am Dienstag, es sei jetzt „höchste Zeit”, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen seinen Mandanten einstelle, damit er umfassend rehabilitiert werde. „Das hätte schon längst geschehen müssen.”

Die Mordanklage gegen die Ehefrau liegt dem Landgericht Paderborn bereits vor. Einen Prozesstermin gibt es aber noch nicht, das Schwurgericht hat dafür noch bis zu sechs Monate Zeit.

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