Uwe Gockel (parteilos) tritt gegen Amtsinhaber Reiner Allerdissen (SPD) an
Duell ums Borchener Rathaus

Borchen (WB). Der eine will das Rathaus der Gemeinde Borchen verteidigen, der andere will es erobern: Uwe Gockel (parteilos) fordert Amtsinhaber Reiner Allerdissen (SPD) heraus. Im Vorfeld hat WV-Redakteur Per Lütje die beiden Bürgermeisterkandidaten zu ihren Zielen befragt.

Donnerstag, 03.09.2020, 12:05 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 12:08 Uhr
Uwe Gockel (links) ist parteilos und wird von CDU, Grünen, FDP und der Freien Wählergemeinschaft Borchen unterstützt. Reiner Allerdissen (SPD) strebt seine dritte Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Borchen an. Foto:
Uwe Gockel (links) ist parteilos und wird von CDU, Grünen, FDP und der Freien Wählergemeinschaft Borchen unterstützt. Reiner Allerdissen (SPD) strebt seine dritte Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Borchen an.

Was läuft in der Gemeinde Borchen gut?

Reiner Allerdissen: Insbesondere das Ehrenamt, seien es die Vereine, die Kirchen, die vielen sonstigen Ehrenamtlichen tragen entscheidend zur Lebensqualität der Gemeinde Borchen bei. Dies auch in der Corona-Krise, in der wir uns regelmäßig mit dem Ehrenamt ausgetauscht haben. Die Jugendsozialarbeit steht auf sehr kompetenten Füßen und ist gut vernetzt. So haben wir mit den Vereinen, den Pfadfindern, aber auch dem Haus der Offenen Tür der Stefanusgemeinde kompetente Akteure auf diesem Gebiet. Die Gemeinde Borchen hat zum Beispiel eine Skateranlage errichtet, die von den Sozialarbeitern des HOT regelmäßig im Rahmen der aufsuchenden Jugendsozialarbeit angelaufen wird. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde Borchen sind hoch engagiert und genießen deshalb einen hervorragenden Ruf bei den Menschen. So konnten wir auch in der Corona-Krise die Bürgerberatung geöffnet halten. Borchen hat eine vergleichsweise gute Finanzsituation. Dies erhält auch für die Zukunft die Gestaltungsmöglichkeiten.

Uwe Gockel: Das Ehrenamt ist die Stütze unserer Gesellschaft hier in Borchen. Ich bin als Borchener stolz auf die vielen Vereine, die Feuerwehren und sonstigen gemeinnützigen Gruppierungen und auf die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und von denen unzählige Aktivitäten zum Wohle der Bürgerschaft ausgehen. Gerade die Corona-Krise zeigt eine hohe Solidarität, Hilfsbereitschaft und ein starkes Miteinander. Die Infrastruktur und die Rahmenbedingungen für die ehrenamtlichen Aktivitäten sind gut. Borchen verfügt über eine umfangreiche und vielfältige Gewerbestruktur. Jedes Unternehmen, jeder Betrieb, der Einzelhandel und die landwirtschaftlichen Betriebe tragen ihren Teil zum gesellschaftlichen Miteinander bei. Sie sind das wirtschaftliche Rückgrat Borchens und sorgen für unseren Wohlstand. Die Gewerbebetriebe sind stark mit der Vereinswelt, den Initiativen und den Menschen vernetzt und bringen sich sehr für das Wohl der Borchener ein, sei es unter anderem in der Flüchtlingshilfe oder im Sport.

Wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf?

Allerdissen: Die Verkehrssituation in Nord- und Kirchborchen an der Paderborner Straße muss dringend entspannt werden. Hierfür ist die geplante Entlastungsstraße im Osten von Nordborchen dringend erforderlich. Der SC Borchen mit seinen inzwischen 2000 Mitgliedern benötigt dringend ein neues und größeres Trainingsgelände. Dies ist im Kirchborchener Westen geplant. Durch die drohende Kürzung einer Sozialarbeiterstelle im Haus der Offenen Tür drohen erhebliche Einbußen bei der seit vielen Jahren so erfolgreichen und für Borchen unerlässlichen Jugendarbeit. Dies muss in jedem Fall verhindert werden.

