Sa., 23.05.2020

Kritik an Fahrbahnverengung der K 1 – Verkehrsversuch des Kreises Verkehrsversuch ärgert Landwirte

Die Dörenhagener Landwirte (von links) Christian Werny, Heinrich Rebbe, Andreas Rebbe, Markus Mönikes, Andreas Voß, Tobias Voß, Sebastian Nolte, Hans-Georg Nolte und Maria Nolte sind sauer: Durch die Verengung der K 1 wird die Ortsdurchfahrt mit landwirtschaftlichen Maschinen schwierig.

Die Dörenhagener Landwirte (von links) Christian Werny, Heinrich Rebbe, Andreas Rebbe, Markus Mönikes, Andreas Voß, Tobias Voß, Sebastian Nolte, Hans-Georg Nolte und Maria Nolte sind sauer: Durch die Verengung der K 1 wird die Ortsdurchfahrt mit landwirtschaftlichen Maschinen schwierig. Foto: Sonja Möller

Von Sonja Möller

Borchen (WB). Der Verkehrsversuch des Kreises Paderborn an der Kirchborchener Straße (K1) in Dörenhagen bringt die ortsansässigen Landwirte auf die Palme: zu eng, zu gefährlich, zu unübersichtlich und schlicht unnötig, kritisieren sie die Fahrbahnverengung. „Der Verkehrsfluss wird erheblich gestört. Die Verengungen sind an so unübersichtlichen Stellen, dass dies zu gefährlichen Situationen führt“, betont Ortsverbandsvorsitzender Markus Mönikes im Namen seiner Kollegen.

Zum Hintergrund: Von Juli an soll auf der Kirchborchener Straße (K 1) die Fahrbahn auf einer Strecke von drei Kilometern saniert werden. Um die Sicherheit für Fußgänger in der Ortsdurchfahrt zu erhöhen, prüft der Kreis Paderborn derzeit in einem Verkehrsversuch, ob die Bürgersteige verbreitert werden können. Dafür würde die Fahrbahn an einer Stelle auf bis zu 3,75 Meter Breite verkleinert.

Durch die Begrenzungselemente können zwei landwirtschaftliche Maschinen nicht gleichzeitig die Ortsdurchfahrt passieren, und es kommt zu teils brenzligen Ausweichmanövern in der Kurve. Foto: Sonja Möller

In Dörenhagen gibt es mehr als zehn landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe. Oft täglich müssen die Landwirte mit ihren großen Maschinen durch den Ort. Das klappte bis jetzt immer gut. „In 40 Jahren gab es hier nicht einen Unfall – egal ob auf der Straße oder auf dem Bürgersteig“, betont Ortslandwirt Andreas Rebbe. Eine Notwendigkeit für die Verbreiterung der Fußwege gebe es schlicht nicht. Eher befürchten die Landwirte eine Gefahrenquelle, weil große Fahrzeuge wie Busse und Lastwagen in der Verengung ausweichen müssten. „Die Stelle, an der die Fahrbahn nur 3,75 Meter breit ist, ist am Berg in einer nicht einsehbaren Kurve. Es ist auch nicht zu erkennen, wer Vorfahrt hat“, kritisiert Markus Mönikes. Nicht-Ortsansässige könnten dadurch in eine gefährliche Situation geraten.

Futter-Transporter kommt nicht mehr auf den Hof Nolte

Ein ganz anderes Problem haben Hans-Georg und Sebastian Nolte. Ihre Hofzufahrt liegt mitten im Ort und wird durch die gegenüberliegende Fahrbahnverengung massiv eingeschränkt, erzählen sie. Dadurch braucht Sebastian Nolte nicht nur viel Geduld und Fingerspitzengefühl, wenn er mit seinem Traktor mit Anhänger auf die Straße abbiegen will. Immer wieder muss er dabei rückwärts zurück auf seinen Hof setzen, weil von rechts oder links Fahrzeuge kommen. „Wenn der Gehweg so wie geplant verbreitert wird, komme ich zum Beispiel mit dem Kornanhänger nicht mehr vom Hof“, sagt er.

