Ettelner Landwirt ärgern hohe Hürden – Genussregion OWL sieht die Krise als Chance
„Es wird einem so schwer gemacht“

Borchen/Hövelhof (WB). Krisen bieten die Chance zum Umdenken. Davon ist auch der Verein Genussregion OWL überzeugt, der regionalen Produkten und Herstellern eine Plattform bieten möchte. Derzeit boomt die Nachfrage nach regionalen Erzeugnissen. Solidarische Landwirtschaften (Solawis) haben Hochkonjunktur und kleinere Vor-Ort-Länden begrüßen neue Kunden, konnten ihren Lieferservice steigern oder profitieren vom Online-Handel.

Dienstag, 04.08.2020, 11:58 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 14:12 Uhr
Johannes Lohmann liebt seinen Beruf und seine Tiere. Der Landwirt betreibt den Krusenhof in Etteln, eine solidarische Landwirtschaft mit zertifiziertem Bio-Fleisch. Das Bild zeigt ihn mit einem seiner Hühner, die auf der Wiese laufen. Foto:
Johannes Lohmann liebt seinen Beruf und seine Tiere. Der Landwirt betreibt den Krusenhof in Etteln, eine solidarische Landwirtschaft mit zertifiziertem Bio-Fleisch. Das Bild zeigt ihn mit einem seiner Hühner, die auf der Wiese laufen.

Doch einen Online-Shop aufzubauen, um eigene Produkte zu vermarkten, ist gar nicht so einfach, erzählt Johannes Lohmann. Der Landwirt betreibt den Krusenhof in Borchen-Etteln und engagiert sich im Vorstand der Genussregion OWL.

„Hochwertiges Fleisch aus artgerechter Haltung“

Der Krusenhof ist eine der ersten Solidarischen Landwirtschaften für Bio-Geflügel und -Lammfleisch in Deutschland. „Ich wünsche mir, dass sich die Menschen bewusst machen, dass es gesünder ist und gut für das Wohl der Tiere, wenn sie weniger Fleisch essen, dann aber hochwertiges aus artgerechter Haltung“, sagt Johannes Lohmann.

Der Landwirt bietet als einer der ersten in seiner Solawi zertifiziertes Biofleisch an, darunter Perlhühner, Hähnchen, Schwanengänse und Lämmer. „Wegen der Corona-Krise hatte ich überlegt, einen Online-Shop aufzubauen. Aber es gibt schlicht zu viele Hürden“, erzählt der 58-Jährige auf Anfrage: „Allein, damit die Texte für den Shop rechtssicher formuliert sind und ich nicht wegen falscher Begrifflichkeit abgemahnt werden kann, musste ich einen Anwalt zurate ziehen.“ 1000 Euro habe ihn dies gekostet.

Und damit nicht genug. Derzeit sucht er sich die Nährwertangaben seiner Tiere zusammen. „Es gibt ein Programm, dass mir diese schnell ausrechnen würde, aber das kostet 9000 Euro“, sagt die Landwirt kopfschüttelnd.

„Es wird einem so schwer gemacht“

Aufgeben will der Ettelner trotzdem noch nicht. Sein Onlineshop komme, aber es dauere eben länger. „Es wird einem so schwer gemacht. Das ist ein Riesenaufwand. Ich würde mir hier Unterstützung von der Landwirtschaftskammer wünschen“, betont Johannes Lohmann.

Das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft bezeichnet eine Organisationsform in der Landwirtschaft, bei der eine Gruppe von Verbrauchern auf lokaler Ebene mit Partner-Landwirten kooperiert. Auf Grundlage geschätzter Jahreskosten der landwirtschaftlichen Erzeugung verpflichtet sich diese Gruppe, jährlich im Voraus einen festgesetzten Betrag an den Solawi-Betrieb zu zahlen. Mitglieder erhalten dafür die gesamte Ernte. Ziel ist es, regionale Erzeuger zu stärken und beiden Seiten Sicherheit zu geben.

„Unsere Lager sind gut gefüllt“

Ebenfalls in der Genussregion OWL vertreten ist Carsten Fest. Er ist der Geschäftsführer von „Senne Products“ in Hövelhof. Eine Marke seines Unternehmens ist „MAD OWL“, die sich auf das Upcycling nachhaltiger Produkte spezialisiert hat. Hierzu gehört zum Beispiel die Herstellung stylischer Taschen aus gebrauchten Messeteppichen. „Dass Messen nicht mehr stattfanden, war das kleinste Problem, denn unsere Lager sind gut gefüllt“, weiß der Chef von 90 Mitarbeitern zu berichten.

Anders sieht es mit der Nachfrage aus. Die sei durch die Corona-Pandemie von heute auf morgen bis zu 90 Prozent gesunken. Die Umstellung auf die Produktion von helfenden Hygieneartikel brachte zudem viele Diskussionen mit sich. Wegen der laufenden Kosten konnte und wollte Carsten Fest diesen Behelfs-Mund-Nasen-Schutz nicht zum Dumpingpreis verkaufen.

„Wirtschaftssystem reformieren“

„Eigentlich sollten wir die Chance nutzen und das rein auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaftssystem reformieren“, meint Fest. Ihn ärgere, dass mittelständische Unternehmen nicht ausreichend von den Soforthilfemaßnahmen profitierten, große Unternehmen aber schon: „Gerade die, die sich oft unsozial verhalten und schnell mit Kündigungen drohen.“

Der Geschäftsführer von „Senne Products“ plädiert dafür, dass Steuern dort erhoben werden, wo Umsätze gemacht werden statt in Steueroasen. Ein Dorn im Auge ist für ihn zudem das Verpackungsgesetz, das vorschreibt, dass auf jedem Artikel genau stehen muss, woher er kommt. Gerade bei Produkten die über Wiederverkäufer vertrieben werden, führe dies oft zu Konfliktgesprächen, da Wissen und Einsicht fehlten, sagt Fest.

Die Genussregion OWL will kleine und mittelständische Betriebe unterstützen und fordert von der Politik, Hürden abzubauen und Unterstützung mit Augenmaß anzubieten, um diese zu fördern.

www.genussregion-owl.de

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