Stephanus-Chor Borchen widmet sich neuem Projekt
Glockenspiel statt Chorprobe

Borchen (WB). Eigentlich wollte sich der 40-köpfige Stephanus-Chor Borchen bei einem Chorwochenende im April noch mal geballt auf das Sommerkonzert vorbereiten, das für den 21. Juni geplant war. Doch dann kam Corona und machte einen Strich durch die Rechnung. „Am 14. März gab es eine Anordnung der evangelischen Kirche, dass nicht mehr geprobt werden darf“, erzählt Chorleiterin Karin Spieker. Die Pandemie bremste die Sängerinnen und Sänger von jetzt auf gleich aus: Neben den Proben wurde auch das gemeinsame Wochenende und das Konzert abgesagt.

Samstag, 11.07.2020, 08:00 Uhr
Statt ihre Singstimme zu schulen, lernen die Sänger des Stephanus-Chores, Lieder mit Glocken zu spielen. Bei dem spontanen Projekt machen mit (von links): Gisbert Baurichter, Sonja Heine, Barbara Bechtel (hinten), Manuela Sarpe (vorne), Lena Wolke-Krahn, Stephanie Baurichter, Monika Rieck-Liebing, Olaf Scott Michael Wahl und Silke Kleber. Auf dem Foto fehlt Kirsten Peters. Foto: Michael Spieker
Statt ihre Singstimme zu schulen, lernen die Sänger des Stephanus-Chores, Lieder mit Glocken zu spielen. Bei dem spontanen Projekt machen mit (von links): Gisbert Baurichter, Sonja Heine, Barbara Bechtel (hinten), Manuela Sarpe (vorne), Lena Wolke-Krahn, Stephanie Baurichter, Monika Rieck-Liebing, Olaf Scott Michael Wahl und Silke Kleber. Auf dem Foto fehlt Kirsten Peters. Foto: Michael Spieker

Dann war erstmal einige Wochen Pause. Karin Spieker informierte sich über andere Möglichkeiten, zusammen zu singen. Doch überzeugen konnte sie keine. „Ich habe mir zum Beispiel eine Probe via Zoom-Videokonferenz angeschaut, aber das fand ich ganz schrecklich“, berichtet die 43-Jährige: „Jeder singt dabei alleine für sich und hört die anderen nicht. Ich als Leiterin könnte alle zusammen hören, aber das schafft die Leitung ja gar nicht. Und dann gibt es teilweise ein Sekunde Versatz. Das hat für mich keinen Sinn gemacht.“

„Ich kenne Glockenmusik aus meiner Zeit in den USA“

Dann kam ihr die Idee eines Glockenchores. „Das war totales Neuland, aber eine Möglichkeit, Musik zu machen ohne Luft“, erzählt die Bürenerin. Blasinstrumente oder Flöten dürften ja nicht gespielt werden. Karin Spieker stellte die Idee „halb im Spaß“ Sabine Sarpe vor. Und die Pfarrerin war sofort Feuer und Flamme: „Die Idee fand ich super! Ich kenne Glockenmusik ja noch aus meiner Zeit in den USA.“ Einziges Problem: Ein Glockenspiel, wie es die professionellen Musiker nutzen, kostest schon mal 6000 Euro. „Wir haben dann einen günstigen Satz angeschafft, der für Einsteiger in Musikschulen gedacht ist“, erzählt Sarpe.

Und was sagten die Sänger zur neuen Musikrichtung? „Ich habe zuerst an bayrische Kuhglocken gedacht“, erzählt Olaf Scott lachend. Er war direkt offen für das Projekt: „Die Musik fehlt mir schon sehr. Wir dürfen ja nicht mal mehr im Gottesdienst singen.“ Elf weitere Sänger waren auch dabei: Aufgeteilt in zwei Gruppen und mit ausreichend Abstand zueinander, wird seit etwa vier Wochen geprobt. Jeder hat vier Glocken vor sich, von denen er in einem Stück zwischen zwei und vier spielt. Und das klappt richtig gut. „Alle haben Spaß und sind sehr experimentierfreudig. Sie sind begeistert, dass wir wieder etwas machen“, sagt Spieker.

Für Olaf Scott steht vor allem eins im Mittelpunkt: „Es tut gut, endlich wieder Freunde wiederzusehen. Es ist schon so lange her und für uns wird es auch noch lange dauern, bis wir als Chor wieder auftreten können“. Umso mehr Spaß haben er und die anderen an der neuen Art, Musik zu machen. Und Olaf Scott nimmt sogar noch etwas mit: „Für mich persönlich ist es gut, weil ich zu denen gehöre, die keine Noten lesen können. Jetzt bin ich dazu gezwungen, es zu lernen.“

„Alle achten darauf, dass keiner unbewusst mitsingt“

Aber Hand aufs Herz: Kommt man als passionierter Sänger nicht in Versuchung, doch mal mitzusingen oder zumindest zu summen? „Das war meine größte Sorge, dass wir unweigerlich singen“, gibt Karin Spieker offen zu: „Aber das klappt wunderbar. Und alle achten darauf, dass keiner unbewusst mitsingt.“

Wer hören möchte, wie der Glockenchor klingt, hat dazu an diesem Sonntag von 10.30 Uhr an die Möglichkeit: Eine der beiden Gruppen gestaltet den Gottesdienst in der Stephanuskirche Borchen unter anderem mit dem Lied „We shall overcome“ mit. Auch an ihr neues Stück „The Rose“ wollen sie sich wagen.

Ob der Glockenchor auch über Corona hinaus Bestand hat, steht noch nicht fest: „Wir überlegen, dies langfristig zu machen, weil es allen so viel Spaß macht“, sagt Pfarrerin Sarpe: „Aber dann bräuchten wir ein professionelles, teures Glockenspiel.“

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