Gockel: In der Kommunikation und im politischen Miteinander. Die Borchener Bürgerinnen und Bürger brauchen keine politischen Zerreißproben mehr, sondern einen konstruktiven, sachbezogenen Austausch. Es muss Schluss sein mit dem politischen Kleinkrieg, bei dem Kompromissbereitschaft Fehlanzeige ist. Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit müssen wieder das Tun bestimmen. Nur so ist verloren gegangenes Vertrauen in die Lokalpolitik wiederherzustellen. Nach den Rückmeldungen aus den Gesprächen mit der Bürgerschaft halte ich die Erstellung und Umsetzung eines Verkehrskonzeptes welches den Fuß-, Rad- und Individualverkehr sowie den ÖPNV berücksichtigt, für sehr wichtig und dringend. Zudem sind Straßen und Wege anzulegen und die vorhandene Infrastruktur muss instandgesetzt, gepflegt, gereinigt und teilweise saniert werden.

Wie stehen Sie zum (weiteren) Ausbau der Windkraft auf dem Gebiet der Gemeinde Borchen?

Allerdissen: Borchen hat in außergewöhnlichem Maß zum Ausbau der für die Energiewende unbedingt erforderlichen Windkraftanlagen beigetragen. Borchen produziert mehr als das Doppelte des eigenen Strombedarfs aus regenerativen Energien. Darauf ist Borchen stolz. Dies bringt aber auch erhebliche Belastungen mit sich. Die Menschen fordern, dass diese Lasten gerecht verteilt werden müssen. Andere Regionen müssen an diesem Ausbau nun auch angemessen beteiligt werden.

Gockel: Borchen trägt mit seiner Wind- und Solarenergie bereits einen sehr positiven Anteil zum regenerativen Strom bei. Die Privilegierung der Windenergie ist vorgegeben und wird von den Gerichten konsequent umgesetzt. Die bisherige, starr ablehnende Haltung gegenüber der Windkraft führte für Borchen zu sehr hohen Kosten sowie fehlender Akzeptanz und verfehlte das angestrebte Ziel klar. Vorrangig ist jetzt eine schlüssige Planung (FNP), die sowohl die Interessen der Borchener, als auch die des Klima- und Artenschutzes angemessen berücksichtigt. Zudem gilt es die Erträge der Energieproduktion – deren Wertschöpfung – dann auch für Borchen zu nutzen, Bürger zu beteiligen und von anderen Kommunen zu lernen. Bei allen Vorhaben der Gemeindeentwicklung sollten stets die Auswirkungen auf nachhaltigen Klima- und Naturschutz berücksichtigt werden.

Wie gut oder schlecht sehen Sie die fünf Ortsteile in Sachen Kitas und Schulen aufgestellt?

Allerdissen: Junge Familien können sich in allen Ortsteilen auf eine hervorragende Betreuung in Kindergärten und Schulen verlassen. Borchen ist stolz darauf, dass jedes Kind, im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen, seinen Platz im Kindergarten oder der Schulbetreuung bekommt. Um den unterschiedlichen Anforderungen an die Betreuung in den Grundschulen gerecht werden zu können, bietet die Gemeinde Borchen eine Vielzahl verschiedener Betreuungsmodelle an. Borchen investiert weiter in die Kitas und in Schulbetreuung. In Nordborchen und Dörenhagen werden neue Betreuungs- und Kindergartengebäude errichtet. Mit der Entwicklung der Altenauschule als Verbundschule zu einer Sekundarschule haben wir die Zukunft der Schule an der Altenau gesichert. Wir haben in die naturwissenschaftlichen Räume erhebliche Mittel investiert, aber auch zum Beispiel in eine neue Schulküche. Aktuell machen wir die Schulen fit für die digitale Zukunft. Die Verkabelung der Schule an der Altenau ist in vollem Gang. Mit den Schulen finden Gespräche zur Ausstattung von Lehrerinnen und Lehrern mit Endgeräten statt. Auch Schülerinnen und Schüler, die einen entsprechenden Bedarf haben, sollen mit Endgeräten ausgestattet werden. Dies alles gilt auch für die Grundschulen in Borchen.

