Frischeküche Dörenhagen: Bürgermeister bezieht Stellung zur Kritik des Fördervereins
„Aufforderung war völlig inakzeptabel“

Borchen/Dörenhagen (WB). Viele Eltern in Dörenhagen fragen sich, wann es denn nun endlich mit dem Bau des neuen Erweiterungsgebäudes der Grundschule Dörenhagen losgeht. Bislang ist das noch völlig offen. Der Platz für zwei zusätzliche Kita-Gruppen und die Betreuung der Grundschüler wird dringend gebraucht. Um aber überhaupt den Architektenwettbewerb starten zu können, muss der Entwurf noch einmal überarbeitet werden, da der Rat beschlossen hat, eine größere Küche einzuplanen und das Ziel einer Frische-/Mischküche zu verfolgen.

Samstag, 18.07.2020, 13:07 Uhr aktualisiert: 18.07.2020, 13:10 Uhr
Die Montessorischule Dörenhagen soll einen Schulerweiterungsbau bekommen, in dem unter anderem die Betreuung, eine Küche und eine Mensa Platz finden sollen. Foto: Sonja Möller
Die Montessorischule Dörenhagen soll einen Schulerweiterungsbau bekommen, in dem unter anderem die Betreuung, eine Küche und eine Mensa Platz finden sollen. Foto: Sonja Möller

Der Rat der Gemeinde Borchen hatte wie berichtet Bürgermeister Reiner Allerdissen damit beauftragt, Gespräche mit dem Mensa-Verein zur Realisierung einer Frische-/Mischküche aufzunehmen.

Der Förderverein der Montessorischule Dörenhagen hatte jüngst kritisiert, dass die Umsetzung dieses Vorhabens vom Bürgermeister torpediert werde, indem er beispielsweise Mitarbeitern die Teilnahme an Planungsgesprächen untersage und zusätzliche Kosten durch eine Satzungsänderung auf den Verein umlegen wolle.

Gegen diese Vorwürfe wehrt sich jetzt Reiner Allerdissen in einer schriftlichen Stellungnahme: „Zu keinem Zeitpunkt war die Rede davon, dass die Personalkosten für die Ausgabe der Mahlzeiten in Kindergarten und Grundschule in die Preise für das Essen einfließen. Im Gegenteil: Im ersten Treffen mit dem Mensa-Verein habe ich Wert auf den Hinweis gelegt, dass diese Kosten derzeit und auch zukünftig durch die Gemeinde getragen werden.“

„Ich war über diese Aussage mehr als verwundert“

Bei der Fraktionssitzung der CDU am 22. Juni sei ihm entgegengehalten worden, dass die Mehrkosten für den Bau der Frischeküche nicht in den Essenspreis einkalkuliert werden dürften, weil auch andere Betriebe Investitionen in Betriebsräume nicht in die Preiskalkulation einbezögen. Allerdissen: „Ich war über diese Aussage mehr als verwundert und habe darauf bestanden, dass natürlich alle Caterer alle Investitionen in die Kalkulation mitaufnehmen müssen. Alles andere führt unweigerlich in die sichere Pleite.“ Das betreffe auch den Betrieb, der derzeit die Kita in Dörenhagen beliefere.

Allerdissen habe in der Sitzung auch deutlich gemacht, dass eine solche Belastung des Mensa-Vereins problemlos vermieden werden könne. Hierfür müsse der Rat einen Beschluss fassen, dass die Mehrkosten, die für die Frischeküche in Dörenhagen anfielen, durch den gemeindlichen Haushalt getragen werden.

„Ich muss eine solche Entscheidung des Rates aber für sehr unwahrscheinlich halten“, betont Allerdissen. In der bisherigen Diskussion sei eine solche Entscheidung immer ausgeschlossen worden. Zum anderen sei die angeblich kritische Situation des Haushaltes der Gemeinde Borchen immer wieder Gegenstand von sehr schwierigen Entscheidungen gewesen. Hier führt er faktische Haushaltssperren aufgrund des nicht beschlossenen Haushaltes oder Sperrvermerke mit erheblichen Verzögerungen in der Umsetzung von wichtigen Bauprojekten an. Beispiel sei der Neubau der Betreuung in Nordborchen.

