Sa., 13.07.2019

OWL-Airport kostet Kurzzeit-Intermezzo von Adria Airways zwei Millionen Flughafen-Verlust steigt weiter

Blick auf die Abflughalle des Airports Paderborn-Lippstadt. Seit Jahren steigen die Verluste des Flughafens – inzwischen rasant.

Blick auf die Abflughalle des Airports Paderborn-Lippstadt. Seit Jahren steigen die Verluste des Flughafens – inzwischen rasant. Foto: dpa

Von Oliver Horst

Büren (WB). Der Flughafen Paderborn-Lippstadt gerät immer tiefer in die Verlustzone. Nach einem Fehlbetrag von 4,5 Millionen Euro 2018 wird für das laufende Jahr ein Defizit von 5,76 Millionen erwartet. Damit wird die noch immer nicht von allen Gesellschaftern beschlossene Verdopplung der Verlustabdeckung immer wichtiger. Sonst droht ein Liquiditätsengpass.

Paderborns Landrat Manfred Müller (CDU) als Vertreter des größten Anteilseigners und Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft hat trotz der steigenden Verluste auch Hoffnung auf Besserung. Das sagte er am Freitag im Anschluss an Sitzungen des Aufsichtsrates und der Gesellschafterversammlung. Müller betonte die Bedeutung des Airports für die Region. »Es ist wichtig, dass wir auch in dieser schwierigen Phase geschlossen hinter dem Flughafen stehen«, sagt Müller und kündigt an, auch für eine Einbindung der Wirtschaft werben zu wollen (siehe nebenstehenden Kasten).
Die reinen Zahlen sind ernüchternd. Die vor 50 Jahren gegründete Flughafengesellschaft, die von 1994 bis 2008 noch Überschüsse erwirtschaftete, kämpft mit Fehlbeträgen in immer neuen Rekordhöhen. 2017 lag der Verlust noch bei 2,97 Millionen Euro. Für den deutlichen Anstieg des Defizits im Jahr 2018 und in der Planung für 2019 macht Müller vor allem vergebliche Anschubhilfen für Flüge der Adria Airways verantwortlich. Es ging um Ziele, die sich ausgerechnet Firmen gewünscht hatten. Die Resonanz aber war schwach.

Intermezzo kostet zwei Millionen

Aufsichtsratchef will Wirtschaft einbinden

Einen Beitrag zur Stabilisierung des Flughafens soll künftig möglichst auch die regionale Wirtschaft liefern, sagt Paderborns Landrat Manfred Müller (CDU). Diese Forderung aus Debatten bei den kommunalen Gesellschaftern will der Airport-Aufsichtsratschef aufgreifen. Er kündigt diesbezüglich Gespräche und Initiativen im zweiten Halbjahr an.
»Wir werden Konzepte vorbereiten und schauen, ob es Möglichkeiten gibt, von denen beide Seiten profitieren«, sagt Müller. Vorstellbar seien feste Buchungskontingente für Unternehmen. Oder auch die Beteiligung etwa nach einem vom Paderborner Unternehmer Heinz Nixdorf in den 1980er Jahren vorangetriebenen Vorbild einer Flugbetriebsgesellschaft.

Das Intermezzo der slowenischen Airline von Ende Oktober bis Anfang Februar mit Flügen nach Zürich und Wien sowie bis Anfang Januar nach London hat den Airport zwei Millionen Euro gekostet. »Der etwas größere Teil davon entfällt auf das Jahr 2018«, sagt Müller. Der andere Teil sorgt dafür, dass der Flughafen im Wirtschaftsplan für das laufende Jahr mit dem nächsten Rekorddefizit von sogar deutlich mehr als fünf Millionen Euro rechnet.
Unerwartete Belastungen gebe es zudem wegen der Probleme mit der Boeing 737 Max. Der Flugzeugtyp muss nach zwei Abstürzen seit Monaten am Boden bleiben. Das hat zur Folge, dass Airlines andere Maschinen einsetzen, die eigentlich für Flüge von Regionalairports wie Paderborn vorgesehen waren. Müller: »Deshalb fallen immer wieder Flüge aus, was das Ergebnis zusätzlich belastet.«
Trotz der tiefroten Zahlen, die auch über dem zuletzt angekündigten Korridor von vier bis fünf Millionen Euro Jahresverlust liegen, sei der Wirtschaftsplan in beiden Gremien bei einer Enthaltung beschlossen worden. Noch nicht enthalten in der Planung ist eine auf 5,0 Millionen pro Jahr verdoppelte Verlustabdeckung durch die kommunalen Gesellschafter. Diese soll für die vier Jahre 2019 bis 2022 in Summe abgerechnet werden, so dass maximal 20 Millionen Verlust in der Periode ausgeglichen werden. Während die Kreise Paderborn, Höxter, Soest und Hochsauerland zugestimmt haben, stehen die Beschlüsse der Kreise Gütersloh und Lippe sowie der Stadt Bielefeld aus. Müller ist aber »voller Zuversicht, dass wir die Zustimmungen im zweiten Halbjahr bekommen«.
Das sei auch von existentieller Bedeutung. Über die Verlustabdeckung hinausgehende Fehlbeträge werden zwar bilanziell von der mit fast 20 Millionen Euro gefüllten Gewinnrücklage gedeckt. »Wir benötigen aber im kommenden Jahr auch für betriebsnotwendige Investitionen Geldzuflüsse.«
Als »wichtiges Signal« bezeichnet Müller derweil die Ankündigung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), eine Ausweitung der Zuständigkeit der Deutschen Flugsicherung auf weitere Regionalflughäfen zu prüfen. Das würde den OWL-Airport jährlich um rund 1,5 Millionen Euro entlasten. »Wir dürfen uns berechtigte Hoffnungen machen, dass unsere Forderung umgesetzt wird. Zu welchem Zeitpunkt das passiert, vermag ich aber nicht zu prognostizieren«, sagt Müller.

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