Gockel: Borchen ist von der Anzahl der Schulen und Kitas in allen Ortsteilen grundsätzlich gut aufgestellt. Das Angebot der U3-Betreuung sollte gerade in Dörenhagen und Etteln ausgebaut werden, um den Familien ortsnahe Betreuungsmöglichkeiten zu geben. Zudem besteht Bedarf, die Randzeiten- und Ferienbetreuung zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf auszubauen. Es bedarf einer Vernetzung aller Akteure im Bereich der Kinderbetreuung. Wichtig ist die digitale Ausstattung der Schulen für einen modernen Schulalltag und einen individuellen Unterricht. Kurze Produktionswege und Lieferketten und das Angebot regionaler und frischer Verpflegung an den Schulen und Kitas sind zukunftsweisend. Der Sanierungsstau der Sanitäranlagen an Schulen ist rasch zu beseitigen. Substanzerhaltende Maßnahmen sind durchzuführen. Priorität hat die Erstellung eines Schulentwicklungsplans zur Profilschärfung und der Erhalt der Grundschulen und Kitas in den Ortsteilen.

Wohnraum ist begehrt und knapp. Was gedenken Sie zu tun, um weiteren Wohnraum zu schaffen?

Allerdissen: Nachdem in den letzten Jahren erhebliche Flächen für die Wohnbebauung in allen Borchener Ortsteilen ausgewiesen wurden, die auch auf riesiges Interesse gestoßen sind, werden wir weitere Flächen hierfür zur Verfügung stellen müssen, um der großen Nachfrage gerecht werden zu können. Zu diesem Zweck haben wir Gespräche mit der Bezirksregierung im Rahmen der Regionalplanung geführt. Von dort wurde uns konkrete Unterstützung bei der Entwicklung weiterer Flächen zugesagt. Borchen entwickelt diese Flächen in eigener Regie, um die Grundstücke für junge Familien erschwinglich anbieten zu können. Das muss unbedingt erhalten werden, auch wenn der Erwerb neuer Flächen immer schwieriger wird.

Gockel: Zur Sicherung der Infrastruktur auch in unseren kleineren Ortsteilen ist ein moderates Wachstum wichtig. Ich setze mich für die Ausweisung weiterer attraktiver und bezahlbarer Bauplätze, vor allem in Kirchborchen, Alfen, Dörenhagen und Etteln ein. Die Bebauungspläne sollten öko-logische Gesichtspunkte berück-sichtigen und klimafreundliche Maßnahmen fördern. Auch der Erwerb von Bestandsimmobilien muss gefördert werden. Zur Stärkung unserer Ortskerne setze ich mich für die Umnutzung freigewordener Gebäude und die Schließung von Baulücken ein.

Die Wirtschaft leidet derzeit enorm unter der Corona-Krise. Welche Möglichkeiten sehen Sie, Einzelhandel und Unternehmen in dieser besonderen Zeit zu unterstützen?

Allerdissen: Zunächst stehen in der konkreten Situation die Möglichkeiten von Steuerstundungen und anderen Hilfen zur Verfügung, die auch schon genutzt wurden. Für mich war die sehr breit gefächerte Entwicklung des Borchener Gewerbes immer von allergrößter Bedeutung. So verfügt Borchen über ein sehr heterogenes und mittelständisches Gewerbe. Es zeigt sich aktuell, dass dies in der Krise von großem Vorteil für die Gemeinde Borchen ist. Gerade der Einzelhandel hat mit Blick auf die Internetkonkurrenz aber zusätzlich mit erheblichen strukturellen Problemen zu kämpfen. Die Gemeinde Borchen hat in Kirchborchen eine neue Fläche für den Einzelhandel geschaffen, die absolut konkurrenzfähig zum Internet ist und die hervorragend von den Menschen angenommen wird. Diese Entwicklung gilt es fortzusetzen.