Zum angeblichen Verbot des Bürgermeisters an seine Mitarbeiter, mit dem Mensa-Verein zu sprechen, stellt Reiner Allerdissen klar: „Ich habe immer und immer wieder aufgrund leidiger Erfahrungen den Rat darauf hingewiesen, dass Anfragen an den Bürgermeister als Leiter der Verwaltung zu richten sind. Dies ist nicht nur bei Behörden, sondern bei jedem Unternehmen eine absolute Selbstverständlichkeit.“

„Völlig inakzeptabel“

Als „völlig inakzeptabel“ beschreibt Allerdissen deswegen die Aufforderung an seine Mitarbeiterin, an einer solchen Sitzung teilzunehmen, ohne dass er als Verwaltungsleiter hierüber überhaupt informiert worden sei: „Übrigens auch und insbesondere aus der Sicht meiner Mitarbeiter, die darauf vertrauen, dass ich meiner Fürsorgepflicht ihnen gegenüber nachkomme.“

Der Bürgermeister verweist darauf, dass der Rat ihn beauftragt habe, Gespräche mit dem Mensaverein zu führen: „Es ist sicherlich nicht sinnvoll, wenn zu weiteren Gesprächsrunden zu diesem Thema eingeladen wird.“

Der Rat habe am 19. Dezember 2019 zunächst beschlossen, dass eine Regenerationsküche im neuen Betreuungsgebäude in Dörenhagen gebaut werden soll, woraufhin ein entsprechender Planungsentwurf erstellt wurde. Allerdissen: „Dieser Beschluss wurde in der Ratssitzung vom 14. Mai dieses Jahres aufgehoben, weil insbesondere die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen einen Meinungswechsel vollzogen hat.“

Die nun neu zu erstellenden Planungen führe das Planungsbüro Drees & Huesmann durch. „Ausschließlich diese Tatsache ist dafür verantwortlich, dass es bei der Umsetzung des Bauvorhabens zu erheblichen Zeitverzögerungen kommt. Schließlich muss das Planungsbüro völlig neue Entwürfe vor dem Hintergrund der neuen Entscheidungslage anfertigen“, betont Reiner Allerdissen.

„Habe Gespräche mit dem Mensa-Verein aufgenommen“

Gleichzeitig sei in dieser Ratssitzung beschlossen worden, dass die Gemeinde Borchen Gespräche führen soll mit dem Ziel, eine Frische-/Mischküche einzurichten. Allerdissen: „Selbstverständlich habe ich hierzu unverzüglich Gespräche mit dem Mensa-Verein aufgenommen.“

Eine erste Gesprächsrunde fand demnach am 30. Juni im Rathaus statt. Hierbei habe sich herausgestellt, dass seitens des Mensa-Vereins noch umfangreiche Sachverhaltsermittlungen durchgeführt werden müssten, schildert der Bürgermeister den Ablauf aus seiner Sicht. Ein weiterer Gesprächstermin habe am vergangenen Donnerstag stattgefunden. Allerdissen: „Dies belegt, dass von meiner Seite auf höchstmöglichstes Tempo bei der Umsetzung des Projektes geachtet wird.“

FWB und FDP: „Frischeküche schnell planen“

FWB und FDP Borchen rufen gemeinsam zur schnellen Planung der Frischeküche im Schulerweiterungsgebäude Dörenhagen auf. „Durch den späten Beginn der Planungen in der Verwaltung und die ursprüngliche Ablehnung der Frischeküche durch die Grünen ist bereits im Vorfeld viel Zeit verloren gegangen“, betonen Carsten Koch (FWB) und Dr. Marcel Welsing (FDP).

Umso positiver sehen sie die Einigung im Rat und die Aufnahme der Frischeküche auf Initiative von FWB und FDP. Eine Planung sei jetzt möglich. „Umso mehr überrascht nun das Bild, das durch den Maulkorb des Bürgermeisters für seine Mitarbeiter und durch den Eindruck immer neu geschaffener Anforderungen an den Förderverein entsteht“, heißt es weiter. Das Planungsziel sei klar definiert und ermögliche ein schnelles Handeln: „Wir gehen davon aus, dass sowohl der Architektenwettbewerb vorbereitet wird, als auch der Bürgermeister den Ratsbeschluss umsetzt“, so Welsing. Das an die Fraktionen weitergeleitete Schreiben der Kita sei hilfreich, aber auch überraschend, da die Einrichtung immer in die Planungen zur frischen Küche eingebunden gewesen sei.

„Da das Schreiben weder persönlich unterschrieben ist, noch einen namentlichen Verfasser enthält, gibt es Raum zur Spekulation, unter welchen Bedingungen es entstanden sein könnte“, sagt Koch. FWB und FDP bekräftigen, dass sie das Engagement für eine Frischeküche weiter unterstützen.

 

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