SS-Erinnerungs- und Gedenkstätte in Büren-Wewelsburg besteht seit zehn Jahren
Ein Ort der Opfer und der Täter

Büren (WB). Wie fühlt es sich an, verschleppt, verachtet und tagtäglich Gewalt ausgesetzt zu sein? Was geht in den Köpfen und Herzen jener vor, die diese Gräueltaten verübten? Seit genau zehn Jahren versucht die zeitgeschichtliche Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“ in Wewelsburg als weltweit einzigartige Gesamtdarstellung der Schutzstaffel (SS) der NSDAP auf all das Antworten zu finden.

Mittwoch, 15.04.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 15.04.2020, 05:01 Uhr
Seit zehn Jahren besteht die Erinnerungs- und Gedenkstätte „Ideologie und Terror der SS“ in Wewelsburg. Dabei beschränkt sich die Ausstellung nicht auf die Objekte im umgebauten Wachgebäude. Auch die Burg selbst (im Bild die Gräfte) ist Teil des Ausstellungskonzepts. Foto:
Seit zehn Jahren besteht die Erinnerungs- und Gedenkstätte „Ideologie und Terror der SS“ in Wewelsburg. Dabei beschränkt sich die Ausstellung nicht auf die Objekte im umgebauten Wachgebäude. Auch die Burg selbst (im Bild die Gräfte) ist Teil des Ausstellungskonzepts.

Am 15. April 2010 wurde im umgebauten ehemaligen Wachgebäude die Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg mit der modernen und zeitgemäßen Dauerausstellung eröffnet. Es sei ein Täterort, der gleichzeitig ein Opferort sei: Landrat Manfred Müller bekannte sich damals zur Aufgabe der Einrichtung, mit der Vermittlung der Geschichte der SS politische Bildungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten und gegen das Vergessen zu arbeiten. „Als Träger der einzigen KZ-Gedenkstätte auf nordrhein-westfälischem Boden war und bin ich mir der Verantwortung zur Wahrung des Vermächtnisses der Opfer des SS-Terrors bewusst“, betont Müller auch heute. Ziel sei es, an die Bereitschaft der Besucher dieses spannungsgeladenen historischen Ortes zu appellieren, Verantwortung für sich und ihr Handeln in der Gesellschaft zu übernehmen.

Ein Blick in die Geschichte: Der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, hatte die Wewelsburg gepachtet, um sie unter rücksichtloser Ausnutzung von KZ-Häftlingen zu einem Versammlungsort mit gigantischen Ausmaßen für seine Gruppenführer umzubauen. Die Pläne waren gigantisch. In letzter Konsequenz hätte das Dorf Wewelsburg weichen müssen.

Ziel der Ausstellungsmacher um den damaligen Museumsleiter Wulff E. Brebeck und seine Nachfolgerin und heutige Museumsleiterin Kirsten John-Stucke war es, alle weltanschaulich-ideologischen und verbrecherischen Facetten der SS auf Grundlage des jeweils aktuellen Forschungsstandes zu präsentieren. Gleichzeitig sollte der ideologische und mythisch aufgeladene Ort ein Gedenkort für die Opfer der SS-Gewalt sein. Die Kosten für Umbau und Neukonzeption in Höhe von sieben Millionen Euro wurden durch Förderung des Bundes und des Landes NRW unterstützt.

Nicht bewahrheitet hatten sich die vor der Ausstellungseröffnung geäußerten Sorgen, gerade durch die Präsentation von Originalen wie Heinrich Himmlers Tagebuch oder Uniformen und Schriften der SS auch die rechtsradikale Szene verstärkt anzuziehen. „Wir richten unsere Ausstellung an mündige Besucher. Die Ausstellungsobjekte dienen der Aufklärung über die Ideologie und Weltanschauung der Schutzstaffel“, erklärt Museumsleiterin Kirsten John-Stucke. Man zeige sie betont nüchtern und neutral, um eine Faszination zu vermeiden.

Das Kreismuseum hat mit der Erinnerungs- und Gedenkstätte auch die Bildungsarbeit erweitert. Mit jährlich mehr als 50.000 Besuchern und mehr als 600 Gruppen komme die pädagogische Abteilung ihrem historisch-politischen Bildungsauftrag nach.

Darüber hinaus finden zahlreiche Sonderausstellungen, Seminare, Studientage oder Workcamps statt. Bildungspartnerschaften mit Schulen gehören seit einigen Jahren zum Programm. Richtungsweisend sei das „Hingucker“-Programm, mit dem die Gedenkstätte neue Wege in der Vermittlung von gesellschaftlichen Werten wie Zivilcourage und Demokratieerziehung für die Schulklassen vier bis sechs beschreite.

Die Erinnerungs- und Gedenkstätte stellt darüber hinaus auch die Lokalkoordination für das Bundesprogramm „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und berät die teilnehmenden Schulen. „Die junge Generation soll lernen, die Geschichte zu verstehen, damit sie in demokratischem Verständnis handeln und ihre Zukunft gestalten kann“, betont Landrat Manfred Müller.

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