Gockel: Eine funktionierende Wirtschaft ist die Grundvoraussetzung für die Finanzierung der kommunalpolitischen Ziele Borchens. Eine aktive, transparente Wirtschaftsförderung ist deshalb für Borchen immens wichtig, nicht nur in Krisenzeiten. Die Gewerbebetriebe sollten professionelle Unterstützung von der Verwaltung erhalten: Sichten von Förderprogrammen (EU, Bund, Land NRW, Region Ostwestfalen-Lippe, Kreis Paderborn); Information, Beratung und Unterstützung, beispielsweise über Förderprogramme, steuerliche Maßnahmen wie Stundung fälliger Steuern, zum Kurzarbeitergeld, Entschädigungen, Überbrückungsgelder und zu weiteren finanziellen Hilfen; Handlungsempfehlungen für grundlegende, wichtige Schritte; Vernetzung der Unternehmen. Dazu bedarf es einer gut vernetzten Stabsstelle mit Zuständigkeit für die Bereiche kommunale Wirtschaftsförderung, Standortmarketing, interkommunale Zusammenarbeit, Tourismus, Bildung und Kulturförderung.

Wenn Sie Bürgermeister von Borchen bleiben beziehungsweise werden, was wollen Sie bis zum Ende der Legislaturperiode erreicht haben?

Allerdissen: Zunächst sollen viele Dinge so bleiben wie sie sind. Insbesondere die ehrenamtliche Struktur soll genau so vital sein, wie sie sich heute präsentiert. Schulen und Kindergärten sollen weiterhin konsequent dem Bedarf angepasst werden, so dass alle Kinder einen Platz finden. Die Schulen sollen mit flächendeckender digitaler Infrastruktur ausgestattet sein. Lehrerinnen und Lehrer sollen mit digitalen Endgeräten ausgestattet sein. Auch Schülerinnen und Schüler sollen je nach Bedarf digitale Endgeräte für schulische Zwecke besitzen. Das Vereinsgelände des SC Borchen soll im Borchener Westen liegen. Die Paderborner Straße soll ausgebaut sein und das Projekt Entlastungsstraße im Osten von Nordborchen soll konkret sein. Die finanzielle Situation der Gemeinde Borchen ist nach wie vor in Ordnung. Alle Ortsteile haben weitere Grundstücke für die Wohnbebauung. Das Gewerbegebiet ist erweitert und weitere Gewerbebetriebe haben sich angesiedelt.

Gockel: Erstellung und Umsetzung eines Verkehrskonzeptes einschließlich des ÖPNV; Ausweisung weiterer Gewerbeflächen; Förderung eines altersgerechten Wohnangebotes in den Ortsteilen; Artenvielfalt und Naturschutz, Anlegen von insektenfreundlichen Flächen; Flüchtlingsarbeit und Integration stärken; Förderung eines attraktiven Bildungsangebotes.

Abschließend können Sie sich selbst eine Frage stellen, die Ihnen wichtig ist, und diese natürlich auch beantworten.

Allerdissen: Welche richtungsweisenden Entscheidungen stehen für Borchen an? Antwort: Auch aufgrund der Nähe zur Stadt Paderborn müssen in den nächsten Jahren Grundsatzentscheidungen zur städtebaulichen Entwicklung Borchens getroffen werden. Dies schon deshalb, weil Borchen diese Zukunft selbstbestimmt gestalten.

Gockel: Welche Chancen sehen Sie für sich? Antwort: Wer mich kennt, der wird wissen, dass ich eine solche Kandidatur nur angehe, wenn ich auch Chancen sehe, die Wahl zu gewinnen. Gemeinsam mit einem tollen Team durfte ich diesen Wahlkampf äußerst systematisch und zielführend angehen und ich sehe uns auf einem sehr guten Weg. Das bestätigen die vielen positiven Rückmeldungen während der Begegnungstour durch die Ortsteile. Ob es reichen wird, beurteilen letztlich die Bürgerinnen und Bürger. Meine Kandidatur als Borchener parteiunabhängiger Bürgermeisterkandidat ist ein Angebot für einen Neustart in Sachen Haltung, Zusammenhalt und Transparenz. Wenn wir gemeinsam die hohe Bereitschaft und Kompetenz und das starke Engagement zielorientiert einbringen und mutig zusammenstehen, werden wir jede Herausforderung für das Borchener Gemeinwohl meistern. Denn wir sind eine starke Gemeinschaft.

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