Do., 14.02.2019

Bauausschuss in Büren lehnt gesondertes Grabfeld für Muslime ab Gleichbehandlung auch im Tod

Auf dem Friedhof »Auf dem Dören« in Paderborn befindet sich ein Grabfeld für muslimische Verstorbene. In Büren wird es ein solches Angebot nicht geben, das hat jetzt der Ausschuss für Bauen, Umwelt und Stadtplanung einstimmig beschlossen.

Auf dem Friedhof »Auf dem Dören« in Paderborn befindet sich ein Grabfeld für muslimische Verstorbene. In Büren wird es ein solches Angebot nicht geben, das hat jetzt der Ausschuss für Bauen, Umwelt und Stadtplanung einstimmig beschlossen.

Büren (WB/han). Ein gesondertes Gräberfeld für Muslime, so wie es etwa die Stadt Paderborn anbietet, wird es auf dem Bürener Friedhof auch künftig nicht geben. Das hat der Bauausschuss jetzt einstimmig beschlossen.

Das muslimische Bestattungsritual stellt bestimmte Anforderungen. So müssen unter anderem das Grab selbst und der Verstorbene im Grab in Richtung Mekka ausgerichtet sein. Um das zu gewährleisten, steigen Angehörige in das Grab, um den Verstorbenen, der ohne Sarg bestattet wird, vor Ort korrekt zu betten.

Vor große Herausforderungen stellt Friedhofsverwaltungen der Anspruch, dass Muslime nur gemeinsam mit anderen Muslimen beerdigt werden sollen – und zwar in einem Bereich, in dem es zuvor keine Beisetzungen gegeben hat und in dem die Gräber nicht nach einer bestimmten Ruhezeit eingeebnet werden.

Zurzeit, so stellte Abteilungsleiterin Marita Krause im Ausschuss klar, könne Büren zumindest diese beiden Bedingungen nicht erfüllen. Dazu sei eine Satzungsänderung inklusive Gebührenanpassung notwendig, außerdem müsse ein zusätzlicher Friedhofsteil eigens ausgewiesen werden.

Dazu wird es nach dem Willen des Ausschusses aber nicht kommen. Einmütig stimmten die Politiker dem Antrag der Verwaltung zu, den Joachim Finke (CDU) noch mit einer Ergänzung versah. Danach sollen Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung, wie es auch bisher schon üblich ist, gemeinsam mit den Angehörigen eines Verstorbenen in einem Beratungsgespräch vor Ort auf dem Friedhof nach einer geeigneten Grabstätte suchen. Dabei sollen sie, soweit es irgend möglich ist, auf die Wünsche und Bedürfnisse eingehen und zwar, so hat es die CDU noch einmal konkretisiert, »auf der Grundlage der für alle Bürger geltenden Friedhofssatzung«, die unverändert bleibt.

Die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit gelte auch nach dem Tod, betonte Franz-Josef Borghoff (SPD). Um Bestattungen nach muslimischem Ritus zu ermöglichen, könnten sich vielleicht benachbarte Gemeinden zusammen tun und ein gemeinsames Angebot schaffen, schlug er vor und regte an, dass die Verwaltung entsprechende Gespräche anbahnen sollte.

Anders sah es Pascal Genee (CDU), der vor allem mit der Ablehnung der Beerdigung unter Nicht-Muslimen Probleme hatte: »Wir reden hier über kommunale Friedhöfe«, betonte er. Das zu gewährleisten, könne nicht Aufgabe der Kommunen sein. Wenn denn Bestattungen nach korrektem muslimischen Ritus gewünscht seien, müssten die Religionsgemeinschaften selbst die Möglichkeiten schaffen und finanzieren.

Im Oberzentrum Paderborn gibt es auf dem Friedhof »Auf dem Dören« ein kleines Gräberfeld für Muslime. Dort wurde letztlich nach einer Kulanz-Entscheidung auch der verstorbene Bürener syrischer Herkunft bestattet, dessen Tod im Herbst vergangenen Jahres den Anlass für die jetzige Diskussion über das Thema lieferte. Eigentlich aber ist dieses Gräberfeld nur für Muslime gedacht, die in Paderborn gelebt haben.

Bestatter Dieter Sauerbier, der sowohl in Büren als auch in Paderborn tätig ist, hält das Problem keinesfalls für so drängend, dass in Büren eine Änderung der Friedhofssatzung gerechtfertigt wäre. »Ein Sonder-Grabfeld auszuweisen, wäre völliger Irrsinn«, wird er deutlich.

In seinen mittlerweile 23 Jahren als Bestatter habe er bisher genau einen Fall erlebt, in dem in Büren eine muslimische Bestattung ermöglicht werden sollte, was auch gelungen sei. »So etwas kann unbürokratisch geregelt werden«, so Sauerbier, der bei Auslandseinsätzen auch muslimische Bestattungen betreut hat.

Nach Auskunft von Geistlichen, hat er dabei erfahren, könnten die Anforderungen ohnehin je nach Islam-Auslegung sehr unterschiedlich sein. So dürften beispielsweise im einen Fall keine Frauen an der Bestattung teilnehmen, während sie andernorts willkommen seien.

Wirklich unabdingbare Bestandteile, die überall zum Ritus gehören, seien letztlich nur die Waschung des Verstorbenen durch die Angehörigen, wozu Sauerbier in seinen Bestattungshäusern schon mehrfach problemlos die Voraussetzungen geschaffen habe, und die Ausrichtung des Grabes gen Mekka.

Kommentar

Der Bauausschuss hat eine gute und vernünftige Entscheidung getroffen. Es ist absolut legitim, wenn gläubige muslimische Familien ihre Verstorbenen nach dem Ritus beisetzen möchten, den ihre Religion vorschreibt. Nur kann eine kleine Kommune eben nicht sämtliche der durchaus schwierigen Anforderungen erfüllen – und das muss sie auch gar nicht.

Ohnehin geht es bisher nur um sehr wenige Fälle. Und hier darf man wohl darauf vertrauen, dass die Mitarbeiter der Verwaltung alles versuchen, um die Wünsche der Hinterbliebenen soweit wie irgend möglich zu erfüllen. Sollte sich zeigen, dass muslimische Bestattungen künftig häufiger zum Problem werden, könnte tatsächlich ein zentraler Bestattungsort für mehrere Orte eine Lösung sein. Hanne Hagelgans

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