Und wie er das Problem der Futteranlieferung für die 300 Milchkühe lösen soll, weiß Sebastian Nolte auch nicht. Denn der Lkw mit dem Mineralfutter ist bislang immer rückwärts auf den Hof gefahren. „Das geht durch die Fahrbahnverengung nicht mehr“, erläutert der Landwirt: „Dann muss der Wagen eben an der Straße stehen bleiben, und wir müssen ihn dort entladen.“ Wie dabei der Verkehr weiter fließen soll, weiß er nicht.

Fahrer landwirtschaftlicher Maschinen brauchen in Dörenhagen gute Nerven. Foto: Sonja Möller

Mönikes ist noch aus einem anderen Grund verärgert: „Wir Landwirte sind vor dem Verkehrsversuch nicht gefragt worden, sondern einfach vor vollendete Tatsachen gestellt worden.“ Von einem auf den anderen Tag seien die Begrenzungselemente aufgestellt worden.

Bezweifelt wird auch die Aussagekraft: „Die Erkenntnisse sind nicht aussagekräftig. Seit den Einschränkungen durch Corona fahren hier nur noch halb so viele Fahrzeuge täglich durch“, berichtet Andreas Rebbe: „Unser Ziel ist es, einen sicheren, reibungslosen Verkehrsfluss auf der Hauptstraße zu gewährleisten.“

Landwirte halten Straßenverengung für äußerst gefährlich

Diesen Status Quo sehen die Landwirte gefährdet. Vor allem die Verengung im Kurvenbereich am Ortseingang halten sie für extrem gefährlich. Zum einen würden landwirtschaftliche Fahrzeuge oft in Größe und Geschwindigkeit unterschätzt. Zum anderen kämen die Maschinen bei normaler Fahrbahnbreite schon kaum aneinander vorbei. Durch die Verengung müssten Verkehrsteilnehmer viel öfter anhalten und wieder anfahren. „Das bedeutet für die Anwohner erheblichen Lärm und Abgase. Wo ist da der Umweltschutzgedanke?“, fragen sich die Landwirte. Ihr Vorschlag: Statt die Fahrbahn zu verengen, sollte die Höchstgeschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer festgesetzt werden.

„Der weitaus größte Teil der Dörenhagener sieht es so“

Nicht nur die Landwirte beobachten die Pläne des Kreises mit Sorge. „Der weitaus größte Teil der Dörenhagener sieht es so“, betont Ortsvorsteher Heinrich Rebbe. Viele Anwohner fürchten um Sicherheit und Lebensqualität. Ursula und Rudolf Widmer leben in dem Eckhaus in der Kurve: „Durch die Verengung kommen die Autos und Lastwagen direkt auf unseren Eingang zugefahren, weil sie ausscheren müssen. Da bekommt man richtig Panik“, beschreibt Ursula Widmer. Ihr Mann Rudolf hat Bilder gemacht, wie die Begrenzungselemente sogar bis an ihr Haus herangeschoben worden sind: „Da ist bestimmt jemand von der gegenüberliegenden Fahrbahn beim Ausscheren reingefahren.“ Unternehmer Johannes Niggemeier schildert „völlig chaotische Zustände“ vor der Einfahrt seiner Maschinenbaufirma: „Seit der Versuch läuft, stehen ständig Lastwagen und Autos vor meiner Einfahrt. Mit unseren Maschinen kommen wir nicht mehr auf den Hof. Das geht doch nicht! Wir wurden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Norbert und Christel Geisen sind ebenfalls direkte Anwohner. „Was ist denn im Winter, wenn die Fahrbahn vereist ist? Dann müssen die Lastwagen auf glatter Straße am Berg anfahren. Das ist doch extrem gefährlich“, äußert Norbert Geisen seine Sorge. Er und seine Frau nehmen derzeit ein großes Verkehrschaos direkt vor ihrer Haustür wahr: „Es ist ein extremer Krach, weil ständig Fahrzeuge anhalten und warten. Und der Motor läuft ja weiter. Wir reden von Feinstaub und Emissionen. Das wird doch dadurch erst recht provoziert.“

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