Prozess um den Mord an einer 76-jährigen Witwe aus Borchen: Angeklagte Tochter äußert sich erstmals vor Gericht
„Das Verhältnis zu meinen Eltern war gut“

Paderborn (WB/jvh) -

Es war eine Premiere: Zum ersten Mal seit Beginn des Prozess um den Mord an einer 76-jährigen Witwe aus Borchen hat sich die angeklagte Tochter vor Gericht geäußert. Bei der Verlesung ihrer Biografie fließen Tränen.

Mittwoch, 24.02.2021, 19:11 Uhr
Seit dem 2. Oktober des vergangenen Jahres läuft der Prozess gegen die mittlerweile 48-jährige Borchenerin.
Seit dem 2. Oktober des vergangenen Jahres läuft der Prozess gegen die mittlerweile 48-jährige Borchenerin. Foto: Jörn Hannemann

Die Emotionen der 48-Jährigen wirkten authentisch, von der sprichwörtlichen Krokodilsträne konnte keine Rede sein. Mit brüchiger und zittriger Stimme ergreift die Beschuldigte erstmals während des monatelangen Prozesses das Wort, berichtet kurz und knapp von ihrer Kindheit und ihren Eltern.

Als sie vom Tod ihres Vaters im Jahr 2013 und der guten Beziehung zu ihren Eltern erzählt, bricht die Stimme und die Angeklagte verstummt. Erst nach einigen Minuten und viel Zuwendung ihrer Verteidiger Mario Prigge und Christian Kemperdick setzt sie die Verlesung ihres Lebenslaufs fort. Deutlich gefestigter lässt sie ihre Jugend Revue passieren, das Gericht erfährt, dass sie bis zur 11. Klasse auf ein Gymnasium ging, um anschließend auf die Höhere Handelsschule zu wechseln. Dort schaffte die mutmaßliche Täterin ihr Fachabitur und begann, anschließend als Verwaltungsfachangestellte beim Kreis Paderborn zu arbeiten. „In 2021 absolviere ich mein 28. Dienstjahr – denn bis heute wurde mir nicht gekündigt“, sagt die 48-Jährige.

Bei der Kreisverwaltung habe sie mehrere Abteilungen durchlaufen, bis sie kurz vor der Jahrtausendwende ihren Ex-Mann kennenlernte. Der Kreisveterinär war damals noch verheiratet, nach der Trennung von seiner damaligen Ehefrau zog er mit der Angeklagten zusammen. „Meine Hobbys waren unsere Hunde und Katzen sowie die vielen Reisen mit meinem Partner“, gibt die Angeklagte vor Gericht Persönliches preis.

Die scheinbar sorgenfreien Jahre endeten spätestens Ende im September 2019, als es zum mutmaßlichen Mord an der eigenen Mutter sowie dem kurz darauf folgenden schweren Unfall auf der A3 bei Nürnberg kam. Zu den Vorwürfen äußert sich die Beschuldigte nicht, genauso wenig wie sie über ihre offensichtliche Spielsucht und Alkoholprobleme ein Wort verliert.

Der letzte Abschnitt ihrer Biografie handelt von der Zeit in der Untersuchungshaft in Bielefeld. „Schlägereien, Suizide und Suizidversuche kommen immer wieder vor“, schildert die Angeklagte ihre Eindrücke. Die Zeit in der U-Haft „ist sehr schwer für mich“, macht sie deutlich. Der Mordprozess wird am 11. März fortgesetzt. Weitere Termine sind geplant.

 

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