Geschotterte Leerrohrtrassen in Nordborchen sind Anwohnern ein Dorn im Auge
Glasfaserausbau sorgt für Ärger

Borchen-Nordborchen (WB). Einige Anwohner des Schlesierwegs und der Schützenstraße in Nordborchen sind stinksauer: „Seit einem halben Jahr ist die Straße hier offen, überall liegen Schottersteine herum und niemand kümmert sich“, macht Jürgen Berhorst seinem Ärger Luft. Der 72-Jährige wohnt am Schlesierweg. Dort habe die Deutsche Glasfaser im März die Straße geöffnet, das Leerrohr verlegt und den Bereich wieder mit Schotter verschlossen. „Das ist jetzt mehr als ein halbes Jahr her. Wie kann es sein, dass hier nicht asphaltiert wird? Zumal niemand in unserer Straße einen Glasfaser-Anschluss haben möchte“, sagt Jürgen Berhorst.

Dienstag, 20.10.2020, 04:18 Uhr aktualisiert: 20.10.2020, 06:44 Uhr
Die Anwohner des Schlesierwegs sind sauer: Vor einem halben Jahr ist die Asphaltdecke aufgerissen und notdürftig verschlossen worden, erzählen (von links) Jürgen Berhorst sowie Ursula und Jörg Hansen. Seitdem verteile sich der Schotter überall. Foto: Oliver Schwabe
Die Anwohner des Schlesierwegs sind sauer: Vor einem halben Jahr ist die Asphaltdecke aufgerissen und notdürftig verschlossen worden, erzählen (von links) Jürgen Berhorst sowie Ursula und Jörg Hansen. Seitdem verteile sich der Schotter überall. Foto: Oliver Schwabe

Seine Nachbarn Jörg (82) und Ursula Hansen (80) machen sich auch mit Blick auf den Winter Sorgen: „Was passiert denn, wenn es regnet? Dann spült das Wasser den losen Schotter weiter bis in den Gulli. Und wo soll dann der Regen hin?“, fragt Jörg Hansen.

„Das ist doch gefährlich!“

Auf der Hälfte der abschüssigen Straße gibt es einen Gulli, dessen Boden bereits mit Schottersteinen bedeckt ist. „Wenn es schneit, sollen wir den Schnee mit den Steinen in unsere Gärten schippen?“, fragt Jürgen Berhorst. Die Gemeinde habe nur mitgeteilt, dass die Deutsche Glasfaser zuständig ist. Doch unter der angegebenen Handynummer sei niemand zu erreichen. „Es kann doch nicht sein, dass anscheinend niemand zuständig ist“, sagt Ursula Hansen.

Auch Frank Kruse, der an der Schützenstraße wohnt, ist sauer. Seit mehreren Wochen führt eine etwa 30 Zentimeter breite Furche quer über die Straße vor seine Einfahrt. „Die Kante zum Asphalt ist teilweise so ausgewaschen, dass man mit dem Fuß leicht darin umknickt. Das ist doch gefährlich! Und der Schotter liegt überall verteilt auf der Straße“, sagt der 53-Jährige. Die Steine schlügen zum Beispiel auch bis an den Kofferraum seines Autos.

Vor allem für Radfahrer sei das gefährlich. Eine Anwohnerin erzählt, dass sie jedes Mal Angst habe, wenn sie auf Höhe der geöffneten Straßendecke in den Sachsenweg abbiegen will: „Hier fahren doch auch viele Kinder, die könnten durch die Kante und die Steine wegrutschen.“

Frank Kruse zeigt die Schotterfurche, die quer über die Schützenstraße führt.

