Fr., 31.08.2018

Jungem Afghanen droht Ausweisung, er soll aber minderjährig sein und bald Vater werden Juristisches Tauziehen um Abschiebung

Die Abschiebehaft in Büren.

Die Abschiebehaft in Büren. Foto: Bexte/Archiv

Von Bernd Bexte

Büren/Paderborn (WB). Um einen abgelehnten Asylbewerber aus Afghanistan, der zur Zeit in der Abschiebehaft in Büren sitzt, ist ein juristischer Streit entbrannt: Die Zentrale Ausländerbehörde will ihn abschieben, das Paderborner Landgericht muss über das Schicksal des jungen Mannes aber noch entscheiden. Er ist nach eigenen Angaben minderjährig und wird in wenigen Monaten Vater.

Nach Angaben des Vereins »Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren« war K. ohne seine Eltern nach Deutschland gekommen. Identitätspapiere belegten, dass er minderjährig sei. »Er wird erst am Ende des Jahres 18«, sagt Vereinssprecher Frank Gockel. K. habe sich gut eingelebt, spreche Deutsch und habe eine deutsche Freundin, die ein Kind von ihm erwarte. »Sie ist im dritten Monat schwanger, er steht zu dem Kind.« Der junge Mann, der in Meschede lebt, hat jedoch keine Aufenthaltserlaubnis. Die Ausländerbehörde des Hochsauerlandkreises drängt deshalb auf eine Abschiebung. Eine Vaterschaft würde dabei allerdings ein sehr großes juristisches Hindernis darstellen.

Vor etwa sechs Wochen war K. nach Angaben des Vereins in Abschiebehaft genommen worden. Am 14. August habe er abgeschoben werden sollen. Er habe sich Schnittwunden am Oberkörper und am Oberschenkel zugefügt, was die Abschiebung verhinderte.

Mit der Einweisung in die Abschiebehaft war der Fall vom Hochsauerlandkreis auf die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) in Unna übergegangen, die für solche Fälle im Regierungsbezirk Arnsberg zuständig ist. Als die Haftzeit ablief, stellte die ZAB einen Haftverlängerungsantrag. Das Amtsgericht Paderborn lehnte diesen am Donnerstag jedoch ab – unter anderem weil nicht klar ist, ob K. nicht doch minderjährig ist. Denn seine Eltern hatten einen Ausweis nach Deutschland geschickt, der beweisen soll, dass er erst 17 ist – was eine Abschiebung unmöglich machte. Die ZAB in Unna legte Beschwerde gegen den Richterspruch ein. Jetzt muss das Landgericht Paderborn entscheiden. Das traf am Freitag noch keine Entscheidung, sondern legte für Mittwoch einen Anhörungstermin fest. »Bis dahin bleibt der junge Mann in der Abschiebeeinrichtung«, sagt Bernd Woyte, Vizepräsident des Landgerichts. Es gebe noch einiges zu klären, etwa das Alter des Afghanen. Zudem sei er unter mehreren Namen bekannt.

Weder die Bezirksregierung Detmold, die die Abschiebehaft in Büren leitet, noch die ZAB Unna oder der Hochsauerlandkreis wollten sich zu dem Fall äußern.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6024140?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851064%2F