Bauarbeiten an der B68-Kreuzung haben begonnen
Geteilte Meinungen über Ampellösung

Borchen-Dörenhagen (WV). Auf der B68 kurz hinter der Kreuzung Dahl und Dörenhagen ist es im April 2019 zu einem folgenschweren Unfall gekommen, infolge dessen eine 42-jährige Mutter gestorben ist . Damals hatte eine überörtliche Unfallkommission entschieden, die Kreuzung mit einer mobilen Ampelanlage zu entschärfen, da diese Lösung zeitnah hätte umgesetzt werden können. Am vergangenen Montag haben jetzt die Bauarbeiten für die Installierung einer dauerhaften Ampelanlage begonnen.

Samstag, 20.06.2020, 12:16 Uhr aktualisiert: 20.06.2020, 12:22 Uhr
Die Arbeiten an der B68-Kreuzung zwischen Dahl und Dörenhagen zur Installierung einer dauerhaften Ampelanlage haben am Montag begonnen. Derzeit wird die Rechtsabbiegerspur nach Dahl zurückgebaut, um hier später eine Fußgängerquerung zu ermöglichen. Foto: Sonja Möller
Die Arbeiten an der B68-Kreuzung zwischen Dahl und Dörenhagen zur Installierung einer dauerhaften Ampelanlage haben am Montag begonnen. Derzeit wird die Rechtsabbiegerspur nach Dahl zurückgebaut, um hier später eine Fußgängerquerung zu ermöglichen. Foto: Sonja Möller

Dass seit dem tödlichen Unfall mehr als ein Jahr vergangen ist, bevor Straßen NRW mit der Umsetzung begann, lag an der Erstellung eines Verkehrsgutachtens, dass die Leistungsfähigkeit einer Ampel und eines Kreisverkehrs in Abhängigkeit der prognostizierten Verkehrsbelastung verglich. Die anliegenden Kommunen wie die Gemeinde Borchen hatten sich wie berichtet für einen Kreisverkehr ausgesprochen.

Kontaktschleifen auf der Fahrbahn

Das Ergebnis der Knotenpunkt- und Signalanlagenzählung ließ nach Angaben von Straßen NRW nur eine Ampelanlage als dauerhafte Lösung zu. „Ein Kreisverkehr stößt an Leistungsgrenzen. Mit einer Ampelanlage können wir auf die unterschiedliche Belastung reagieren“, erläutert Oscar Santos von Straßen NRW auf Anfrage. Eine Ampel könne verkehrsabhängig geschaltet werden. Auch Spitzenzeiten könnten so programmiert werden, dass der Verkehrsfluss gegeben sei.

„Die Grünphasen schalten Kontaktschleifen auf der Fahrbahn“, sagt Santos. Die Schaltung könne zudem noch angepasst werden: „Wenn wir aufgrund von Rückmeldungen von Verkehrsteilnehmern feststellen, dass es irgendwo hakt, passen wir das an“, sagt Santos. Neben der Leistungsgrenze hätten die höheren Baukosten auch aufgrund von Grunderwerb und die längere Bauzeit gegen einen Kreisverkehr gesprochen.

Ortsvorsteher ist überrascht

Bei den Dörenhagenern stieß die dauerhafte Ampelanlage auf geteilte Reaktionen: „Wir sind überglücklich, dass endlich etwas an der Kreuzung passiert und die Gefahrensituation entschärft wird“, schildert Dörenhagens Ortsvorsteher Heinrich Rebbe, betont aber auch: „Es wäre schön gewesen, wenn jemand mit uns geredet hätte und wir nicht vor voll­endete Tatsachen gestellt worden wären“, sagt Heinrich Rebbe, Ortsvorsteher von Dörenhagen.

Überrascht seien sie zudem davon, dass Straßen NRW jetzt eine dauerhafte Ampelanlage baue. „Für uns ist das eine kleine Enttäuschung. Wir hätten uns einen Kreisverkehr gewünscht, damit wir uns besser in den Verkehr einfädeln können. Oder zumindest erstmal eine provisorische Ampel, um herauszufinden, ob das funktioniert“, erläutert Rebbe. Es seien im Kreis Paderborn so viele Kreisverkehre gebaut worden, bei denen der Verkehr ja auch fließe. „Ich kennen keinen Kreisel, wo das anders ist“, sagt Rebbe.

Gemeinde ist enttäuscht

Auch Borchens Bürgermeister Reiner Allerdissen hätte sich einen Kreisverkehr gewünscht: „Ich bin kein Verkehrsingenieur, aber meiner Meinung nach verhindert eine Ampel nicht die gefährliche Abbiegesituation auf Höhe der ehemaligen Tankstelle. Ein Kreisverkehr nimmt Geschwindigkeit raus“, schildert Allerdissen seine Bedenken. Wenn aus Richtung Paderborn jemand auf die grüne Ampel zufahre, gebe er doch erst recht Gas, um die Grünphase noch auszunutzen: „Bei einem Kreisverkehr muss ich die Aufmerksamkeit auf den Kreisel lenken und fahre danach so langsam, dass ein Auffahrunfall nicht passieren würde“, sagt Allerdissen. Auch das Argument eines Rückstaus überzeuge ihn nicht: „Bei einer roten Ampel bildet sich doch auch ein Rückstau.“

Rechtsabbiegerspur wird zurückgebaut

Reiner Allerdissens Befürchtung, eine Ampel könne noch zusätzlich zur Verschärfung der potenziell gefährlichen Stelle beitragen, teilt der Landesbetrieb nicht. „Auf dem Gelände der ehemaligen Tankstelle haben diejenigen gewendet, die bei hoher Verkehrsdichte auf der B68 von Dörenhagen kommend nicht links abbiegen konnten. Diese Situation gibt es durch die Ampel nicht mehr. Bei Grün können Fahrer demnächst ohne Umwege abbiegen“, erläutert Christoph Heinemann von Straßen NRW auf Anfrage. „Im gesamten Kreuzungsbereich gelte zudem die Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern. „Das ist Vorgabe bei einer Ampelanlage auf Bundesstraßen“, sagt Santos.

Für eine provisorische Ampelanlage hätten mobile Masten aufgestellt und eine Verkabelung über der Straße verlegt werden müssen. Santos: „Das war uns zu riskant auf einer Bundesstraße.“ Trotzdem sei eine fest installierte Ampel kein Hindernis, sollte die Kreuzung doch nochmal anders geplant werden.

Aktuell finden Tiefbauarbeiten statt. Die Rechtsabbiegerspur in Richtung Dahl wird zurückgebaut. „Bis Mitte Juli sollten die Tiefbauarbeiten abgeschlossen sein, so dass die Ampelmasten aufgestellt werden können. Dies dauert weitere zehn Tage“, schildert Oscar Santos den geplanten Ablauf der Bauarbeiten.

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