Frank Kruse zeigt die Schotterfurche, die quer über die Schützenstraße führt. Foto: Oliver Schwabe

Das sagt die Gemeinde

Stephan Heerde ist bei der Gemeinde Borchen für den Glasfaserausbau zuständig. Auf Anfrage betont er, dass der Ausbau erst im Sommer angefangen habe und von Ortsteil zu Ortsteil vorgegangen werde. Leerrohre seien mittlerweile bis zu den Schaltkästen verlegt. Was fehlt, seien die Hausanschlüsse, die noch gemacht werden müssten. „Das Problem ist der steinige Boden. Dadurch verzögern sich die Arbeiten“, erläutert Heerde. Normalerweise schaffe die zuständige Firma drei bis vier Hausbohrungen pro Tag. In Borchen sei nur eine. „Erst wenn die Hausanschlüsse fertig sind, können die Kabel eingeblasen werden“, erläutert er. Hierbei sei es möglich, dass die Straße wieder geöffnet werden müsste, weil zum Beispiel ein Leerrohr beschädigt sei. „Wir haben 20 Kolonnen, die die Hausbohrungen vornehmen. Die Böden sind schwer zugänglich. Deswegen verzögert sich der Prozess“, sagt Heerde.

Die Deutsche Glasfaser baue den gesamten Ort aus. Das betreffe auch Straßen, in denen aktuell kein Anwohner einen Anschluss haben wolle. Heerde: „Es kann ja sein, dass irgendwann ein Haus vermietet oder verkauft wird und der neue Eigentümer einen Anschluss möchte.“ Zu den Steinen im Gulli am Schlesierweg erläutert er, dass die Gemeinde regelmäßig die Straßenabläufe säubere: „Wir machen alle Sinkkästen viermal im Jahr sauber. Dafür gibt es einen festen Plan, nach dem wir vorgehen.“

Das sagt Deutsche Glasfaser

Auf Anfrage dieser Zeitung teilt die Deutsche Glasfaser mit, dass es sich bei den Schotterflächen um eine provisorische Lösung handele. „Die Oberflächen werden alle im Anschluss der Arbeiten wieder vollständig hergestellt. Das überprüft auch die Gemeinde bei einer gemeinsamen Begehung“, erläutert Dennis Slobodian, Senior Referent Unternehmenskommunikation der DG. In Borchen gibt es sechs Ausbaugebiete, von denen fünf bereits fertig seien. Nur Nordborchen sei noch offen. „Wir können die Straßen erst wieder verschließen, wenn die Anschlüsse fertig bis zum Haus verlegt sind, da wir einzelne Stellen eventuell noch mal öffnen müssen“, bittet er um Geduld.

Mit den Stolperkanten und ausgewaschenen Stellen müssen sich die Anlieger trotzdem nicht herumplagen, betont Dennis Slobodian und verspricht, dass solche Stellen zeitnah behoben werden: „Es gibt regelmäßige Baubesprechungen mit der Gemeinde Borchen, dem Bauleiter und dem Projektleiter der Deutschen Glasfaser. Dabei werden solche Rückmeldungen besprochen.“ Bei der Bau-Hotline der Deutschen Glasfaser unter Telefon 02861/89060940 könnten die Anwohner solche Schäden melden. Der Kundenservice gebe diese Hinweise an den Bauleiter weiter.

Bis Ende 2020 will die Deutsche Glasfaser die Anschlüsse bis zu den Kunden in den fünf Ortsteilen verlegt haben. Die Aktivierung in Nordborchen erfolge 2021. „Da die Asphaltwerke erst wieder im März öffnen, können wir die Flächen vorher noch nicht wieder herstellen. Wir wollen aber bis Ende des zweiten Quartals 2021 fertig sein“, schildert Dennis Slobodian den Zeitplan. Die Kunden sollen bereits im Januar ans Netz angeschlossen sein.

In der Furche auf der Schützenstraße sind teilweise so tiefe Löcher, dass Fußgänger an der Kante umknicken können.

In der Furche auf der Schützenstraße sind teilweise so tiefe Löcher, dass Fußgänger an der Kante umknicken können. Foto: Oliver Schwabe

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