Do., 26.03.2020

Gemeinden im Altkreis Büren machen neue Angebote und nutzen das Internet Die Kirche kommt nach Hause

Auch in der katholische Pfarrkirche St. Nikolaus in Büren dürfen zurzeit keine Gottesdienste stattfinden. Mit dem Angebot „Kirche zu Hause“ bietet der Pastoralverbund Materialien an, um daheim den Sonntag schön und besonders zu gestalten.

Auch in der katholische Pfarrkirche St. Nikolaus in Büren dürfen zurzeit keine Gottesdienste stattfinden. Mit dem Angebot „Kirche zu Hause“ bietet der Pastoralverbund Materialien an, um daheim den Sonntag schön und besonders zu gestalten. Foto: Jörn Hannemann

Büren (WB/han). Zu den vielen Einschränkungen, die der Schutz vor dem Coronavirus in diesen Tagen mit sich bringt, gehört auch, dass keine Gottesdienste stattfinden dürfen. Doch viele Gemeinden lassen sich etwas einfallen, um die Menschen gerade in dieser schwierigen Zeit trotzdem zu erreichen. Das Internet hilft dabei.

So lädt beispielsweise der Pastoralverbund Büren, der das gesamte Stadtgebiet umfasst, dazu ein, an den Sonntagen beim Angebot „Kirche zu Hause“ mitzumachen. Über die Internetseite des Pastoralverbundes (www.pv-bueren.de) können sich alle Interessierten Materialien herunterladen, die dabei helfen, im Familienkreis eine Art Sonntagsgottesdienst zu feiern.

Angeboten werden das Evangelium des jeweiligen Sonntags mit Predigt, ein textlicher Impuls und außerdem auch Materialien für Kinder. Das Programm ist am vergangenen Sonntag gestartet und soll jeweils mit neuen Inhalten fortgesetzt werden, solange keine Gottesdienste stattfinden.

Das Angebot sei wichtig, „gerade jetzt in der Fastenzeit, in der wir uns auf Ostern vorbereiten und uns auf die wichtigsten Festtage im Jahr gefreut haben“, meint Gemeindereferentin Daniela Reineke. Der Begriff Kirche, gibt sie zu bedenken, meine ja nicht nur das Gebäude, sondern auch die Gemeinschaft aller Getauften, aller Christen: „In diesem Sinne verstehen wir Kirche als eine große, weltumspannende Gemeinschaft von Lebenden und Verstorbenen. Diese Kirche ist immer geöffnet“.

Die Corona-Pandemie wirbele den Alltag der Menschen zurzeit in noch nie dagewesener Form durcheinander: „Wir müssen auf viele vertraute, soziale Kontakte verzichten, verbringen mehr Zeit als sonst zu Hause, erleben Enttäuschungen, Unsicherheit, Angst und Einsamkeit“.

Gerade da sei es wichtig, dass die Seelsorger mit den Menschen in Kontakt blieben. Und es könne gut tun, den Sonntag auch ohne Gottesdienst in der Kirche zu etwas Besonderem zu machen und sich als Teil der Kirche, als Teil einer großen Gemeinschaft und als Teil der Gemeinde vor Ort zu fühlen. Ihr Rat: „Gestalten Sie den Sonntag bewusst anders als die Alltage. Nehmen Sie sich, allein oder als Familie, etwas Zeit für die Impulse und eröffnen Sie sozusagen eine Kirche zu Hause.“

Die Gemeinden im Altkreis lassen die Gläubigen nicht allein. So sind die Geistlichen, Seelsorger und Pfarrbüros wenn auch nicht persönlich, so doch telefonisch erreichbar. An jedem Abend um 19.30 Uhr läuten auch in Salzkotten die größten Glocken jeder katholischen Kirche im Stadtgebiet und laden zum Gebet und zur Gemeinschaft ein. „Jedes Mal ist es auch ein dankbares Erinnern an die vielen Frauen und Männer, die sich in dieser Zeit beruflich oder ehrenamtlich für die Mitmenschen einsetzen. Dies ist eine Aktion, die in den Erzbistümern Paderborn und Köln und im Bistum Münster die Menschen verbindet“, erläutert Pastor Martin Beisler. Außerdem läuten jeden Sonntag um 10 Uhr die Glocken und laden zum Gebet des Vaterunsers ein.

Zum stillen Gebet, bei dem ebenfalls auf die empfohlenen zwei Meter Abstand zu anderen Menschen zu achten ist, sind die meisten katholischen Kirchen in der Zeit von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Vor der evangelischen Immanuel-Kirche in Bad Wünnenberg ist ein Altar aufgebaut, an dem Passanten beten und eine Kerze entzünden können.

Vielfältige Materialien, Blogs und Online-Gottesdienste bietet auch das Erzbistum Paderborn: www.erzbistum-paderborn.de.

Kommentar

Gottesdienste und Geselligkeiten dürfen zurzeit nicht stattfinden. Glauben und Gemeinschaftsgefühl sind aber keineswegs abgesagt. Ganz im Gegenteil: In diesen schwierigen Tagen sind sie für einige sicherlich wertvoller als je zuvor.

Dass die Gemeinden jetzt schnell und unkompliziert neue, moderne Wege gehen, um mit den Menschen in Verbindung zu bleiben, ist wunderbar. Und vielleicht wird auch das zu den ganz unerwarteten guten Dingen gehören, die sich aus der Krise lernen lassen und die auch noch Bestand haben werden, wenn alles überstanden ist.

Allerdings kann viele der neuen Angebote nur nutzen, wer einigermaßen fit in Sachen Internet ist. Gerade bei Älteren, die ihr Sonntagshochamt vermissen, könnte das ein Problem sein. Hier sind die Jüngeren gefragt. Für die betagte Nachbarin mit einzukaufen, ist eine tolle Sache. Und vielleicht würde sie sich auch riesig freuen, wenn ein netter Mitmensch ihr die Sonntagsmaterialen des Pastoralverbunds ausdruckt und in den Postkasten steckt. Hanne Hagelgans

 

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